Dear future self

„Dear future self“ hallt es in meinem Kopf. Und das haut mich jetzt irgendwie um. Ich laufe mit Kopfhörern durch den Wald und lasse die letzten Monate an mir vorbeiziehen. Vor einigen Tagen habe ich mich beschäftigt, mit meinem „Future Self“. Ich habe mir einen Brief geschrieben und an mich selbst abgesendet. Andere Worte gewählt. Das gleiche gemeint. Und jetzt dieser Sound*.

Dear future self
I’m sending you this
I would like to document this moment

Ich bin in Woche 12 des WOL Circle von John Stepper und eine der Aufgaben ist es, dir selbst zu schreiben, an dein zukünftiges Ich. Und es schließen sich so viele Kreise, es schließt sich langsam so vieles und wird greifbar, sichtbar, spürbar. Es hat mit mir zu tun, mit meinem Weg. Mit dem was war, was ist und was sein wird. 

12 Wochen haben wir uns begleitet. Und aus einem falsch verstehen zu Beginn, hat sich eine Konstellation ergeben, die in die Zukunft reicht. Die einen Platz in unserem Leben hat. In meinem, in dem der anderen. Weichen wurden gestellt.

Dear future self
Wherever you are in life
I would like to inform you
That we are okay

Was war. Ich komme immer wieder an den Punkt, an dem meine Reise vor 5 Jahren begann. Kein schöner Punkt in meinem Leben. Kein Ausblick, kein Höhepunkt. Noch nie habe ich mich nutzloser und unsichtbarer gefühlt, wie in dem Jahr, in dem ich zugleich meinen 50sten Geburtstag feierte. Ich sehe mich noch dort stehen, ein Glas Sekt in der Hand, neben mir meine Freundin Sabine (die mit dem Bio-Bauernhof), wir befinden uns im „Bauernhaus“, jenes Hof-Gebäude in dem die alten Bauern untergebracht wurden, wenn sie ihren Dienst getan hatten und feiern meinen Geburtstag mit Freunden.

Ein bißchen unwohl hab ich mich gefühlt, stand lange beim Czerny im Kuhstall, bis er mich schickte „kümmer dich um deine Gäste“. Einst hatte ich dabei geholfen das Haus aus dem 17ten Jahrhundert zu renovieren, wild gesägt, gehämmert und gearbeitet hatte ich und halte jetzt voller Stolz das Glas in die Höhe. Auf dem Bild kann man sie zählen, alle 10 Finger sind noch da. Locker hätte ich einen verlieren können, bei den Sägearbeiten, die ich damals in dem Gebäude verrichtete. Grinsen tun wir beide, die Sabine und ich, breit und über das ganze Gesicht. Es gibt ein Foto, es dokumentiert den Moment. Sichtbar: Alle Finger sind noch da. Unsichtbar: Die Seele verletzt.

Wo gehobelt wird, da fallen die Späne.

Ich hatte gerade meinen Job verloren. Ich wurde gerade meinen Job verloren. Jemand hat dafür gesorgt, dass ich meinen Job verlor. Jemand hat besonders gemein dafür gesorgt, dass ich meinen Job verlor. Jemand wollte mich loswerden und hatte es gerade noch rechtzeitig als Geschenk zu meinem 50sten geschafft. Gratulation. Happy Birthday to my past me. 

But no matter how difficult and how unforgiving things may be
We are alright
That we are okay
We are alright

Was ist. Mir geht es gut. Ich bin in Ordnung. Alles ist gut. Ich bin noch nicht so weit mich dafür „was war“ zu bedanken, aber fast. Einziges Zeichen meines stillen Protests und Erinnerns an diese Zeit, ist eine Postkarte, oben auf dem Regal. „Don’t work with assholes“ steht da geschrieben, eingerahmt und schön typografisch gesetzt, wacht es über mich und mein Tun. Eine stille Erinnerung, die mich mahnt, aufzupassen wem ich vertraue. Keinen Beratern, niemanden der die Buchstaben HR in seinem Job-Titel stehen hat. 

Dear future self
I have an issue but I know that we are gona be alright
Dear future self
I’m sending you this

Ich schlage nochmal den Bogen zurück, zu meiner WOL-Gruppe mit der ich die letzten 12 Wochen verbrachte. Fremde Menschen, die ich über den WOL-Circle-Finder fand. Wir sind in den 30/40/50/60ern. Gefunden haben wir uns aus einem Irrtum heraus. Ich dachte das ein WOL-Circle thematisch aufgebaut ist und habe eingeladen, in den 12 Wochen die U-Theorie von Otto Scharmer einmal zu durchlaufen. Das hat dann ja nicht geklappt, schnell wurde uns klar, dass es um persönliche Ziele geht und nicht um ein großes gemeinsames Ziel. Tolle Meetings hatten wir, voller Wertschätzung und gegenseitiger Unterstützung. Zusätzlich zu unseren offiziellen wöchentlichen stattfindenden WOL-Meetings, haben weitere 1:1 Meetings zwischen einzelnen von uns stattgefunden. Wir hatten uns viel zu sagen und noch mehr voneinander zu lernen.

Am Ende ist mehr daraus entstanden, als ich zu Beginn gedacht hatte: Drei von uns Vieren haben sich am EDX eingeschrieben und gemeinsam werden wir uns jetzt im September tatsächlich am U.Lab auf die Reise zur Theorie U begeben. Ich freue mich schon. Zwei von uns Vieren werden im Oktober zusammen wandern gehen. Vier von uns Vieren treffen sich nächstes Jahr auf der re;publica. Ist das nicht der Hammer? Und außerdem schwebt da noch im Raum, nochmals einen Circle dranzuhängen. Liebe Cecilia, liebe Katja, lieber Michael: Es war mir eine Freude euch kennenzulernen. Ich danke euch von Herzen für die gemeinsame Zeit, das Lernen und Entdecken, das gemeinsam Lachen und das gemeinsame Weinen. Ich habe mich auf jeden einzelnen unserer Termine so sehr gefreut.

Please fulfill your potential
Please do not hold back
I would like to inform you
That we are okay

Was sein wird. Ich durfte eine Tür öffnen und auf mein zukünftiges ich spickeln. Ich durfte sehen, dass mein zukünftiges ich andere inspirieren wird. Ich bin umgeben von Menschen, die sich inspirieren lassen, die sich mitreißen lassen. Ich bin auf der richtigen Seite angekommen.

Dear future self
I’m sending you this
To let you know
That we are strong and that we will continue
Keep us going

Dear future self:
Live

*Und hier geht es zum Sound von Booka Shade und Lazarusman.

Am besten zu genießen mit Weitblick.