Die etwas andere Orga-Queen. Oder Organisation mal anders.

05.05.2019 Tag 1 // auf dem Weg nach Berlin zur re:publica 2019

Ich möchte gerne dieses Gefühl konservieren. Diese Momente, in denen dein Herz pocht, Glücksmomente, die sich Anfühlen wie ganz hoch schaukeln, der Moment, wenn die Schaukel kurz stehenbleibt, auf dem Gipfel ankommen nach einer langen Tour. Oder eben diese Momente im Leben, an denen du merkst, dass du für jeden Invest, egal ob schmerzhaft, anstrengend oder nervenaufreibend, gerade deine Belohnung erhältst.

Nach einem Jahr aussetzen bin ich auf dem Weg nach Berlin zur re:publica. Das gönn ich mir und gleichzeitig ist es eine Auszeit von zuhause und meinen Projekten. Es hat mir gefehlt im letzten Jahr und ich muss für mich für die Zukunft beschließen, diese Auszeit in jedem Jahr fest für mich einzuplanen, den obwohl ich noch nicht einmal in Berlin angekommen bin, spüre ich schon die Inspiration und das wohltuende der Reise. Während ich noch im Flieger sitze, fällt mir ein, dass ich eigentlich ganz gerne etwas zu einem Thema schreiben würde, dass mich jetzt die letzten Tage umtrieb.

Ich bin wie die meisten berufstätigen Mütter gut organisiert. Angestoßen zum Denken was Organisation mit mir macht und wie ich mich organisiere, wurde ich durch die Instagram-Challenge von @annahaeusler die das Wort Organisation für heute vorsieht. Unter mein Bild-Post auf Instagram beschrieb ich ein Ereignis: „Als ich vor … hüstel …. 20 Jahren oder so, mal von Barcelona nach Stuttgart flog und der Check-In und das On-Boarding  besonders chaotisch verlief, ich daraufhin zum Mann sagte „was für ein Chaos!“, meinte der spanische Stewart: „Organisation ist ein deutsches Wort“. Wir haben zu Dritt darüber gelacht und ich muss immer wieder daran zurückdenken.“

Wer jetzt erwartet von mir die eine Super-Methode zu erhalten, den muss ich leider gleich enttäuschen. Es ist eher eine Selbsterkenntnis, die ich bisher so nicht formulieren konnte, die Erkenntnis, dass ich mich ohne Todo-Listen oder sonstige Hilfsmittel sicher sowohl durch den Job, wie auch durch mein Privatleben navigiere. Klar mach ich mir auch manchmal Notizen, aber meist sind es lieblos dahin gesudelte Worthäcksel, die ich oftmals später nicht mehr entziffern kann, geschweige den irgendjemand anderem übergeben kann. Wie das funktioniert? Ich habe keine Ahnung. Was es mir bringt? Sicherlich manchmal schlaflose Nächte, wenn ich darüber nachdenke was ich in den nächsten Tagen zu erledigen habe. Was es mir aber auch bringt, ist ein wahnsinniges Vertrauen in mich selbst. Ich vergesse es schon nicht. Darauf kann ich mich verlassen. Gehirn-Jogging und Gedächtnistraining made by myself.

Und wenn dann mal was daneben geht, eben weil ich auch nur ein Mensch bin und nicht Trello oder sonst ein Tool, kann ich mir das zwischenzeitlich auch verzeihen. Jetzt muss ich nur noch lernen, mich dann nicht mehr so aufzuregen. Da bin ich aber auch wirklich auf einem guten Weg.

Wie ich hier so ticke, habe ich gestern versucht meinem Sohn zu erklären. Wie das ist mit mir und der Merkliste im Kopf. Hintergrund war, dass ich ihn zum Tanzen fuhr und mir einfiel, dass der Kurs noch nicht bezahlt wurde. Und dass ich es so schnell wie möglich bezahlen möchte um es von meiner „Gedanken-Liste“  zu streichen.

Als ich ihn wieder abholte nach 2 Stunden, grinste er mich an und sagte: „Kannste streichen Mama. Alina und ich haben bei einem Tanz-Contest mitgemacht und gewonnen. Der Preis ist die kostenlose Teilnahme am Kurs“. Das war mit Sicherheit einer der schönsten Haken, die ich in letzter Zeit gedanklich gesetzt habe.

Wie organisiert ihr euch? Macht ihr Listen? Oder nutzt ihr irgendwelche Tools die euch helfen? Wenn ihr Lust habt, erzählt doch wie ihr dafür sorgt den vollen Überblick zu behalten.

Herzlichst eure

Gabriele

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende. Eine Liebeserklärung.

Vor kurzem schrieb ich an eine Freundin: „… das Jahr war so phantastisch, fast so, als ob sich mein Leben für das Jahr davor entschuldigen wolle …“ Und ja. Ein phantastisches Jahr neigt sich dem Ende zu und ich freue mich, ich freue mich so riesig, auf das Jahr 2018 und auf das was kommt und wem ich alles in diesem Jahr begegnen werde. Im Folgenden Text werdet ihr oft das Wort „bewegt“ lesen. Das war 2017 für mich: ein bewegtes Jahr. Emotional ebenso wie mental. Aber lest selbst.

Ja, es ist ein Jahr voller Gefühle und voller Eindrücke. Ein Jahr das mich mutig, selbstbewußt und stärker gemacht hat. Ein Jahr, in dem ich so viel lernen und erleben durfte. Es hat mich weiter gebracht das Jahr 2017.

Denke ich zurück an die letzten 5 Jahre, umschlingt mein Jahr 2017 all die Jahre zuvor, drückt das eine mal zärtlich oder auch ein anderes mal etwas stärker und raunt ihnen zu: „DASS, mein liebes Jahr 2015, war nicht nett von dir … da musste ich jetzt ganz schön daran arbeiten, damit ich das geraderücken konnte“. Oder dem etwas freundlicheren Jahr 2016 „Im Großen und Ganzen hast du einen guten Job gemacht …“.

Ich höre euch schon da draußen: Aber das kam doch alles von dir! Du bist doch für dein Leben verantwortlich! Nun ich gebe euch recht, doch manchmal ist es schon zum Mäuse melken, wenn vermeintliche Perspektiven sich als Sackgassen herausstellen, oder wenn in anscheinender Perspektivlosigkeit sich auf einmal Welten auftun, so groß wie ein Walfisch oder der Mount Everest. So großartig, wie ein Wolke wohlriechender Wärme die dich umschmeichelt, die dich sehr, sehr glücklich macht und durch das Leben trägt.

Das klingt jetzt so, als ob alles fremdgesteuert war, als ob die Jahre mich so hin- und herschubsen könnten wie sie gerade Lust und Laune haben. Nein, so ist es nicht. Manchmal muss man abschneiden um wieder anknüpfen zu können und manchmal muss man loslassen, um wieder Hände zu greifen. Und ja, vielleicht doch, manchmal schubst einen das Leben hin und her. So ist es nunmal und du verstehst dann erst ein paar Jahre später, warum es das gemacht hat.

Ach 2017, was hast du es gut gemeint mit mir. Vorbereitet von 2016, hast du mich auf die re:publica nach BER geschickt. Das war klasse und ich konnte mit eigenen Augen sehen, wie viele tolle Menschen sich da draußen tummeln und was für Ideen sie haben. Das hatte ich die letzten Jahre schon glatt vergessen! Ich konnte sehen wie man für seine Ziele einstehen kann, aber auch wie man sich gemeinsam Ziele setzen kann und sich dabei gegenseitig stützt und trägt. Gemeinsam bewegt. Ich durfte teilnehmen und war mitten drin. Und bin es immer noch. Ich sage euch: Das Gras auf der anderen Seite der Weide ist doch grüner! Ich weiß es nun.

Dort, auf der re:publica, bin ich auch Sarah von eigenstimmig.de das erste Mal Live begegnet. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es erst im Mai dieses Jahres war. Im MAI 2017? Ehrlich jetzt? Wenn ich mal 87 bin und vielleicht nicht mehr alles so zusammen bekomme, werde ich sagen: „Die Sarah … hmmm, das muss im Mai 2004 gewesen sein. Äh Moment nein, Bub* wie alt bist du jetzt? 40? Ja, dann kann das nicht sein, da wärst du ja erst ein Jahr alt gewesen …“ Der Bub wird dann fürchterlich die Augen rollen und sagen: „Mama, ich war schon 13, dass war 2017“. Dann werde ich in meinen Ohrensessel zurücksinken (möglicherweise ein Eames Lounge Chair?) und mit verträumten Blick sagen, „Ach ja, du hast recht 2017 war es“. Ganz versonnen lächeln werde ich dabei.

Liebe Sarah, liebe Julia: ich verdanke euch so viel. Das ihr mich in eure eigenstimmig Runde aufgenommen habt, fühlt sich an wie ein Solokünstler bei einem Rock-Konzert. Das Gitarrensolo wurde soeben erfolgreich absolviert. Die letzten Schlußtöne werden gerade gespielt und in diese abklingenden Töne (die ich auf den Knien über die Bühne rutschend spiele) mischen sich bereits die Rufe der hysterisch kreischenden Menge während die geworfenen Blumen und Plüsch-Bärchen auf mich niederprasseln: „Jaaaaaaa!!! ZUUUGGAAABBBE“, „Heirate mich!“, Yeaaaahhhh!!!!“, „Ich will ein Kind von DIIIIRRR!!!“ …

Ok, da ist jetzt die Phantasie mit mir durchgegangen. Aber anfühlen, ja anfühlen tut sich das schon so in etwa .

Zum einen steht man auf dem Podest, zeigt sich. Wer man ist, was man erlebt hat und wie man denkt.  JEDER der will,  kann es hören. Das ist ja nun auch nicht jedermanns Sache und zugegebenermaßen auch nicht einfach. Ganz zaghaft streckt man erst einmal die Fühler aus dem Schneckenhaus aus. Und dann, auf einmal, rockt man die Session: Du merkst: Du hast was zu sagen und bist ein bißchen stolz und unglaublich glücklich darüber, dass es jemanden gibt den das interessiert. Zum anderen ist man aufeinmal Teil einer phantastischen Gemeinschaft und weiß es jetzt genau und mit Bestimmtheit: DU BIST NICHT ALLEIN. WIR SIND VIELE. UND WIR KÖNNEN BEWEGEN. WAS IMMER WIR WOLLEN.

Ihr beide habt so tolles geleistet. All die Interviews und all das was ihr sonst noch bewegt. Wahnsinn. Ihr gebt Frauen einen Raum in dem sie sich öffnen und zeigen können, so wie sie sind. Danke, vielen Dank dafür! Ihr seid der Hammer!

Aber neben Sarah und Julia, möchte ich auch zuätzlich all denn vielen anderen Frauen aus der eigenstimmig-Gruppe danken, aus vollem Herzen, für all die Begegnungen die mich bewegten (auf vielfältige Weise) und sehr glücklich machten.

Wir sehen uns alle hoffentlich bald wieder, spätestens aber im Herbst.

Ich möchte aber heute noch jemanden anderen mit euch teilen: Ein Kollege, der übrigblieb nach 4 Jahre Konzern. DER eine Lieblingskollege. Mit einem Herzen so groß. Wie einen kleinen Schatz trage ich die Erinnerung und die Gedanken an ihn mit mir herum.


Wir haben uns dieses Jahr zweimal getroffen. Pulled-Pork-Brötchen-essend saßen Steve und ich am Rande des Feuersees in Stuttgart. Die Sonne schien wohlwollend auf unsere Gesichter und wir bewunderten gegenseitig den Glanz, die Wärme und die Kraft, die unser neues Leben ausstrahlte.

„Halte durch! Du bist ‘ne coole Frau mit Power und Hirn“, schrieb er mir zum Abschied, als er ging und ich blieb. Wissend, dass mir keine einfache Zeit bevorstehen würde. Ohne seinen Zuspruch wäre alles so unendlich viel schwerer gewesen. Als er weg war, war ich alleine. So unendlich alleine. Deswegen nun nochmals offiziell auf diesem Weg: Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Offenheit und dein Vertrauen zu mir. Das du mit mir geweint hast und ich mit dir weinen durfte, ob der Schwere die uns das Leben manchmal auf den Weg legte, oder aber auch ob den kleinen, feinen Gemeinheiten, die wohlüberlegt für uns bereitgestellt wurden. Im Konzern. Im Leben. Sonstwo.

Aber das war ja nicht alles. Mit dir gab es keinen Altersunterschied. Du nimmst die Menschen so wie sie sind. Und so eben auch mich. Schnell spürten wir, dass wir auf der selben Frequenz senden und empfangen. Wir haben diese Frequenz ausgiebig genutzt. Ich danke dir für die vielen, vielen Lachtränen – ach Quatsch Lach-Flash-Mobs – die wir hatten. Es waren unser persönlicher Flash-Mobs und nur wir zwei wußten wo und wann sie stattfinden werden. Diese Situation, wenn alle  anderen Kollegen mit fragenden Augen dasaßen während wir uns einen Joke-Battle lieferten und gar nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Wooohooo!! Es hat so gutgetan.

Wir schehen unsch, schisser!

Es sind diese beiden Teile, die sich ineinanderfügen. Wahrscheinlich fiel meine Wahl aus diesem Grund auch auf Sarah, Julia und Steve. Die zwei Teile, bei denen sich die alte Welt mit der neuen Welt überkreuzt. Sie sind eng verwoben, da ein Teil ohne den andere nicht existieren würde. Es gibt Verbindungen an Menschen, die dich durch dein Leben begleiten.

Und dann, genau in diesem Moment wenn du darüber nachdenkst, umfasst die Sonne dein Herz und du denkst daran, wie anders alles enden können hätte. Dann würde ich vielleicht heute noch in irgendeinem kleinen hellhörigen Kabuff sitzen, irgendeine mir zugedachte Aufgabe erledigen und am Abend unbefriedigt nach Hause gehen. Statt der Sonne, würde eine kalte Hand mein Herz umgreifen. Und ich weiß, dass es mich zerstört hätte. Früher oder später.

Jetzt darf ich mein Potential bei denen ausschütten, die es schätzen und die es zu nutzen wissen. 

Ich danke euch allen, die ihr mir offen begegnet, ohne Vorbehalte. Lasst uns weiter gemeinsam Wege beschreiten. Mit Herz, Seele und Hirn. 2018 soll mein Jahr des Lernens und des Begegnens werden.  Aber selbst wenn wir uns nicht offline treffen: Ihr seid täglich in meinen Gedanken und begleitet mich. Bin ich mal mutlos, dann picke ich mir ein paar Gesichter heraus, durchstöbere ein bißchen eure Posts auf Facebook, Instagram und Co und schon geht es wieder.

Bitte packt eure Taschentücher jetzt weg und zückt eure Kalender. Wir sehen uns!Alles Liebe, habt eine schöne Weihnachtszeit und kommt gut ins neue Jahr!

Gabriele

*ich sage niemals BUB zu meinem Sohn. Es ist eine literarische Abwandlung meiner Sprache, um ein Bild an die Wand zu werfen von mir als 85jährige.

Linkliste

So und hier geht es nochmal zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah.

http://eigenstimmig.de

Einhörner, was wollt ihr hier?

Ach war das lustig heute. Oder nein, auch nicht. Eigentlich überhaupt nicht.

Kurz mit einer Kollegin, fast gleicher Jahrgang, ähnlicher Werdegang über die neue Spezies unterhalten, die anscheinend gar nicht wissen, welche Chancen und Möglichkeiten sie haben. Meine Kollegin hat heute fast dieselbe Formulierung verwendet, die auch ich vor kurzem – ich weiß gar nicht mehr in welchem Gespräch nutzte: Die jungen wissen gar nicht mehr, für was wir kämpfen mussten und woran wir scheiterten oder wuchsen, dass jeweils abwechselnd und zum Haare raufen. Hier spricht die Generation X.

Da gibt es die Generation X, die Generation Y und da gibt es zukünftig die neue Generation Einhorn eigentlich die so genannte Generation Z. Die mag es besonders gerne mit Glitzer, regenbogenfarben und mit ge-genderten Accessoires. Unterstützt werden sie dabei abwechselnd von der Generation X oder Y, in wechselnden Rollen, als Eltern oder als Großeltern oder einfach auch nur aus ihrer Peergroup. Leider stehen die Regenbogenfarben hier nicht für eine politische Meinung und leider stehen sie auch nicht für eine weltoffene und nach vorne gerichtete Gesellschaft, sondern sie stehen für eine Reduktion von weiblichen Wesen auf ihre Niedlichkeit und auf ihr Aussehen und die Jungs dürfen schon auch mal wild sein, aber bitte nicht weinen. Oder doch, ein bißchen schon.

Es ist wieder on vogue ganz besonders weiblich zu sein, ganz in der Rosa-Rolle aufzugehen und so viele Eltern machen begeistert dabei mit. Teilweise bereits mit „Mädchen“-Partys, rosafarben overloaded, bevor das Kind überhaupt geboren ist. Und dann: Ach sieht sie nicht süß aus mit ihrem rosafarbenen Tutu und ihren rosanen Ballerinas, und das Baby fast ohne Haare braucht unbedingt eine rosane Glitzerspange in den 3-4 vorhandenen dünnen Häärchen. Es könnte ja – OH MEIN GOTT – für einen Jungen gehalten werden. Es ist sooo niedlich. Nicht. Und da passt jetzt doch eigentlich ganz gut der Spruch von meiner Freundin Sabine (die Superfrau vom Bauernhof): „Einem ungeborenen Kälble kauft man keinen Strick“. Ist es nicht ein Strick, wenn ich mein Kind bevor es die Chance hatte eine Persönlichkeit zu entwickeln auf einen – nicht einmal schönen – Farbton reduziere? Egal ob rosa oder hellblau.

Mir persönlich bereitet das echte Kopfschmerzen und ich frage mich, ab wann die Eltern damit beginnen wollen ihre Prinzessinnen auf das da draußen vorzubereiten?

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir Frauen müssen nicht in Hosen durch die Gegend laufen wie ein waschechter Kerl. Auch ich habe echt schöne Kleider im Schrank hängen, die ich gelegentlich auch ganz gerne trage. Jedoch die Selbstverständlichkeit Hosen tragen zu dürfen als Frau, die gab es nicht immer. Wußtet ihr, dass in Paris im Jahre 2013 das „Hosenverbotsgesetz“ für Frauen aufgehoben wurde? 2013! Nach diesem Gesetz aus dem Jahre 1799 war es nur Frauen mit einem Fahrrad oder einem Pferd erlaubt Hosen zu tragen. Wer jetzt glaubt ich spinne, frage bitte Google oder schau in der Linkliste am Ende des Textes.

Die Eltern. Gut ausgebildet, aber auch gerne noch Kind oder zumindest noch jugendlich erscheinend, wenn schon kein Kind mehr, dann doch bitte ein Erwachsener, der mit Kinder noch voll. Cool. Kann. Auf Augenhöhe und so. Hierarchien verschwimmen, Familien werden zu Patchworks. Untrennbare Paare trennen sich. Doch. Schnell und kompromisslos. Nächstes WE sind die Kinder übrigens bei dir?

Vielleicht benötigen wir Menschen wieder Reduktion auf das einfache? Der Prinz und die Prinzessin und so? Die Soap-Oper, die mich aus meinem stressigen Leben abholt und mitten drin platziere ich mich und mein Kind?

Welche Werte geben wir euch mit? Auf euren Wegen? Beständigkeit, Verlässlichkeit oder „In meiner Welt pupsen Ponys Schmetterlinge“?

Wir schwanken zwischen laktosefreier Milch, veganem Leben und allgemeiner Balance an grünem Fußabdruck, Vereinbarkeitsblabla und bösartig gesprochen „eitler Selbstverwirklichung“ – oder will ich doch einfach egoistisch nur Leben bis der Planet platzt?

Aber was vermitteln wir dann wirklich? Ich meine vom Herzen her? Und da wir hier eine Lücke haben, werden auch in dieser ach so aufgeklärten Welt Kinder und Jugendliche orientierungslos durch die Gegend taumeln, bspw. wenn sie entdecken das es keine Einhörner gibt oder noch viel schlimmer: Prinzessin gar kein Beruf ist und der doofe Prinz die liebliche Prinzessin mit dem Thronfolger einfach sitzen lässt. Den Schlüssel zur Schatzkammer hat er leider mitgenommen.

Auch wir werden nicht in der Lage sein das einfachste zu vermitteln. Da unterscheiden wir uns nicht von unseren in der Nachkriegszeit geprägten Eltern, die garantiert keine Experten in freiheitsorientierter Erziehung waren. Und dann kamen die 60-er und die 70-er und die Jugend fing an sich zu wehren. Ihrem Kampf und ihrem Bestreben nach Freiheit, Aufklärung und Gleichberechtigung verdanke ich alles. Aber es ist noch nicht genug gekämpft. Da muss ich nur in die Führungsetagen schauen.

Die Generation Z ist noch nicht klar umrissen, aber ich nenne sie von nun an Generation Einhorn. Als mein Sohn 2003 auf die Welt kam, gab es noch EINE Sorte an Überraschungseiern und es gab Kinderketchup – einen für alle. Aber keine Piraten-Prinzessinnen-Einhorn-Ketchup-Dumpatz-Varianten mit Glitzer. Oder war ich einfach nicht empfänglich dafür? Hatte ich bisher einen Einhorn-Seh-Fehler? Gibt es Einhorn-Blindheit? Irgendwann, vor einigen Jahren, fing es dann an, dass alles nur noch in rosa und hellblau verfügbar war.

Meine Nichte ist schwanger. Sie weiß, dass es ein Mädchen wird. Mein Sohn hat ein Buch aussortiert, da er inzwischen zu alt dafür ist. Es ist rosa und trägt den Titel die „Piratenprinzessin“. Ich legte es beiseite um es meiner Nichte zu geben (neben anderen undgegenderten Büchern). Meine Mutter (84) meinte: das ist doch nichts für sie. Da kommt das Wort „Pirat“ darin vor und das interessiert Mädchen doch nicht. Nun war das meine über 80-jährige Mutter – und mit ihr habe ich auch schon über solch ähnliche Themen heiß diskutiert. Aber ich sehe, höre und bekomme dieses Mind-Set so oft mit! Twitter, Facebook, etc. sind voll davon. Kennt ihr das Video von dem Mädchen das sich beschwert das auf Mädchen-T-Shirts nur nur steht „How cute“ und bei Jungs „Be wild“ steht? Ich suche es und verlinke es am Ende.

Erinnert eure Töchter und Söhne daran, dass Gleichberechtigung selbstverständlich sein sollte und weiter vorangetrieben werden muss. Und das vieles nicht immer schon selbstverständlich war. Das eure Urgroßmütter/ Großmütter bis 1918 dafür kämpfen mussten wählen zu dürfen. Das Frauen in Deutschland seit 1977 nicht mehr ihren Ehemann um Erlaubnis fragen müssen einen Beruf ausüben zu dürfen. Hey! Nächstes Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland! Wann und wo feiern wir das?

Und da möchte ich kurz die Erinnerung an meine Großmutter einflechten. 1900 geboren, durfte sie dann wohl mit 18 wählen. Sie hat 3 Söhne großgezogen, Zahnmedizin studiert und sich und ihre Kinder durch den Krieg jongliert. In einer Geschichte erzählte eine Verwandte, wie meine Großmutter mit einem roten Hut auf dem Kopf den Hörsaal in München betrat und alle sich nach ihr umwandten. Sie war eine starke, taffe Frau und ich wünschte mir, ich hätte mich mehr mit ihr ausgetauscht.

Gebt euren Kindern mit, dass ihnen alle Wege und Möglichkeiten offenstehen, dass man aber trotzdem an seinen Träumen und Zielen festhalten und dafür kämpfen muss. Das man für einander einstehen muss. Und erinnert sie immer wieder daran, dass keine Freiheit die man im Leben hat selbstverständlich ist und dass diese dann aber sinnvoll genutzt werden möchte, die Freiheit. Sonst geht sie nämlich ein. Die Welt und die Menschen bestehen aus vielen Farben. Nicht nur aus rosa und hellblau.

Mein Sohn: Lebe. Liebe. Nachhaltig. Bitte tu es immer mit gutem und offenen Herzen. Verbiege dich nicht. Sei offen für alles und für jeden. Immer. Finde deinen Weg. Lerne. Alles was dir gefällt und was dich interessiert. Wir unterstützen dich dabei.

Ich fange an Einhörner und den ganzen damit verbundenen Scheiß zu hassen. Einhörner, bitte verschwindet wieder und nehmt den ganzen Prinzessinen-Kram mit. Er bereitet meinen Sohn und noch viel mehr eure Töchter nicht darauf vor, was da draußen wirklich auf sie wartet. Es wird kein Spaß. Glaubt mir.

Es grüßt euch

Gabriele

Die Nicht-Vereinbarkeit

Wenn Texte nichts an ihrer Aktualität verlieren …

 Ich habe schon immer geschrieben, wenn mir was auf der Seele brannte, es aber nie veröffentlicht. Einer meiner Lieblingstexte ist mein Tagebuch, dass ich 2011 während des Aufenthaltes bei einer  Mutter-Kind-Kur geschrieben habe. In diesem Text gibt es einen fiktiv geführten Dialog zum Thema Vereinbarkeit Familie & Beruf. Mein Sohn war damals 8 Jahre alt. Ich finde der Text passt immer noch prima. Manches würde ich heute vielleicht noch drastischer schreiben. Aber lest selbst.

20.11.2011 // Mutter-Kind-Kur auf Büsum

Ich lerne eine andere Frau kennen, die mich und Sabine anspricht, als sie hört wie wir uns über unsere Jobs und unsere aktuelle Situation unterhalten. Sabine hatte ebenfalls eine Leitungsfunktion. Das Wort „hatte“ spielt auch bei Sabine eine wichtige Rolle. Die andere Frau möchte über Kinder und Karriere sprechen. Vor allem über Karriere. Ich bemerke wie groß mein Abstand zu ihr schon ist, da ich eines weiß: entweder ich habe einen Partner der mich voll und ganz in meiner Karriere unterstützt und dafür seine eigene komplett auf Eis legt (hat sie nicht), oder ich organisiere mein Umfeld entsprechend (hat sie auch nicht). Nachdem sie merkt, dass Sabine und ich zu Verzicht auf Leitungsfunktionen und weniger Arbeit tendieren, ist sie auf einmal verschwunden, als Sabine und ich uns kurz um unsere Kinder kümmern.

Ich mache mir weiter Gedanken und schreibe hier nun auf, wie sich das Gespräch möglicherweise entwickelt hätte. Wir befinden uns schon mitten in der Diskussion, ob und inwiefern Familie und Beruf zu vereinbaren sind.

Ich sage gerade: „Also vergiss deinen Bereichsleiterjob für die nächsten Jahre oder verändere dich oder dein Umfeld. Ich sehe im Moment dafür drei Varianten:

Variante 1: Verlass deinen Mann und drück ihm deine Kinder auf’s Auge. Dann zahlst du jeden Monat einen Betrag x von deinem Gehalt an deinen (Ex?)-Mann und deine Kinder. Du kannst dir dann einen jüngeren Mann suchen, der deinen beruflichen und privaten Bedürfnissen und Interessen entspricht und (noch) keinen Kinderwunsch hat (notfalls auch einen, der vielleicht auch schon an seine Ex-Familie zahlt). Versuch nicht mehr an deine Kinder zu denken (die du am Wochenende ja ab und zu weiterhin sehen kannst). Diese werden sich ebenfalls bald in einer neuen Patchwork-Familie sicherlich wohl fühlen. Dieses Variante ist von vielen Männern erprobt, vor allem dann, wenn ihre Frauen ihrer eigenen persönlichen Entwicklung (vorangetrieben durch von der Firma bezahlten Coachings und „Chaka-ich-bin-der-Beste-Schönste-Schnellste“-Trainings) hinterherhinken (da sie mehr Zeit mit „Schöner wohnen“, „Mein Chefkoch.de“ und Kindererziehung verbracht hat). Vielleicht ist das ja auch bei dir und deinem Mann bereits der Fall?

Variante 2: Du machst für die nächsten Jahre einen Job, der dich nicht erfüllt aber dafür sorgt, dass du nicht den Anschluss verlierst, da du weiterhin in deiner bisherigen Firma arbeitest. Dann kannst du wieder durchstarten. Deine jüngeren männlichen Kollegen haben dich leider zwischenzeitlich überholt. Das ist etwas deprimierend für dich, mit etwas Glück schaffst du es aber, diese Leere und Unzufriedenheit nicht mit nach Hause zu nehmen und auf deine Familie zu projizieren. Die meisten Unternehmen sind ganz gut darin, Müttern die nach der Elternzeit zurückkommen möchten, entsprechende „passende“ Stellen anzubieten.

Variante 3: Du setzt durch, dass der Bereichsleiterjob auch mit einer 4-Tage Woche machbar ist. Alles was über dich geredet wird, weil du pünktlich um 16:00 Uhr das Gebäude verlässt, perlt an dir ab, ebenso Sticheleien und blöde Bemerkungen von deinen Kollegen im Sinne von „Na? Halben Tag Urlaub heute?“. Du nimmst deine Position als das was es ist, eine Position mit viel Verantwortung und der Fähigkeit zu delegieren. Du hast kein schlechtes Gewissen, wenn deine Mitarbeiter noch arbeiten, während du bereits bei deinen Kindern bist. Du hast dir diese Position durch Kompetenz erarbeitet. Du stehst auch für Fragen abends nicht mehr telefonisch oder per Mail zur Verfügung, da dir zuhause dein Mann und deine Kinder wichtiger sind. Termine werden selbstverständlich so gelegt, dass sie für dich kein Problem darstellen. In dieser Zeit solltest du ein besonderes Augenmerk auf nachrückende, weibliche, kinderlose Konkurrentinnen werfen. Frauensolidarität wird in den oberen Führungsebenen in der Regel kleingeschrieben. Sobald sie Lücken in deiner fachlichen oder Führungs-Kompetenz entdecken, werden sie gnadenlos reingrätschen und versuchen dich auszuhebeln.

Eins noch, kommt keine der oben genannten Varianten für dich in Frage wird es vermutlich so weitergehen: Du ziehst dein Ding beruflich und privat durch. Dadurch wirst du dauerhaft und über einen längeren Zeitraum an deine Grenzen stoßen. Die Auswirkungen die es haben wird kann ich dir noch nicht sagen, möglicherweise verlässt dich dein Mann, oder deine Kinder zahlen dir vielleicht spätestens in der Pupertät alles zurück, eventuell wehrt sich aber auch dein Körper mit körperlichen oder geistigen Gebrechen gegen den Dauerstreß und setzt dich einfach für längere Zeit außer Gefecht.“

Hier endet mein Dialog. Ich bin 45, arbeite seit insgesamt 25 Jahren, davon 15 Jahre in verschiedenen Führungspositionen. Ich habe mich immer für Frauen in Führungspositionen interessiert und viele davon lange Jahre begleitet und beobachtet. Ebenso das familiäre und berufliche Umfeld in dem sie sich bewegt haben.

30.06.2017 // Nach 5 Jahren

Was ich noch ergänzen möchte:

Die Versuchung war groß diesen Text weiterzuentwickeln. Ich habe mich aber bewußt dagegen entschieden. Was ich heute anders schreiben würde ist das Thema „Unterhaltszahlung“. Bekomme ich doch von vielen mit, dass Mann sich davor einfacher drücken kann als gedacht. Insofern würde ich das mit aufnehmen.

Weiter möchte ich noch auf das Thema Entwicklung von Frauen die zuhause bleiben während die Männer Karriere machen eingehen: Ich habe tolle Frauen kennengelernt die dieses Modell fahren. Wenn sie jetzt noch so cool sind für sich zu Sorgen, falls es zur Trennung kommt (indem sie bspw. durch einen Ehevertrag entsprechende Regelungen getroffen haben), super.  Meine Akzeptanz und Toleranz gegenüber den unterschiedlichsten Lebensentwürfen ist hier viel größer geworden.

Zum Thema Mutterschutz + Rückkehr auf bisherige Positionen, Teilzeit, Homeoffice … fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Es gibt immer noch zuviele Unternehmen, die dies nicht ermöglichen und Teilzeit-Karrieren ausschließen. Und dabei ist es völlig egal, was in ihren Hochglanzbroschüren erzählt wird. Ich habe so viele Geschichten erzählt bekommen, in denen Frauen unglaubliches berichtet haben, wie ihre bisherigen Jobs  an andere vergeben wurden und ihnen Angebote unterbreitet wurden, die nahelegen das eine Rückkehr nie geplant war.

Ach, wenn ich so darüber nachdenke: es gibt noch sooo viel zu bloggen. Ich habe soviel erlebt in den letzten Berufsjahren. Mit Betreuungseinrichtungen, Ganztagesbetreuung, anderen Müttern und Vätern, anderen Kolleg:inn:en, etc..  Mal schauen was mir als nächstes unter den Nägeln brennt.

Soviel für heute, es grüßt euch

Gabriele 

PS:

Eins noch: Ich habe auch viele solidarischen Frauen kennengelernt. Vorallem in den kleinen Unternehmen. Vorallem wenn sie ebenfalls Kinder hatten, vorallem wenn sie ebenfalls nicht einfach nur den kleinen Sachbearbeiter Job machen wollten, sondern was erreichen.

Ausflug zu den Mompreneurs

Gestern habe ich einen Impulsvortrag bei den MomPreneurs in Stuttgart gehalten. Es war mein zweiter Termin mit dieser Gruppe und es war einfach wieder ein tolles Erlebnis und eine tolle Erfahrung.

Es tut mir gut zu sehen, dass es so viele motivierte Frauen gibt, die sich zwischenzeitlich glücklicherweise in Netzwerken organisieren.  Ein wichtiger Beitrag um sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen und zu motivieren. Auch  2017 ist es für Frauen immer noch nicht einfacher gewordenen Selbständigkeit, oder Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Es tut mir gut, dass auch die jungen Frauen in diesem Netzwerken mir so offen und freundlich begegnen.  Freundlichkeit, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung sind hier zuhause.

 Es tut auch gut über die eine oder andere Verletzung zu sprechen, die man sich beim Versuch den Spagat „Vereinbarkeit Familie & Beruf“ auch wirklich perfekt hinzubekommen, zugezogen hat. Dieses Reißen und Stechen, dass in einem ist, wenn man mal wieder an dem Punkt angelangt ist, weder dem Kind noch dem Beruf gerecht zu werden. Endlich mal ein bisschen getröstet werden und zu wissen, dass man damit nicht alleine ist.

Hier kann man sich austesten und ausprobieren, muss nicht irgendwelchen aufgesetzten Standards entsprechen und bekommt ein konstruktives Feedback, dass einzig und alleine den Auftrag hat dich weiter zu bringen.

Auch gestern waren wir wieder eine bunte Mischung zwischen 45+ und aber wirklich jungen Frauen zwischen 20-30, manche mit ihren Kindern. Also alles da zwischen 10 Monate und 50+ Jahre. Ich habe mich natürlich besonders gefreut nicht alleine als 50+jährige dazustehen, sondern auch noch andere Lebensläufe kennenzulernen, die mir einfach auch nochmal wiedergespiegelt haben, dass meine Erfahrungen die ich bei Bewerbungen gemacht habe, auch die ihren waren (siehe letzter Blogeintrag). Die Freude mischt sich allerdings mit ein bisschen Wut und Trauer darüber, dass es überhaupt so ist.

Als ich gestern darüber sprach wie sich Berufstätigkeit auch 2017 noch gestaltet, sah ich viele nickende Köpfe.  Auch heute noch gilt für Frauen die folgende Regel: Von 25-40 bis du diejenige die potentiell schwanger werden könnte, Förderungen und Teamleiterstellen gehen leider an deine männlichen Kollegen. Dann „upppssss-sorry-nicht-aufgepasst“ passiert es und du wirst schwanger, alle wußten das schon Jahre vor dir. Jetzt bist du also tatsächlich Mutter und dadurch leider, leider nicht mehr so flexibel einsetzbar und der Teamleiter-Posten geht deswegen an … frag nicht. Du bist 50, deine Kinder sind aus dem gröbsten raus – raus bist jetzt leider auch du. Ach, hier könnte man Romane schreiben. 3 Kapitel, jedes Kapitel 500 Seiten lang.

Für mich hat sich gestern auch nochmals bestätigt, dass auch die anderen „reiferen“ sich immer Vorbilder oder Frauen mit Erfahrung gewünscht haben, die ihnen vielleicht auch mal ein Stück auf ihrem Weg geholfen hätten oder zumindest als Vorbild geeignet gewesen wären. Mentoring ist hier eines der entscheidenden und wichtigen Werkzeuge. Uns 40-50-something  eint alle, dass wir in einer Zeit aufgewachsen sind, in der die Mutter zuhause war oder eben im Betrieb mitgearbeitet hat, dann meist in der Buchhaltung. Uns eint aber oft ebenso, dass wir alle einen langen und schwierigen Weg hinter uns haben.

Uns eint aber auch, dass wir niemals aufgegeben haben und immer noch mit so viel Esprit, Elan, Freude und Optimismus in die Zukunft blicken und die Dinge anpacken. 

Kommt bitte gerne auf mich zu, wenn ihr das Bedürfnis habt über etwas zu sprechen. Oft bekommt man ja schon beim Erzählen die Lösung präsentiert. Ich habe für euch alle immer ein offenes Ohr und freue mich über jeden Kontakt. Gerne bei einem Tässchen Kaffee.

Eure Gabriele

PS: Wenn ihr selbst Teil von diesem Netzwerk werden möchtet, findet ihr alle Informationen hier: https://mompreneurs.de/

PSPS: Anbei die Präsentation von gestern

Ich bin dann mal raus … ein Erfahrungsbericht

Mein aktueller Stand auf XING ist „Freelancer“. Und vermutlich wird dieser Status auch so bleiben, denn ich habe keine Lust mehr. Ich habe keine Lust mehr meine Zeit für Unternehmen zu investieren, die zwar meinen Lebenslauf superinteressant und spannend finden, aber dann nicht in der Lage sind flexibel auf mich als Bewerber einzugehen. Ich habe mich auf Jobs beworben bzw. wurden mir angeboten, teilweise mit einer Übereinstimmung von mehr als 85 % auf mein Profil. Das ich keine 35 bin, zeigte ich dabei stets offen.

Ich erwarte von Recruitern, die meinen Lebenslauf als spannend erachten, auch in der Lage sind zumindest die großen Brüche zu lesen. Wieso muss ich Scheitern oder Uneinigkeiten mit früheren Arbeitgebern in Blumen packen? „Sie haben für mich nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen“. Wo liegt die Schwierigkeit nachzuvollziehen, dass man bspw. nicht weiter die finanzielle Verantwortung für ein Team übernehmen möchte, wenn man während der letzten Wirtschaftskrise knapp einer Insolvenz entgangen ist? Mein Lebenslauf ist deswegen so vielfältig und spannend, da er 25 Jahre Berufserfahrung umfasst und mutige, außergewöhnliche Wechsel und Entscheidungen beinhaltet. Das ist in „mindestens 2 Jahre Berufserfahrung“ nicht zu stemmen und es ist auch nicht mit dem Gehalt eines Einsteigers zu bezahlen (und das ist man mit 2 Jahren Berufserfahrung immer noch).

Was Unternehmen erwarten? Bitte habe auf jede Frage eine passende, möglichst angepasste Antwort parat, die mir zeigt das du auf XING den kleinen „Bewerbungsknigge“ und sonst noch was gelesen hast und smart und nun ja, eben angepasst bist. Zeige bitte auch keine Emotionen.

Warum so wenig Frauen mit Kindern diese Positionen angeboten bekommen, bzw. am Ende dann auch beziehen? Die haben nämlich schlichtweg keine Zeit sich mit „Die-10-schlimmsten-Fettnäpfchen-beim-Bewerbungsgespräch“ zu befassen. Dafür kann ich euch aber garantieren, dass sie organisatorisch Top sind und hocheffizient für dein Unternehmen arbeiten. Schließlich haben sie noch ein zweites „Unternehmen“, dass sie „nebenbei“ managen. Für Sie getestet. Im eigenen Unternehmen mit Führungspositionen und einer familienfreundlichen 4-Tage-Woche. Ach ja Info an alle Frauen die sich gerade im Bewerbungsprozess befinden: Ihr könnt mich gerne nach den Fettnäpfchen fragen. Ich habe jedes einzelne davon persönlich ausprobiert. Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit darüber.

Gesucht werden agile und flexible Menschen. Finde ich die, wenn ich mich mit geschliffenen Standard-Antworten zufrieden gebe? Das glaube ich nicht. Bitte mehr Mut zu Lücke! Wenn der Bewerber nicht gleich die KPIs oder die neuesten hippen Paymentsysteme aufzählen kann, fragt ihn wie er das kurzfristig herausfinden kann. Darauf kommt es doch an! Und merke: Keiner kann alles, manche können nur besser über Lücken hinwegtäuschen.

Ist man im Online-Bereich unterwegs, MUSS man sich stetig neu positionieren. Es gehört dazu sich ständig zu fragen, in welche Richtung entwickeln sich die Märkte und die Zugänge zu diesen. Und es gehört auch dazu seine Fähigkeiten dem aktuellen Wachstum und Begebenheit des Produkt-und Markenumfeldes flexibel anzupassen. Das zahlt letztendlich auch auf die Position ein, die es in eurem Unternehmen zu besetzen gilt. Selbst wenn der Bewerber die Anforderungen nicht 100% abdeckt, legt doch bitte in bißchen mehr Vertrauen in die Agilität und in die Flexibilität des Bewerbers. Vergesst die größtmögliche Übereinstimmung mit euren Anforderungen. Hier ist doch keine Bereicherung oder Veränderung zu erwarten! Diese Vorgehensweise entspricht dem tradierten Bild und Mustervorstellung eine HR Bereichs von gestern!

Und noch was! Es reicht mir OHNE ENDE. Es mag ja sein, dass mein Auftreten und vielleicht auch mein Äußeres nicht dem optimalen und optimierten und es-fallen-mir-jetzt-keine-worte-mehr-dafür-ein entspricht. Ja, ich trage nicht Größe 38 und meine Fingernägel sind nicht lackiert. Aber, ey! Ich habe über 20 Jahre Berufserfahrung, habe ein Kind großgezogen, habe mich nebenberuflich immer weitergebildet und bin farbig, kreativ, witzig und spannend – das sage ich jetzt mal ganz arrogant, den ich habe genug Langeweiler kennengelernt die ihren Job genauso erfüllen, mit Langeweile, Routine und bitte bloß nichts Neues. Wie wollt ihr denn Diversität in euer Unternehmen bekommen, wenn am Ende alle gleichen Alters und ähnlichen Typs sind. Vergesst es einfach und bitte benutzt das Wort „Vielfalt“ nicht mehr in euren ach so vielversprechenden Firmenpräsentationen.

Dann habt den Mut, neben dem smarten, austherapierten Managertyp der so nice auf alles eine Antwort parat hat (da schon unzählige Selbstoptimierungs-Trainings, -Fortbildungen mit Kammerlander, Höllerer und wie sie alle heißen) jemand ungeschliffenen, spontanen, der vielleicht auch „nicht immer seiner Seniorität entsprechend agiert“ ins Team aufzunehmen. Ich liebe diese Formulierung zwischenzeitlich, auch wenn sie mich einst sehr verletzte und ich den Autor seinerzeit da hin wünschte wo der Pfeffer wächst (wo er leider schon war und schön soll’s da außerdem auch noch sein … ). Heute fühle ich mich dadurch geadelt. Den nur durch Frauen mit Kindern in verantwortungsvollen Positionen, lernen auch die „Jungen“, dass es andere, abweichende Wege gibt.

Und sorry das ich euch das jetzt so unverblümt und frech sage: auch ihr werdet alle älter. Dies ist vor allem adressiert an alle weiblichen jungen HR-Recruiterinnen, die sich erst noch durch die gläserne Decke und das Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf durchbeißen müssen. Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei eurer persönlichen Weiterentwicklung und beim ständigen Dauerspagat. Aber keine Panik wenn ihr an die gläserne Decke stoßt: Nach unten geht es immer.

Ach, was hättet ihr von mir profitieren können: Ihr hättet mich fragen können „wie hast den du das eigentlich gemacht?“ Und ich hätte euch von der Hoffnungslosigkeit erzählt, aber auch von der Stärke und den Willen den Frauen (oftmals auch gemeinsam) entwickeln um das ganze durchzustehen. Hier entstehen Freundschaften für’s Leben. Fragt jetzt doch bitte eure Kollegen bzw. deren Frauen, die ihren Männern auch 2017 noch den Rücken freihalten (schließlich muss der Mann doch unbedingt am Wochenende auch noch auf den Marathon trainieren, muss er doch … oder nicht?). Lehnt euch, wenn ihr selbst Kinder habt, entspannt zurück und bastelt saisonale Dekoration für euer „Schöner Wohnen“- Zuhause, bis ihr irgendwann (wenn die Kids soweit sind) zugunsten einer jüngeren verlassen werdet. Beispiele? Schaut euch in der männlichen Führungsriege eures Unternehmens um.

Laut der aktuellen OECD Studie*1 arbeiten in DE  70% der Mütter. Davon arbeiten knapp 30% in Vollzeit. Meine Vermutung ist: Schaue ich mir die 29,9% der Vollzeit berufstätigen Mütter an, arbeiten davon maximal 5% in einer leitenden Position. Das ist allerdings eine reine Vermutung meinerseits, da ich in der Studie keine Zahlen darüber gefunden habe. Eine Mutter in leitender Position in einer Vollzeitanstellung anzutreffen, ist also vermutlich genauso selten wie ein Löwenrudel bei einer Safari oder einen stinkenden Titanwurz blühen zu sehen.

Wenn eure Mitarbeiter zwar international, interkulturell bestens aufgestellt sind, (da Auslands-studium und -erfahrung) ist es doch wieder eine homogene nicht-diversive Masse, die alle anderen die diesen Backround nicht haben, ganz gerne mal ausgrenzt. Und da spreche ich jetzt mal aus Erfahrung. Wenn sich z.B. zwei Kollegen, beide deutsche Muttersprachler, auf dem Flur in Englisch unterhalten (in einem Unternehmen in dem überwiegend Deutsch gesprochen wird) ist das … nun wie soll ich sagen … gewöhnungsbedürftig bis … hmmm bescheuert. Und hier fängt Ausgrenzung an.

Was ich in meiner jahrzehntelangen Berufserfahrung gelernt habe: JEDER ist ersetzbar. IMMER und JEDERZEIT. Also fragt doch nicht vorher, ob ich für euer Unternehmen brenne, sondern sorgt ihr dafür das es so ist und das ich mich wirklich schlecht fühle, wenn es nicht gut läuft. Was für ein Quatsch vorab ein Leuchten in den Augen zu sehen. Das ist vielleicht bei Anfängern so, der Rest spielt das nur oder ihr habt wirklich ein Hammerprodukt/Dienstleistung. Meine Augen fangen an zu leuchten wenn ihr mir von flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice und Mitarbeitervertrauen erzählt. Witzig übrigens: Euer Leuchten in den Augen erlosch, wenn ich danach fragte. Sucht ihr eine Lampe, Schauspieler oder kompetente Mitarbeiter?

Es ist einige Jahre her, da habe ich mit einer Kollegin zwei Auszubildenden gesucht. Einen Fachinformatiker und einen Webdesigner. Wir haben uns für zwei Azubis entschieden, die von anderen Unternehmen (vermutlich) nicht in Betracht gezogen worden wären. Der Webdesigner, ein Party-It-Girl der besten Klasse. Der Gedanke an die Bilder die ich von ihm in den sozialen Netzwerken gefunden habe, amüsiert mich noch heute (… ohne weiter Details zu nennen: Netzstrumpfhosen, auffallend große trichterförmige Zigarette, umgeben von Mädels und alle mit roten-Augen-Effekt …). Der andere introvertiert, noch nichts zu Ende gebracht, bereits etwas älter. Zwischen den Zeilen konnte man aber lesen, dass er hauptsächlich Probleme hatte, da er NICHT angepasst war und auf Korrektheit bestanden hat. Beide haben ihre Ausbildung erfolgreich absolviert. Der eine mit ca. 700 Dosen Redbull, der andere mit unendlichen (zugegebenermaßen auch manchmal nervenden) Diskussionen mit Vorgesetzten, Kollegen, etc.. . Ich bin heute noch auf beide unheimlich stolz. Auf den Weg den sie gemeistert haben und das sie sich treu geblieben sind. Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass die beiden ÜBERHAUPT nicht miteinander konnten, oder? Eben weil sie komplett verschieden waren, aber das gehört dazu und auch daran kann man wachsen.

Bewerbungsgespräche 2017 fühlen sich für mich an wie der „brave Knicks“ den sich meine 1905 geborene Großtante bei jedem Besuch von mir wünschte. Bei Bewerbungen, die eigentlich auf Augenhöhe stattfinden sollten, habe ich darauf keine Lust mehr.

Dieser Text ist einem Recruiter aus Berlin gewidmet , mit dem ich zum einen das digitalisierteste aber auch das freundlichste Gespräch hatte. Ich hatte zumindest das Gefühl das er bedauert, dass ich im Bewerbungsprozess nicht weiter gekommen bin. Und alleine die Vermittlung dieses Gefühls hat mir gut getan und mich froh gemacht, zumal er es mir persönlich, telefonisch mitgeteilt hat. Dafür ein dickes Danke! So manch anderes Unternehmen hat es nicht einmal geschafft eine persönliche Absage zu schicken, selbst wenn ein oder mehrere Gespräche vor Ort stattgefunden haben.

Liebe HR’ler. Ich bin ja jetzt selbständig und somit raus aus dem Bewerbungs-tam-tam. Wenn ihr Bedarf bei kreativer Weiterentwicklung eurer Einstellungs- oder Absageroutine habt, stehe ich euch gerne zur Verfügung. Und fangt bitte damit an, dass ihr meinen Lebenslauf nicht mehr als „superinteressant“ und „spannend“ bezeichnet. Das weiß ich selbst und ich bin auf jede einzelne Position und Tätigkeit mächtig stolz, auch wenn es manchmal nicht so gelaufen ist wie geplant. Aber auch das gehört dazu.

Es grüßt euch
Gabriele