Die etwas andere Orga-Queen. Oder Organisation mal anders.

05.05.2019 Tag 1 // auf dem Weg nach Berlin zur re:publica 2019

Ich möchte gerne dieses Gefühl konservieren. Diese Momente, in denen dein Herz pocht, Glücksmomente, die sich Anfühlen wie ganz hoch schaukeln, der Moment, wenn die Schaukel kurz stehenbleibt, auf dem Gipfel ankommen nach einer langen Tour. Oder eben diese Momente im Leben, an denen du merkst, dass du für jeden Invest, egal ob schmerzhaft, anstrengend oder nervenaufreibend, gerade deine Belohnung erhältst.

Nach einem Jahr aussetzen bin ich auf dem Weg nach Berlin zur re:publica. Das gönn ich mir und gleichzeitig ist es eine Auszeit von zuhause und meinen Projekten. Es hat mir gefehlt im letzten Jahr und ich muss für mich für die Zukunft beschließen, diese Auszeit in jedem Jahr fest für mich einzuplanen, den obwohl ich noch nicht einmal in Berlin angekommen bin, spüre ich schon die Inspiration und das wohltuende der Reise. Während ich noch im Flieger sitze, fällt mir ein, dass ich eigentlich ganz gerne etwas zu einem Thema schreiben würde, dass mich jetzt die letzten Tage umtrieb.

Ich bin wie die meisten berufstätigen Mütter gut organisiert. Angestoßen zum Denken was Organisation mit mir macht und wie ich mich organisiere, wurde ich durch die Instagram-Challenge von @annahaeusler die das Wort Organisation für heute vorsieht. Unter mein Bild-Post auf Instagram beschrieb ich ein Ereignis: „Als ich vor … hüstel …. 20 Jahren oder so, mal von Barcelona nach Stuttgart flog und der Check-In und das On-Boarding  besonders chaotisch verlief, ich daraufhin zum Mann sagte „was für ein Chaos!“, meinte der spanische Stewart: „Organisation ist ein deutsches Wort“. Wir haben zu Dritt darüber gelacht und ich muss immer wieder daran zurückdenken.“

Wer jetzt erwartet von mir die eine Super-Methode zu erhalten, den muss ich leider gleich enttäuschen. Es ist eher eine Selbsterkenntnis, die ich bisher so nicht formulieren konnte, die Erkenntnis, dass ich mich ohne Todo-Listen oder sonstige Hilfsmittel sicher sowohl durch den Job, wie auch durch mein Privatleben navigiere. Klar mach ich mir auch manchmal Notizen, aber meist sind es lieblos dahin gesudelte Worthäcksel, die ich oftmals später nicht mehr entziffern kann, geschweige den irgendjemand anderem übergeben kann. Wie das funktioniert? Ich habe keine Ahnung. Was es mir bringt? Sicherlich manchmal schlaflose Nächte, wenn ich darüber nachdenke was ich in den nächsten Tagen zu erledigen habe. Was es mir aber auch bringt, ist ein wahnsinniges Vertrauen in mich selbst. Ich vergesse es schon nicht. Darauf kann ich mich verlassen. Gehirn-Jogging und Gedächtnistraining made by myself.

Und wenn dann mal was daneben geht, eben weil ich auch nur ein Mensch bin und nicht Trello oder sonst ein Tool, kann ich mir das zwischenzeitlich auch verzeihen. Jetzt muss ich nur noch lernen, mich dann nicht mehr so aufzuregen. Da bin ich aber auch wirklich auf einem guten Weg.

Wie ich hier so ticke, habe ich gestern versucht meinem Sohn zu erklären. Wie das ist mit mir und der Merkliste im Kopf. Hintergrund war, dass ich ihn zum Tanzen fuhr und mir einfiel, dass der Kurs noch nicht bezahlt wurde. Und dass ich es so schnell wie möglich bezahlen möchte um es von meiner „Gedanken-Liste“  zu streichen.

Als ich ihn wieder abholte nach 2 Stunden, grinste er mich an und sagte: „Kannste streichen Mama. Alina und ich haben bei einem Tanz-Contest mitgemacht und gewonnen. Der Preis ist die kostenlose Teilnahme am Kurs“. Das war mit Sicherheit einer der schönsten Haken, die ich in letzter Zeit gedanklich gesetzt habe.

Wie organisiert ihr euch? Macht ihr Listen? Oder nutzt ihr irgendwelche Tools die euch helfen? Wenn ihr Lust habt, erzählt doch wie ihr dafür sorgt den vollen Überblick zu behalten.

Herzlichst eure

Gabriele

Es. Du böses gutes Wesen. Hast Flügel und kannst doch manchmal nicht fliegen …

Dieses eintauchen in die alte neue bekannte unbekannte Welt, Projekte, keines dem anderen gleich, kennenlernen so vieler tollen Menschen, was ist daraus geworden?

Habt ihr es gemerkt? Meinen letzten Blogbeitrag schrieb ich im Juni 2018, was ist denn eigentlich passiert seitdem? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, es hat sich wieder eingeschlichen. Es.

Hättet ihr mich vor einem Jahr gefragt, „Wie geht es dir?“ hätte ich geantwortet, dass es mir fantastisch ginge und ich mir nichts Besseres vorstellen könne. Und jetzt hat mich das Jahr überrollt, einfach so, niedergewalzt und plattgemacht. Keine Zeit mehr für schöne Blog-Beiträge, keine Zeit mehr die Gedanken schweifen zu lassen. Keine Zeit mehr.

Wobei, Moment, warte! Zeit hatte ich mehr als genug: Ich bin 2018 über 500 km im Wald unterwegs gewesen. Eher 600, da ich nicht alles getrackt habe. So oft es ging, war ich draußen. Ich habe das Jahr mit all seinen Naturschönheiten ausgiebig genossen: die ersten Blüten im Frühjahr, die ersten heißen Tage, die ganze Opulenz, die in diesem Jahr an den Bäumen hing. Kirschen, Beeren, Holunderblüten,  dann Äpfel, Birnen, Quitten und Zwetschgen, am Schluß eine Unmenge an Walnüssen. So schön und so bereichernd für alle Sinne. Ich habe Gartenvögel beobachtet und Pflanzen beim Wachsen zugesehen. In den letzten 20 Jahren hatte ich in keinem Jahr mehr Zeit, mich mehr darin zu verlieren, wie in diesem Jahr. Und dennoch. Es. Es ist wieder da.

Nun sitz ich einigermaßen ratlos hier und frage mich, wie die Falle wieder zuschnappen konnte. Meine persönliche Falle. Der Köder dafür von mir selbst ausgelegt und vorbereitet. Dieser Moment bei dem ich nicht aufpasste und „Ja“ sagte, obwohl ich „Nein“ meinte. Wie meine Motivation verschwand und ich es nicht merkte. Und auch niemand anderes.

Wie ist das mit der intrinsischen Motivation? Wie hält man diese auf Trab? Was ist ihr Nährboden? Woran wächst sie? Woran geht sie ein? Diese Pflanze, deren Gärtner niemals alleine ist, niemals alleine entscheidet. Ein Teil von dir selbst, ein Teil von anderen … aber von wem, wann und wo?

Ist es den Zufall, dass ich ausgerechnet eine Biene als Sinnbild für das nutzte, was ich versuchte zu verstehen? Ich schrieb „ … das ist so ähnlich, wie eine Biene die nur eine Blumenart bestäubt und dann irgendwann in einem Blumenbeet unterwegs ist, in dem NUR noch die gleichen Blumen stehen …“. Sinnigerweise schrieb ich es an eine Biologin und wie soll es anders sein? Sie verstand. *

Damit ich wachsen kann, brauche ich die unterschiedlichsten Blumen. Ich nehme von Ihnen und sie geben mir etwas zurück: Verschiedene Düfte, Farben, Blütezeiten. Sie bereichern meine Sinne und ich kann mich täglich an ihrer Vielfalt erfreuen. Wichtig dabei alleine ist das geben UND das nehmen.   

Was mich umtreibt und was ich versuche zu verstehen, findet oft mit Worten den Weg, anfangs manchmal holperig, schwer verständlich, dann ist das Gedachte noch nicht vollständig ausgereift, dann braucht es einen zärtlichen Anstrich wie ihn auch ein Käselaib vom Senner erhält, damit er reift und Geschmack entwickelt. Egal ist dabei, ob es mich betrifft oder ein allgemeines Problem. Ich weiß, dass ich dabei manchmal sehr sonderbar anmute. Aber es ist mir wurscht. Zu oft hatte ich recht mit dem was ich zuerst spürte, dann dachte und schließlich sagte. Oft sah ich Dinge, die sonst niemand sah, oftmals waren sie es auch, die mich im Wald begleiteten und mir dort Gesellschaft leisteten. Und manchmal auch nachts wenn ich nicht schlafen konnte, saßen sie leise jammernd auf der Bettkante, mit großen Augen „siehst du mich jetzt endlich?“.

Und jetzt also für mich selbst. Vielleicht ist das der große Fortschritt den ich augenblicklich machte: etwas für mich selbst zu erkennen, in einer Phase in der es noch „grün“ ist und nicht „tiefrot“ wie es leider auch schon der Fall war.

Raus mit dir, tausch dich aus, suche dir diejenigen mit denen du teilen kannst, die verstehen, die gerne nehmen und geben, die dich beflügeln und inspirieren. Die auch zwischen den Zeilen lesen. Die den Mut haben mitzufliegen. Die deine Welt kennen, wenn nicht ganz, dann zumindest in Teilen.

Diejenigen, die wissen, woran ich wachsen kann und an was ich verzweifle. Woran ich scheitere. Was mir im Weg steht.

Es bleibt spannend und fühlt sich glücklicherweise alles schon wieder etwas leichter an. Schreiben ist ein besonderer Weg des loslassen, lernen und begreifen.

Wie entwickelt ihr euch weiter? Wo und wie holt ihr euch die Motivation, Inspiration? Schreibt mir doch und lasst mich teilhaben. Ich würde mich sehr freuen.

Herzliche Grüße,

Gabriele

PS: Ich holte mir übrigens unter anderem Inspiration und Unterstützung bei Sarah Schäfer von https://unvergleichlich-ich.de/ueber-mich/ und *Julia Meder, die ich hier ebenfalls gerne verlinke https://dreamfinder-coaching.de/ . Beide zusammen sind die Initiatorinnen von https://eigenstimmig.de/ und dokumentieren mit ihrer umfangreichen Podcast-Serie einfühlsam die unterschiedlichsten Lebenswege. Die beiden sind also quasi der „Guido Knopp“ in Bezug auf Biografien von Frauen. Mutmachend, authentisch und mitreißend.

 

Der Schachspieler

Hat jemand von euch den Film „Zeit der Kannibalen“ gesehen? Ein Kammerstück erster Klasse über Unternehmensberater und ihre skrupellose Art Business zu betreiben? Die sich gegenseitig ausstechen und niederknüppeln und dabei doch nur an ihren eigenen Schwächen zugrunde gehen?

Ich liebe diesen Film, da er die Menschen dahinter zeigt, schwächer wie den vermeintlich Schwächsten, die von ihnen verhöhnt, erniedrigt und ausbeutet werden. Und es gefällt mir auch, dass der Film NICHT gut ausgeht. Für sie. Die Peiniger. Das mag jetzt ja auch kein netter Zug von mir sein, aber ich erinnere mich noch an die leise Genugtuung die ich empfand, als ich das Ende des Filmes sah. Damals leckte ich gerade noch an meinen offenen Wunden.

Wie oft habt ihr schon erlebt, dass Menschen an ihren Aufgaben zerbrechen, oder daran wie mit ihnen umgegangen wird? Bestenfalls nimmt sie ihre Seele aus dem Zustand in dem sie sich befinden heraus, schlimmstenfalls endet es mit dem Tod. Ich habe das schon erlebt, einmal mit einem Projektleiter. Wir verabschiedeten uns noch ins Wochenende und montags darauf kam er nicht wieder. Ich denke oft an ihn, vor allem dann, wenn ich auf der Autobahn dort vorbeifahre, wo er begraben liegt. Er war ein freundlicher Mensch, aber stets gehetzt, seine Hände immer feucht, das Gesicht fahl. Er hatte zwei kleine Kinder.

Auch meine Seele hat sich eine Auszeit genommen, als gar nichts mehr ging und die Attacken meines damaligen Vorgesetzten in die nächste Runde gingen. Nachdem mir gedroht wurde ich würde angezeigt werden, wenn ich noch einmal das Wort mit dem großen M und den zwei niedlichen B in der Mitte benutzen würde. Das war mein Point of exit. Beziehungsweise der Tag, an dem meine Seele ausstieg. Ich sage heute: Zum Glück. Muss ich jetzt noch erwähnen, dass „er“ nach dem Gespräch pfeifend an meinem Büro vorbeilief?

Während der Zeit, als klar war das ich nicht mehr erwünscht bin, hat mein Mann mich unterstützt und getragen. Er hat die Nächte mit mir durchdiskutiert und gemeinsam mit mir Taktiken und Strategien ausgearbeitet. Nichts hat geholfen. Am Ende blieb nur noch Ratlosigkeit, Trauer und Wut über das, wie Menschen mit anderen Menschen umgehen. Ja, es ist nur irgendein Job und ja, klar, professionelle Distanz: so wichtig. Aber es füllt nun mal fast deinen ganzen Tag und durchschnittlich 250 Tage im Jahr aus. Netto ohne Urlaub. Und wer weiß, hätte man mir gleich ein großzügiges Angebot gemacht, vielleicht hätten wir gar nicht durchgemusst. Durch das.

Nichts ist mehr übrig von dir, wenn ein anderer Mensch dich in (d)einer Abteilung ins Abseits drängt. Du stehst plötzlich alleine da und fühlst dich falsch, falsch in allem was dein bisheriges Berufsleben ausgemacht hat. Du bist im falschen Film. Kollegen schleichen auf einmal an dir vorbei, hoffend das du sie nicht bemerkst, verlassen abends ohne Abschied das Büro. Andere ignorieren deine Anrufe. Du weißt sie sind da, hörst ihre Stimmen, gehen aber nicht ans Telefon. Es ruft ja „Niemand“ an. Du bist ein Nichts, du kannst nichts und deine Fehler häufen sich. Du stellst dich, deine Persönlichkeit und dein bisheriges Leben immer mehr in Frage. Du verstehst nicht warum und suchst den Fehler den du gemacht hast. Der Kloß im Herz und im Hals wird immer größer und es scheint fast so als ob du langsam daran ersticken wirst. Und du weißt, es gibt da jemand in deiner Nähe, der sich genau das erhofft und wünscht.

Schachzug für Schachzug zog „er“ nach jeder neuen Attacke eine neue Figur aus dem Ärmel und platzierte diese auf dem Spielfeld. Das er dieses Spiel perfekt beherrscht und ich nicht sein erster Gegner in diesem Spiel war, begriff ich erst spät, zu spät, viel zu spät.

Ich frage mich manchmal, wie ich reagiere, wenn ich ihm plötzlich gegenüberstehe. Vielleicht bedanke ich mich bei ihm. Freundlich lächelnd. Reiche ihm die Hand. Danke ihm dafür, dass er mir gezeigt hat, dass seine Welt da draußen anders ist, dass Unternehmen ab einer bestimmten Größenordnung und mit bestimmten Strukturen kein (Lebens)-Umfeld für mich sind und er recht damit hatte. Das er mich davon befreit hat jemals wieder den Wunsch zu haben in einem solchen zu Arbeiten. Das man dort nicht wachsen kann. Also ich nicht. Ich bedaure ihn dann vielleicht noch ein bißchen, daß er so ein schwacher Mensch ist und solche Spiele nötig hat. Anscheinend. Und ganz zum Schluß frage ich ihn, ob er vielleicht manchmal denkt, das möglicherweise das Ende seines Filmes auch anders als geplant verläuft?

Lange habe ich gebraucht um wieder bei mir anzukommen. Das ich diejenige bin, die Unternehmen weiterbringen kann. Das Menschen gerne mit mir zusammenarbeiten. Nicht alle, klar, aber ein paar sind schon dabei. Wieder wachsen zu dürfen und vor allem zu können. Selbst darüber zu entscheiden.

Es fühlt sich gut an.

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende. Eine Liebeserklärung.

Vor kurzem schrieb ich an eine Freundin: „… das Jahr war so phantastisch, fast so, als ob sich mein Leben für das Jahr davor entschuldigen wolle …“ Und ja. Ein phantastisches Jahr neigt sich dem Ende zu und ich freue mich, ich freue mich so riesig, auf das Jahr 2018 und auf das was kommt und wem ich alles in diesem Jahr begegnen werde. Im Folgenden Text werdet ihr oft das Wort „bewegt“ lesen. Das war 2017 für mich: ein bewegtes Jahr. Emotional ebenso wie mental. Aber lest selbst.

Ja, es ist ein Jahr voller Gefühle und voller Eindrücke. Ein Jahr das mich mutig, selbstbewußt und stärker gemacht hat. Ein Jahr, in dem ich so viel lernen und erleben durfte. Es hat mich weiter gebracht das Jahr 2017.

Denke ich zurück an die letzten 5 Jahre, umschlingt mein Jahr 2017 all die Jahre zuvor, drückt das eine mal zärtlich oder auch ein anderes mal etwas stärker und raunt ihnen zu: „DASS, mein liebes Jahr 2015, war nicht nett von dir … da musste ich jetzt ganz schön daran arbeiten, damit ich das geraderücken konnte“. Oder dem etwas freundlicheren Jahr 2016 „Im Großen und Ganzen hast du einen guten Job gemacht …“.

Ich höre euch schon da draußen: Aber das kam doch alles von dir! Du bist doch für dein Leben verantwortlich! Nun ich gebe euch recht, doch manchmal ist es schon zum Mäuse melken, wenn vermeintliche Perspektiven sich als Sackgassen herausstellen, oder wenn in anscheinender Perspektivlosigkeit sich auf einmal Welten auftun, so groß wie ein Walfisch oder der Mount Everest. So großartig, wie ein Wolke wohlriechender Wärme die dich umschmeichelt, die dich sehr, sehr glücklich macht und durch das Leben trägt.

Das klingt jetzt so, als ob alles fremdgesteuert war, als ob die Jahre mich so hin- und herschubsen könnten wie sie gerade Lust und Laune haben. Nein, so ist es nicht. Manchmal muss man abschneiden um wieder anknüpfen zu können und manchmal muss man loslassen, um wieder Hände zu greifen. Und ja, vielleicht doch, manchmal schubst einen das Leben hin und her. So ist es nunmal und du verstehst dann erst ein paar Jahre später, warum es das gemacht hat.

Ach 2017, was hast du es gut gemeint mit mir. Vorbereitet von 2016, hast du mich auf die re:publica nach BER geschickt. Das war klasse und ich konnte mit eigenen Augen sehen, wie viele tolle Menschen sich da draußen tummeln und was für Ideen sie haben. Das hatte ich die letzten Jahre schon glatt vergessen! Ich konnte sehen wie man für seine Ziele einstehen kann, aber auch wie man sich gemeinsam Ziele setzen kann und sich dabei gegenseitig stützt und trägt. Gemeinsam bewegt. Ich durfte teilnehmen und war mitten drin. Und bin es immer noch. Ich sage euch: Das Gras auf der anderen Seite der Weide ist doch grüner! Ich weiß es nun.

Dort, auf der re:publica, bin ich auch Sarah von eigenstimmig.de das erste Mal Live begegnet. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es erst im Mai dieses Jahres war. Im MAI 2017? Ehrlich jetzt? Wenn ich mal 87 bin und vielleicht nicht mehr alles so zusammen bekomme, werde ich sagen: „Die Sarah … hmmm, das muss im Mai 2004 gewesen sein. Äh Moment nein, Bub* wie alt bist du jetzt? 40? Ja, dann kann das nicht sein, da wärst du ja erst ein Jahr alt gewesen …“ Der Bub wird dann fürchterlich die Augen rollen und sagen: „Mama, ich war schon 13, dass war 2017“. Dann werde ich in meinen Ohrensessel zurücksinken (möglicherweise ein Eames Lounge Chair?) und mit verträumten Blick sagen, „Ach ja, du hast recht 2017 war es“. Ganz versonnen lächeln werde ich dabei.

Liebe Sarah, liebe Julia: ich verdanke euch so viel. Das ihr mich in eure eigenstimmig Runde aufgenommen habt, fühlt sich an wie ein Solokünstler bei einem Rock-Konzert. Das Gitarrensolo wurde soeben erfolgreich absolviert. Die letzten Schlußtöne werden gerade gespielt und in diese abklingenden Töne (die ich auf den Knien über die Bühne rutschend spiele) mischen sich bereits die Rufe der hysterisch kreischenden Menge während die geworfenen Blumen und Plüsch-Bärchen auf mich niederprasseln: „Jaaaaaaa!!! ZUUUGGAAABBBE“, „Heirate mich!“, Yeaaaahhhh!!!!“, „Ich will ein Kind von DIIIIRRR!!!“ …

Ok, da ist jetzt die Phantasie mit mir durchgegangen. Aber anfühlen, ja anfühlen tut sich das schon so in etwa .

Zum einen steht man auf dem Podest, zeigt sich. Wer man ist, was man erlebt hat und wie man denkt.  JEDER der will,  kann es hören. Das ist ja nun auch nicht jedermanns Sache und zugegebenermaßen auch nicht einfach. Ganz zaghaft streckt man erst einmal die Fühler aus dem Schneckenhaus aus. Und dann, auf einmal, rockt man die Session: Du merkst: Du hast was zu sagen und bist ein bißchen stolz und unglaublich glücklich darüber, dass es jemanden gibt den das interessiert. Zum anderen ist man aufeinmal Teil einer phantastischen Gemeinschaft und weiß es jetzt genau und mit Bestimmtheit: DU BIST NICHT ALLEIN. WIR SIND VIELE. UND WIR KÖNNEN BEWEGEN. WAS IMMER WIR WOLLEN.

Ihr beide habt so tolles geleistet. All die Interviews und all das was ihr sonst noch bewegt. Wahnsinn. Ihr gebt Frauen einen Raum in dem sie sich öffnen und zeigen können, so wie sie sind. Danke, vielen Dank dafür! Ihr seid der Hammer!

Aber neben Sarah und Julia, möchte ich auch zuätzlich all denn vielen anderen Frauen aus der eigenstimmig-Gruppe danken, aus vollem Herzen, für all die Begegnungen die mich bewegten (auf vielfältige Weise) und sehr glücklich machten.

Wir sehen uns alle hoffentlich bald wieder, spätestens aber im Herbst.

Ich möchte aber heute noch jemanden anderen mit euch teilen: Ein Kollege, der übrigblieb nach 4 Jahre Konzern. DER eine Lieblingskollege. Mit einem Herzen so groß. Wie einen kleinen Schatz trage ich die Erinnerung und die Gedanken an ihn mit mir herum.


Wir haben uns dieses Jahr zweimal getroffen. Pulled-Pork-Brötchen-essend saßen Steve und ich am Rande des Feuersees in Stuttgart. Die Sonne schien wohlwollend auf unsere Gesichter und wir bewunderten gegenseitig den Glanz, die Wärme und die Kraft, die unser neues Leben ausstrahlte.

„Halte durch! Du bist ‘ne coole Frau mit Power und Hirn“, schrieb er mir zum Abschied, als er ging und ich blieb. Wissend, dass mir keine einfache Zeit bevorstehen würde. Ohne seinen Zuspruch wäre alles so unendlich viel schwerer gewesen. Als er weg war, war ich alleine. So unendlich alleine. Deswegen nun nochmals offiziell auf diesem Weg: Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Offenheit und dein Vertrauen zu mir. Das du mit mir geweint hast und ich mit dir weinen durfte, ob der Schwere die uns das Leben manchmal auf den Weg legte, oder aber auch ob den kleinen, feinen Gemeinheiten, die wohlüberlegt für uns bereitgestellt wurden. Im Konzern. Im Leben. Sonstwo.

Aber das war ja nicht alles. Mit dir gab es keinen Altersunterschied. Du nimmst die Menschen so wie sie sind. Und so eben auch mich. Schnell spürten wir, dass wir auf der selben Frequenz senden und empfangen. Wir haben diese Frequenz ausgiebig genutzt. Ich danke dir für die vielen, vielen Lachtränen – ach Quatsch Lach-Flash-Mobs – die wir hatten. Es waren unser persönlicher Flash-Mobs und nur wir zwei wußten wo und wann sie stattfinden werden. Diese Situation, wenn alle  anderen Kollegen mit fragenden Augen dasaßen während wir uns einen Joke-Battle lieferten und gar nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Wooohooo!! Es hat so gutgetan.

Wir schehen unsch, schisser!

Es sind diese beiden Teile, die sich ineinanderfügen. Wahrscheinlich fiel meine Wahl aus diesem Grund auch auf Sarah, Julia und Steve. Die zwei Teile, bei denen sich die alte Welt mit der neuen Welt überkreuzt. Sie sind eng verwoben, da ein Teil ohne den andere nicht existieren würde. Es gibt Verbindungen an Menschen, die dich durch dein Leben begleiten.

Und dann, genau in diesem Moment wenn du darüber nachdenkst, umfasst die Sonne dein Herz und du denkst daran, wie anders alles enden können hätte. Dann würde ich vielleicht heute noch in irgendeinem kleinen hellhörigen Kabuff sitzen, irgendeine mir zugedachte Aufgabe erledigen und am Abend unbefriedigt nach Hause gehen. Statt der Sonne, würde eine kalte Hand mein Herz umgreifen. Und ich weiß, dass es mich zerstört hätte. Früher oder später.

Jetzt darf ich mein Potential bei denen ausschütten, die es schätzen und die es zu nutzen wissen. 

Ich danke euch allen, die ihr mir offen begegnet, ohne Vorbehalte. Lasst uns weiter gemeinsam Wege beschreiten. Mit Herz, Seele und Hirn. 2018 soll mein Jahr des Lernens und des Begegnens werden.  Aber selbst wenn wir uns nicht offline treffen: Ihr seid täglich in meinen Gedanken und begleitet mich. Bin ich mal mutlos, dann picke ich mir ein paar Gesichter heraus, durchstöbere ein bißchen eure Posts auf Facebook, Instagram und Co und schon geht es wieder.

Bitte packt eure Taschentücher jetzt weg und zückt eure Kalender. Wir sehen uns!Alles Liebe, habt eine schöne Weihnachtszeit und kommt gut ins neue Jahr!

Gabriele

*ich sage niemals BUB zu meinem Sohn. Es ist eine literarische Abwandlung meiner Sprache, um ein Bild an die Wand zu werfen von mir als 85jährige.

Linkliste

So und hier geht es nochmal zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah.

http://eigenstimmig.de

Ein Podcast Interview und was es mit mir machte.

Wie fange ich an? Wo starte ich? Wie beginne ich eine Geschichte, die für mich und mein Leben eine so unglaubliche Kehrtwende und Veränderung herbeigeführt hat? Wo so viele, viele Faktoren und auch Zufälle und Entscheidungen dazu beigetragen haben? Keine einfachen Entscheidungen, die ich hier und jetzt zu fällen habe.

Fangen wir damit an: Vor drei Wochen wurde ich von Julia Meder und Sarah Schäfer vom Eigenstimmig-Podcast interviewt. Das Interview ist nun seit zwei Wochen online, und ohne mich nun als besonders selbstverliebt darstellen zu wollen: ich habe es mir ein paar Mal angehört. Seine eigene Stimme mal abseits vom Anrufbeantworter zu hören, ist schon etwas eigenartig.

Es ist sehr sonderbar, ein Interview zu führen, bei dem man vorher nicht weiß, was man erzählen wird, wie man sich selbst darstellt und welche Ziele oder Ideen man mitgeben möchte. Ich bin gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich gut fühle, eigentlich sehr gut, an dem ich sagen kann, dass ich viel erreicht habe.

Ich fühle mich wohl und genieße den Augenblick. Es ist eine Momentaufnahme meines derzeitigen Lebens.

Und dennoch: höre ich mich im Interview, habe ich das Gefühl in manchen Punkten nicht die Tiefe und die innere Intention zu erreichen, die mich antreibt und die mich dazu gebracht hat heute und hier so zu sein wie ich nun mal bin. Sarah und Julia nennen es authentisch.

Vor kurzem habe ich einen Beitrag zum Thema Einhörner auf meinem Blog veröffentlicht. Im Internet erhältlich ist eine Gegendarstellung oder Aufarbeitung meines Geschriebenen, was sich in etwa so anhört: „Gabriele schreibt „blablabla“. Damit liegt sie falsch. Richtig ist …“
Ich möchte jetzt nicht mein Interview korrigieren oder gesagtes zurücknehmen im Sinne von bei „4 Minuten und 23 Sekunden“ sage ich; „…“ damit meine ich „…“

Nein, nein, daß liegt mir fern. Sehr fern. Was ich nur sagen möchte: Der Weg hierher war nicht einfach und er wird auch in Zukunft mit Schwierigkeiten und Stolpersteinen gerüstet sein. Darauf bin ich vorbereitet. Oder auch nicht. Ich war zweimal im Burnout und ich war sehr oft an der Grenze die Kontrolle über mein Leben zu verlieren. Aus Verzweiflung, aus Perspektivlosigkeit, aus dem Gefühl heraus nicht dazu zu gehören. Hier spielen so viele Faktoren eine Rolle, die kann ich euch gar nicht im Einzelnen aufzählen für die wissenschaftliche Verarbeitung fehlen mir die Grundlagen und so kann ich nur einige wenige mir präsente Punkte beschreiben:

1.) Genderation (Eigenwortkreation )

Ich gehöre zur sogenannten Kriegs-Enkelkinder-Generation. Der zweite Weltkrieg war bei meiner Geburt gerade einmal 21 Jahre beendet. Als Kind lag dieser Krieg und somit Nazi-Deutschland für mich sooo unendlich weit zurück. Einfach lächerlich das dieser Krieg Einfluß auf mein Leben haben soll, dachten alle und sagten: „Nazideutschland, daß sind doch nicht wir, dass waren doch unsere Großeltern“. Ja, lächerlich, wenn man bedenkt, dass die ehemalige BRD und DDR nun bald seit 30 Jahren (2019) wiedervereint sind. Merkt ihr was? Am Erbe, tragen wir alle.

Meine Kindheit ist schwarz-weiß, meine Familie bestand aus 4 alten Großtanten die „keinen Mann abbekommen haben, weil sie so … sind“ (ich habe erst Jahrzehnte später darauf kommen müssen, dass es aufgrund des Krieges gar keine Männer mehr gab). Meine Kindheit und meine ersten Lern- und Lehrabschnitte sind gekennzeichnet und geprägt von Schweigen „darüber reden wir nicht“ und von „Frauen heiraten und bekommen Kinder“. Vorbilder für selbstbestimmtes Leben von Frauen? Bis auf einen Teil meiner ledigen Großtanten (Eine Prokuristin bei Weleda (die spinnt ja), eine Weltreisende die in der Nazizeit einen schwulen Fotografen geheiratet hat (die spinnt ja)) und meiner Oma (die Zahnärztin) väterlicherseits, negativ. Und von der Leistung dieser Frauen habe ich auch erst später erfahren und würde heute so viel dafür geben mich mit diesen schon lange verstorbenen Frauen, alle geboren um die 19-Jahrhundertwende, unterhalten zu dürfen. Familiengeschichte. So wichtig. Schweigen in der Familie – wird weitergegeben über Generationen. Aber auch Verhaltensmuster. Hinschauen und bewusst verändern. Sprechen. Bitte bewußt machen und vorantreiben, oder zumindest einen Blick darauf werfen.

Ich kann sie noch fühlen, die Narbe an der Wade meines von mir innig geliebten Opas, über die meine Kinderfinger strichen, diese wulstige, rote Stelle an der ihn die Granate der Russen erwischt hatte. Sie hat mich immer fasziniert, dennoch konnte ich mir niemals vorstellen, was er tatsächlich erlebt hat und welches Leid er erleben musste. Fragen danach konnte ich noch nicht und er wollte es mir auch nicht erzählen. Er starb, als ich gerade mit meinem Studium begann. Ich denke oft an ihn und wenn die „alte Miss Marple“ im Fernsehen kommt, sitze ich da, mit kleinen Tränen in den Augen, denn Margret Rutherford mochte er besonders gerne. TUK-Kekse knabbernd, saß ich stets neben ihm und teilte seine Leidenschaft für Agatha Christie Filme.

2.) Anderssein, Klappe die Erste:

Ich war immer Störer, Sprecher, Beschützer, Kämpfer, Klassenclown. Vom Kindergarten an. Es zog sich durch meine komplette Schulausbildung durch. Verzweifelt bin ich dann beim Wechsel von der Realschule auf das Wirtschaftsgymnasium. Schulsysteme die einfach nicht in der Lage sind Wissen auch an neugierige, anders lernende Menschen zu vermitteln. Ach, es kotzt mich an und es hat sich immer noch nicht verändert. Auswendig lernen, keine Fragen. Aber bitte schnell. Ich bin da raus. Schon lange. Und für immer. Eine Frage darf ich stellen? Wie soll ich den Bullshit an meinen Sohn verkaufen, der selbiges System durchlaufen muss?????

3.) Verzweiflung:

Ich war in einem tollen Projekt. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht. Ja, es gab den einen oder anderen Streßfaktor, aber da hatte ich schon schlimmeres erlebt. Dann kam der Tag. Ich fühlte mich schon morgens nicht so gut. Das kannte ich aber schon und nahm das nicht so ernst. Ich arbeitete derzeit in Stuttgart mitten in der Innenstadt. Mittagspause. Ganz normal. Ich lief gerade durch ein Kaufhaus und ganz plötzlich, messerscharf und fast unerwartet aus dem Nichts, ein Trigger der mich in den Abgrund stürzte: Vor mir eine Rolltreppe, zwei Frauen, Freudinnen oder Kolleginnen, fahren die Rolltreppe nach oben und unterhalten sich freundlich lässig. Sehr lässig. Die Szene hat sich als Mahnmal auf meine Netzhaut gebrannt. Diese Szene war mein Trigger zum Ausstieg. Ich starrte auf die Rolltreppe, während sich langsam meine Augen mit Tränen fühlten. Ich versuchte mich zu sammeln, aber es war zu spät.

Ich sehe mich heute noch vor dem Kaufhaus stehen, die Tränen wie Sturzbäche aus meinen Augen, der Staudamm offen, kein Halten mehr. Schmerzen im Kopf. Eine hämmernde Stimme hämisch „DU gehörst hier nicht mehr dazu, DU bist nicht mehr länger Teil von diesem System. DU BIST RAUS!!“ Ich finde mein Handy und rufe meinen (damals noch nicht mit mir verheirateten) Mann an. Er erkennt sofort die Lage, verspricht mir SOFORT zu kommen, fragt mich wo ich bin.

Eine Frau spricht mich an, aber nicht aufgrund meines Zustandes, sondern weil sie wissen möchte wo irgendein XY-Laden ist. Sie hat einen kleinen Sohn dabei, der mich erschrocken und mit großen Augen anschaut „warum weint die Frau, Mama?“. Ich antworte stumm „die Frau wurde gerade aus ihrem Leben rauskatapultiert “. Ich beschreibe ihr schluckend und schniefend den Weg, sie reicht mir ein Taschentuch. Wortloses auseinandergehen. Markus kommt und bringt mich nach Hause. Ein schwarzes Loch.

Drei Monate später, geht es weiter.

4.) Anderssein, Klappe die Zweite:

5 Jahre später. Unternehmen, neuer Vorgesetzter. Er Alphamännchen, ich Alphaweibchen. Ende der Geschichte.

5.) Neuanfang: Hier und jetzt.

Ich habe vieles ausgelassen. Schließlich möchte ich weiter hier im Blog schreiben und es gibt noch so vieles, was ich mit euch teilen möchte. Heut und hier ist mir nur wichtig: Kein Weg ist einfach und auch mein Weg war mit verdammt harten und bösen Erfahrungen gepflastert. Oft stand ich mir selbst im Weg. Ich ging und gehe auch heute noch oft an meine Grenzen.

Das ist jetzt eine spontane Eingebung aber ich finde es eigentlich einen schönen Vergleich (und gaaaanz sicher gibt es schon jemanden der diese Idee auch schon hatte), die ich euch jetzt noch mitgeben möchte:

Stellt euch euer Leben als Schloß vor. Hier gibt es die unterschiedlichsten Räume und Begebenheiten. Prachtvolle Säle gibt es ebenso wie dunkle Schreckenskammern und Ecken. Ich stelle mir heute vor, wie ich durch das Schloß wandle, einem vorgeschriebenen Pfad folgend, und außer den tollen lichtdurchfluteten Sälen eben auch einmal ein dunkles Kämmerlein durchschreiten muss. Das ist halt so, um in den nächsten Saal, die Küche oder die Speisekammer mit all ihren Leckereien zu kommen. Ich habe einen kleinen Trost für euch: die Anzahl und Größe der dunklen Kammern ist in der Regel kleiner wie die Anzahl der Kammern die euch Freude bereiten. Egal wo ihr gerade seid, prägt euch die Details ein und merkt sie euch. So wird der Schreck immer kleiner, aber die Erinnerung an schönen, hellen Räume ist ebenso immer abrufbar. Genauso die Gewissheit, daß alles eine Frage der Zeit ist.

Eins ist noch wichtig: sucht euch Hilfsmittel wie Taschenlampen oder Kerzenlicht um die dunklen Kammern besser zu bewältigen. Ich glaube aber, dass man diese durchlaufen muss, um Licht und Farbe (oder wenigstens ein Käsebrot mit Zwiebeln) wieder in vollen Zügen genießen zu können.

In diesem Sinne herzlichst,
eure Gabriele, derzeit im Ballsaal

Linkliste

So und hier geht es zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah. Hier findet ihr viele wunderbare Interviews mit den unterschiedlichsten Frauen. Ich wünsche euch viel Spaß beim stöbern und hören.

http://eigenstimmig.de

Noch eine Info: Ich versuche mit diesem Beitrag auch ein neues Kommentarsystem. Ich hoffe es funktioniert gut und ihr habt keine Probleme. Sollte irgendetwas nicht klappen, könnt ihr mich gerne direkt per eMail anschreiben. Bitte nutzt mein Kontaktformular.

Einhörner, was wollt ihr hier?

Ach war das lustig heute. Oder nein, auch nicht. Eigentlich überhaupt nicht.

Kurz mit einer Kollegin, fast gleicher Jahrgang, ähnlicher Werdegang über die neue Spezies unterhalten, die anscheinend gar nicht wissen, welche Chancen und Möglichkeiten sie haben. Meine Kollegin hat heute fast dieselbe Formulierung verwendet, die auch ich vor kurzem – ich weiß gar nicht mehr in welchem Gespräch nutzte: Die jungen wissen gar nicht mehr, für was wir kämpfen mussten und woran wir scheiterten oder wuchsen, dass jeweils abwechselnd und zum Haare raufen. Hier spricht die Generation X.

Da gibt es die Generation X, die Generation Y und da gibt es zukünftig die neue Generation Einhorn eigentlich die so genannte Generation Z. Die mag es besonders gerne mit Glitzer, regenbogenfarben und mit ge-genderten Accessoires. Unterstützt werden sie dabei abwechselnd von der Generation X oder Y, in wechselnden Rollen, als Eltern oder als Großeltern oder einfach auch nur aus ihrer Peergroup. Leider stehen die Regenbogenfarben hier nicht für eine politische Meinung und leider stehen sie auch nicht für eine weltoffene und nach vorne gerichtete Gesellschaft, sondern sie stehen für eine Reduktion von weiblichen Wesen auf ihre Niedlichkeit und auf ihr Aussehen und die Jungs dürfen schon auch mal wild sein, aber bitte nicht weinen. Oder doch, ein bißchen schon.

Es ist wieder on vogue ganz besonders weiblich zu sein, ganz in der Rosa-Rolle aufzugehen und so viele Eltern machen begeistert dabei mit. Teilweise bereits mit „Mädchen“-Partys, rosafarben overloaded, bevor das Kind überhaupt geboren ist. Und dann: Ach sieht sie nicht süß aus mit ihrem rosafarbenen Tutu und ihren rosanen Ballerinas, und das Baby fast ohne Haare braucht unbedingt eine rosane Glitzerspange in den 3-4 vorhandenen dünnen Häärchen. Es könnte ja – OH MEIN GOTT – für einen Jungen gehalten werden. Es ist sooo niedlich. Nicht. Und da passt jetzt doch eigentlich ganz gut der Spruch von meiner Freundin Sabine (die Superfrau vom Bauernhof): „Einem ungeborenen Kälble kauft man keinen Strick“. Ist es nicht ein Strick, wenn ich mein Kind bevor es die Chance hatte eine Persönlichkeit zu entwickeln auf einen – nicht einmal schönen – Farbton reduziere? Egal ob rosa oder hellblau.

Mir persönlich bereitet das echte Kopfschmerzen und ich frage mich, ab wann die Eltern damit beginnen wollen ihre Prinzessinnen auf das da draußen vorzubereiten?

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir Frauen müssen nicht in Hosen durch die Gegend laufen wie ein waschechter Kerl. Auch ich habe echt schöne Kleider im Schrank hängen, die ich gelegentlich auch ganz gerne trage. Jedoch die Selbstverständlichkeit Hosen tragen zu dürfen als Frau, die gab es nicht immer. Wußtet ihr, dass in Paris im Jahre 2013 das „Hosenverbotsgesetz“ für Frauen aufgehoben wurde? 2013! Nach diesem Gesetz aus dem Jahre 1799 war es nur Frauen mit einem Fahrrad oder einem Pferd erlaubt Hosen zu tragen. Wer jetzt glaubt ich spinne, frage bitte Google oder schau in der Linkliste am Ende des Textes.

Die Eltern. Gut ausgebildet, aber auch gerne noch Kind oder zumindest noch jugendlich erscheinend, wenn schon kein Kind mehr, dann doch bitte ein Erwachsener, der mit Kinder noch voll. Cool. Kann. Auf Augenhöhe und so. Hierarchien verschwimmen, Familien werden zu Patchworks. Untrennbare Paare trennen sich. Doch. Schnell und kompromisslos. Nächstes WE sind die Kinder übrigens bei dir?

Vielleicht benötigen wir Menschen wieder Reduktion auf das einfache? Der Prinz und die Prinzessin und so? Die Soap-Oper, die mich aus meinem stressigen Leben abholt und mitten drin platziere ich mich und mein Kind?

Welche Werte geben wir euch mit? Auf euren Wegen? Beständigkeit, Verlässlichkeit oder „In meiner Welt pupsen Ponys Schmetterlinge“?

Wir schwanken zwischen laktosefreier Milch, veganem Leben und allgemeiner Balance an grünem Fußabdruck, Vereinbarkeitsblabla und bösartig gesprochen „eitler Selbstverwirklichung“ – oder will ich doch einfach egoistisch nur Leben bis der Planet platzt?

Aber was vermitteln wir dann wirklich? Ich meine vom Herzen her? Und da wir hier eine Lücke haben, werden auch in dieser ach so aufgeklärten Welt Kinder und Jugendliche orientierungslos durch die Gegend taumeln, bspw. wenn sie entdecken das es keine Einhörner gibt oder noch viel schlimmer: Prinzessin gar kein Beruf ist und der doofe Prinz die liebliche Prinzessin mit dem Thronfolger einfach sitzen lässt. Den Schlüssel zur Schatzkammer hat er leider mitgenommen.

Auch wir werden nicht in der Lage sein das einfachste zu vermitteln. Da unterscheiden wir uns nicht von unseren in der Nachkriegszeit geprägten Eltern, die garantiert keine Experten in freiheitsorientierter Erziehung waren. Und dann kamen die 60-er und die 70-er und die Jugend fing an sich zu wehren. Ihrem Kampf und ihrem Bestreben nach Freiheit, Aufklärung und Gleichberechtigung verdanke ich alles. Aber es ist noch nicht genug gekämpft. Da muss ich nur in die Führungsetagen schauen.

Die Generation Z ist noch nicht klar umrissen, aber ich nenne sie von nun an Generation Einhorn. Als mein Sohn 2003 auf die Welt kam, gab es noch EINE Sorte an Überraschungseiern und es gab Kinderketchup – einen für alle. Aber keine Piraten-Prinzessinnen-Einhorn-Ketchup-Dumpatz-Varianten mit Glitzer. Oder war ich einfach nicht empfänglich dafür? Hatte ich bisher einen Einhorn-Seh-Fehler? Gibt es Einhorn-Blindheit? Irgendwann, vor einigen Jahren, fing es dann an, dass alles nur noch in rosa und hellblau verfügbar war.

Meine Nichte ist schwanger. Sie weiß, dass es ein Mädchen wird. Mein Sohn hat ein Buch aussortiert, da er inzwischen zu alt dafür ist. Es ist rosa und trägt den Titel die „Piratenprinzessin“. Ich legte es beiseite um es meiner Nichte zu geben (neben anderen undgegenderten Büchern). Meine Mutter (84) meinte: das ist doch nichts für sie. Da kommt das Wort „Pirat“ darin vor und das interessiert Mädchen doch nicht. Nun war das meine über 80-jährige Mutter – und mit ihr habe ich auch schon über solch ähnliche Themen heiß diskutiert. Aber ich sehe, höre und bekomme dieses Mind-Set so oft mit! Twitter, Facebook, etc. sind voll davon. Kennt ihr das Video von dem Mädchen das sich beschwert das auf Mädchen-T-Shirts nur nur steht „How cute“ und bei Jungs „Be wild“ steht? Ich suche es und verlinke es am Ende.

Erinnert eure Töchter und Söhne daran, dass Gleichberechtigung selbstverständlich sein sollte und weiter vorangetrieben werden muss. Und das vieles nicht immer schon selbstverständlich war. Das eure Urgroßmütter/ Großmütter bis 1918 dafür kämpfen mussten wählen zu dürfen. Das Frauen in Deutschland seit 1977 nicht mehr ihren Ehemann um Erlaubnis fragen müssen einen Beruf ausüben zu dürfen. Hey! Nächstes Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland! Wann und wo feiern wir das?

Und da möchte ich kurz die Erinnerung an meine Großmutter einflechten. 1900 geboren, durfte sie dann wohl mit 18 wählen. Sie hat 3 Söhne großgezogen, Zahnmedizin studiert und sich und ihre Kinder durch den Krieg jongliert. In einer Geschichte erzählte eine Verwandte, wie meine Großmutter mit einem roten Hut auf dem Kopf den Hörsaal in München betrat und alle sich nach ihr umwandten. Sie war eine starke, taffe Frau und ich wünschte mir, ich hätte mich mehr mit ihr ausgetauscht.

Gebt euren Kindern mit, dass ihnen alle Wege und Möglichkeiten offenstehen, dass man aber trotzdem an seinen Träumen und Zielen festhalten und dafür kämpfen muss. Das man für einander einstehen muss. Und erinnert sie immer wieder daran, dass keine Freiheit die man im Leben hat selbstverständlich ist und dass diese dann aber sinnvoll genutzt werden möchte, die Freiheit. Sonst geht sie nämlich ein. Die Welt und die Menschen bestehen aus vielen Farben. Nicht nur aus rosa und hellblau.

Mein Sohn: Lebe. Liebe. Nachhaltig. Bitte tu es immer mit gutem und offenen Herzen. Verbiege dich nicht. Sei offen für alles und für jeden. Immer. Finde deinen Weg. Lerne. Alles was dir gefällt und was dich interessiert. Wir unterstützen dich dabei.

Ich fange an Einhörner und den ganzen damit verbundenen Scheiß zu hassen. Einhörner, bitte verschwindet wieder und nehmt den ganzen Prinzessinen-Kram mit. Er bereitet meinen Sohn und noch viel mehr eure Töchter nicht darauf vor, was da draußen wirklich auf sie wartet. Es wird kein Spaß. Glaubt mir.

Es grüßt euch

Gabriele

Die Nicht-Vereinbarkeit

Wenn Texte nichts an ihrer Aktualität verlieren …

 Ich habe schon immer geschrieben, wenn mir was auf der Seele brannte, es aber nie veröffentlicht. Einer meiner Lieblingstexte ist mein Tagebuch, dass ich 2011 während des Aufenthaltes bei einer  Mutter-Kind-Kur geschrieben habe. In diesem Text gibt es einen fiktiv geführten Dialog zum Thema Vereinbarkeit Familie & Beruf. Mein Sohn war damals 8 Jahre alt. Ich finde der Text passt immer noch prima. Manches würde ich heute vielleicht noch drastischer schreiben. Aber lest selbst.

20.11.2011 // Mutter-Kind-Kur auf Büsum

Ich lerne eine andere Frau kennen, die mich und Sabine anspricht, als sie hört wie wir uns über unsere Jobs und unsere aktuelle Situation unterhalten. Sabine hatte ebenfalls eine Leitungsfunktion. Das Wort „hatte“ spielt auch bei Sabine eine wichtige Rolle. Die andere Frau möchte über Kinder und Karriere sprechen. Vor allem über Karriere. Ich bemerke wie groß mein Abstand zu ihr schon ist, da ich eines weiß: entweder ich habe einen Partner der mich voll und ganz in meiner Karriere unterstützt und dafür seine eigene komplett auf Eis legt (hat sie nicht), oder ich organisiere mein Umfeld entsprechend (hat sie auch nicht). Nachdem sie merkt, dass Sabine und ich zu Verzicht auf Leitungsfunktionen und weniger Arbeit tendieren, ist sie auf einmal verschwunden, als Sabine und ich uns kurz um unsere Kinder kümmern.

Ich mache mir weiter Gedanken und schreibe hier nun auf, wie sich das Gespräch möglicherweise entwickelt hätte. Wir befinden uns schon mitten in der Diskussion, ob und inwiefern Familie und Beruf zu vereinbaren sind.

Ich sage gerade: „Also vergiss deinen Bereichsleiterjob für die nächsten Jahre oder verändere dich oder dein Umfeld. Ich sehe im Moment dafür drei Varianten:

Variante 1: Verlass deinen Mann und drück ihm deine Kinder auf’s Auge. Dann zahlst du jeden Monat einen Betrag x von deinem Gehalt an deinen (Ex?)-Mann und deine Kinder. Du kannst dir dann einen jüngeren Mann suchen, der deinen beruflichen und privaten Bedürfnissen und Interessen entspricht und (noch) keinen Kinderwunsch hat (notfalls auch einen, der vielleicht auch schon an seine Ex-Familie zahlt). Versuch nicht mehr an deine Kinder zu denken (die du am Wochenende ja ab und zu weiterhin sehen kannst). Diese werden sich ebenfalls bald in einer neuen Patchwork-Familie sicherlich wohl fühlen. Dieses Variante ist von vielen Männern erprobt, vor allem dann, wenn ihre Frauen ihrer eigenen persönlichen Entwicklung (vorangetrieben durch von der Firma bezahlten Coachings und „Chaka-ich-bin-der-Beste-Schönste-Schnellste“-Trainings) hinterherhinken (da sie mehr Zeit mit „Schöner wohnen“, „Mein Chefkoch.de“ und Kindererziehung verbracht hat). Vielleicht ist das ja auch bei dir und deinem Mann bereits der Fall?

Variante 2: Du machst für die nächsten Jahre einen Job, der dich nicht erfüllt aber dafür sorgt, dass du nicht den Anschluss verlierst, da du weiterhin in deiner bisherigen Firma arbeitest. Dann kannst du wieder durchstarten. Deine jüngeren männlichen Kollegen haben dich leider zwischenzeitlich überholt. Das ist etwas deprimierend für dich, mit etwas Glück schaffst du es aber, diese Leere und Unzufriedenheit nicht mit nach Hause zu nehmen und auf deine Familie zu projizieren. Die meisten Unternehmen sind ganz gut darin, Müttern die nach der Elternzeit zurückkommen möchten, entsprechende „passende“ Stellen anzubieten.

Variante 3: Du setzt durch, dass der Bereichsleiterjob auch mit einer 4-Tage Woche machbar ist. Alles was über dich geredet wird, weil du pünktlich um 16:00 Uhr das Gebäude verlässt, perlt an dir ab, ebenso Sticheleien und blöde Bemerkungen von deinen Kollegen im Sinne von „Na? Halben Tag Urlaub heute?“. Du nimmst deine Position als das was es ist, eine Position mit viel Verantwortung und der Fähigkeit zu delegieren. Du hast kein schlechtes Gewissen, wenn deine Mitarbeiter noch arbeiten, während du bereits bei deinen Kindern bist. Du hast dir diese Position durch Kompetenz erarbeitet. Du stehst auch für Fragen abends nicht mehr telefonisch oder per Mail zur Verfügung, da dir zuhause dein Mann und deine Kinder wichtiger sind. Termine werden selbstverständlich so gelegt, dass sie für dich kein Problem darstellen. In dieser Zeit solltest du ein besonderes Augenmerk auf nachrückende, weibliche, kinderlose Konkurrentinnen werfen. Frauensolidarität wird in den oberen Führungsebenen in der Regel kleingeschrieben. Sobald sie Lücken in deiner fachlichen oder Führungs-Kompetenz entdecken, werden sie gnadenlos reingrätschen und versuchen dich auszuhebeln.

Eins noch, kommt keine der oben genannten Varianten für dich in Frage wird es vermutlich so weitergehen: Du ziehst dein Ding beruflich und privat durch. Dadurch wirst du dauerhaft und über einen längeren Zeitraum an deine Grenzen stoßen. Die Auswirkungen die es haben wird kann ich dir noch nicht sagen, möglicherweise verlässt dich dein Mann, oder deine Kinder zahlen dir vielleicht spätestens in der Pupertät alles zurück, eventuell wehrt sich aber auch dein Körper mit körperlichen oder geistigen Gebrechen gegen den Dauerstreß und setzt dich einfach für längere Zeit außer Gefecht.“

Hier endet mein Dialog. Ich bin 45, arbeite seit insgesamt 25 Jahren, davon 15 Jahre in verschiedenen Führungspositionen. Ich habe mich immer für Frauen in Führungspositionen interessiert und viele davon lange Jahre begleitet und beobachtet. Ebenso das familiäre und berufliche Umfeld in dem sie sich bewegt haben.

30.06.2017 // Nach 5 Jahren

Was ich noch ergänzen möchte:

Die Versuchung war groß diesen Text weiterzuentwickeln. Ich habe mich aber bewußt dagegen entschieden. Was ich heute anders schreiben würde ist das Thema „Unterhaltszahlung“. Bekomme ich doch von vielen mit, dass Mann sich davor einfacher drücken kann als gedacht. Insofern würde ich das mit aufnehmen.

Weiter möchte ich noch auf das Thema Entwicklung von Frauen die zuhause bleiben während die Männer Karriere machen eingehen: Ich habe tolle Frauen kennengelernt die dieses Modell fahren. Wenn sie jetzt noch so cool sind für sich zu Sorgen, falls es zur Trennung kommt (indem sie bspw. durch einen Ehevertrag entsprechende Regelungen getroffen haben), super.  Meine Akzeptanz und Toleranz gegenüber den unterschiedlichsten Lebensentwürfen ist hier viel größer geworden.

Zum Thema Mutterschutz + Rückkehr auf bisherige Positionen, Teilzeit, Homeoffice … fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Es gibt immer noch zuviele Unternehmen, die dies nicht ermöglichen und Teilzeit-Karrieren ausschließen. Und dabei ist es völlig egal, was in ihren Hochglanzbroschüren erzählt wird. Ich habe so viele Geschichten erzählt bekommen, in denen Frauen unglaubliches berichtet haben, wie ihre bisherigen Jobs  an andere vergeben wurden und ihnen Angebote unterbreitet wurden, die nahelegen das eine Rückkehr nie geplant war.

Ach, wenn ich so darüber nachdenke: es gibt noch sooo viel zu bloggen. Ich habe soviel erlebt in den letzten Berufsjahren. Mit Betreuungseinrichtungen, Ganztagesbetreuung, anderen Müttern und Vätern, anderen Kolleg:inn:en, etc..  Mal schauen was mir als nächstes unter den Nägeln brennt.

Soviel für heute, es grüßt euch

Gabriele 

PS:

Eins noch: Ich habe auch viele solidarischen Frauen kennengelernt. Vorallem in den kleinen Unternehmen. Vorallem wenn sie ebenfalls Kinder hatten, vorallem wenn sie ebenfalls nicht einfach nur den kleinen Sachbearbeiter Job machen wollten, sondern was erreichen.

Buntes Korianderkraut

Korianderkraut

Ich steige in die Straßenbahn ein. Mir gegenüber sitzt eine Frau meines Alters. Sie sieht sehr schön aus und ist sehr selbstbewußt. Ich beobachte sie. Sie telefoniert kurz – und dann … ich weiß fast alles über sie. Ich bin ausgesprochen mutig und spreche sie an – all meine Annahmen über sie, werden schnell bestätigt. Wir haben beide wundervolle Söhne im fast gleichen Alter. Unsere Prinzen. Unsere Sterne. Lass uns bitte nichts falsch machen. So einfach, kurz mal alle Freude und Ängste ausgetauscht, bei einer Fahrt 8,06 Minuten lang. Egal ob reich oder arm. So sollten wir sein, wir Menschen.

Ich gehe zum Cafe Hummel. Hier treffe ich mich mit Petra Perlenfein zu einem Abschlußgespräch. Ich wollte es so. Mein Coaching bei ihr ist nun beendet. Wer bin ich? Und warum brauchte ich ein Coaching?

Ich bin 50+ und seit 20 Jahren im Online-Business unterwegs. Teamleiterin, Geschäftsführerin, Projektleiterin, ich bin Scrum-Master aber ebenso Master of disaster (fragt mich einfach – ich kenne für fast alles Lösungen) und interessiere mich für alles neue wie VR/AR (Virtuell und Augmented Reality, Holacracy, Design Thinking und vieles mehr) und ich bin Mutter*.

Aber auch: schon immer lernbegierig, rastlos und … bunt.

Ich bin bunt. Und ich bin mir sicher, dass Petra Perlenfein es sofort gesehen hat. Frau Perlenfein würde sicherlich einen anderen Begriff dafür verwenden und wir haben auch nie darüber gesprochen, es ist also eine mutige Annahme von meiner Seite. Als ich das erste Mal den Begriff „bunt“ in Zusammenhang mit mir gehört habe, fand ich das noch ein bißchen komisch. Der Bekannte einer Freundin hatte sie auf mich angesprochen und ihr gesagt, dass ich ein bunter Mensch sei. Bis dahin kannte er mich nur vom Sehen. Seitdem, treffen wir uns immer wieder und kommen in promillesekundenkurzezeitwahnsinnskurzezeit dazu uns über unser „Befinden“ auszutauschen. Hammer. Ok, ich bin ein bunter Mensch (und ich bin es JETZT wieder gerne) und er ist vielleicht Synästhetiker … .

Ganz anders, vor meinem Coaching. Damals war mein Bedürfnis: Ich wollte am liebsten grau sein. Unauffälliger. Irgendwie angepasster und irgendwie weniger so sein wie Korianderkraut.

Kennst du das? Es gibt NIEMANDEN auf der Welt, der Korianderkraut einfach nur so ißt. Entweder liebt man es, oder man verabscheut es. Keinem ist es gleichgültig. So bin ich. Man mag mich oder man mag mich eben nicht. Warum erzähle ich das? Ich glaube, das muss man über mich wissen, um den Rest zu verstehen.

Diese Erfahrung und Erkenntnis, daß jemand nicht mit mir kann, musste ich in einem großen Unternehmen machen. Hier traf ich auf jemanden, der in mir ein Problem sah (bzw. keinen Koriander mochte) und der dieses Problem lösen wollte. Meine Verletzung, Enttäuschung und Wut war riesengroß. Verunsicherung und Lähmung kamen schnell hinzu. Neben mir traf es aber auch noch eine andere Kollegin. Wir versuchten uns untereinander so gut zu stützen wie es nur möglich war. Eins kam auf’s andere und so verließ ich (nach k – -u- – r- -z- -e- -m Kampf) das Unternehmen und das war so ziemlich genau vor einem Jahr. Ich wollte damals nur noch grau sein und habe mich aus diesem Grund für ein Coaching entschieden.

Und jetzt? Was ist seit dem passiert? Also genau vor einem Jahr begann die Arbeit mit meinem Coach: Petra Perlenfein.

Seitdem habe ich mit ihr eine Vision meiner Zukunft entwickelt und die Umsetzung in die Realität vorangetrieben. Auch hier ohne Abstimmung mit ihr: ich glaube sie fand mein bunt sein überaus OK. Aus einem Coaching für „wie bekomme ich eine über 50jährige (und somit eh schon schwer vermittelbare) Frau wieder in den Arbeitsmarkt“ wurde schnell ein „Sie passen ja in gar kein Unternehmen!“. Was für manch anderen vielleicht einen Schock dargestellt hätte, las sich für mich wie ein bekanntes, bereits gelesenes Buch. Und so konnte ich mich darauf einlassen, an eine Zukunft zu denken die mir all das bietet, wovon ich schon immer träumte: Freiheit und Selbstbestimmung.

Ich arbeite nun als Freelancer für Agenturen, setze aber auch eigene Projekte um. Derzeit arbeite ich hauptsächlich für 2 Agenturen: 2 x angefragt, 2 x gebucht und heute schon wieder von einer weiteren Agentur angefragt! Ich werde aber weitere akquirieren und möchte auch unbedingt eigene Projekte umsetzen. So plane ich derzeit gemeinsam mit einer Netzwerk-Kollegin ein spannendes Projekt. Fest steht aber: Ihr könnt mich buchen.

Ich kann weiterhin jeden verstehen, der eine feste Anstellung bevorzugt. Doch was ist heutzutage schon noch eine feste Anstellung? Die Lebensläufe mit jahrzehntelanger Beschäftigung gehören nun wirklich zur Arbeitswelt von gestern. Alle müssen sich immer auf Veränderung einstellen. Täglich. Immer.

Auch ist es mir sicherlich leichter gefallen diesen Schritt zu gehen, da ich auf alle Fälle für mein restliches Berufsleben Erfahrungen wie diese, die ich im letzten Unternehmen machen musste, unbedingt in Zukunft VERMEIDEN möchte. Mein Bedarf daran ist gedeckt. Und auch hier habe ich stärkenden Rückhalt durch meinen Coach erfahren. Nicht im Sinne von „mit Ihnen kann man halt nicht arbeiten“ sondern „Sie stehen zu Ihren Prinzipien“ und „das konnte ja nicht klappen“. Gibt es den Begriff „systemische Verschiebung“ ? Wenn ja, würde es gut dazu passen.

Aber das wichtigste was mir vermittelt wurde: Es ist völlig in Ordnung bunt zu sein. Ich bin jetzt viel unterwegs, zuletzt auf der re:publica im Berlin, bilde meine Netzwerke und liebe die Menschen um mich rum und mit denen ich arbeiten darf. Ich lerne fast jeden Tag Neues, sei es beruflich oder aber auch für mich persönlich. Ich kann all mein gelerntes direkt zum Einsatz bringen, aber auch meine Persönlichkeit so leben, wie ich nun mal bin. Ich werde angefragt. Z.B. für ein Podcast-Interview um über mich zu erzählen. Hört-hört. Demnächst bin ich in der Pfalz auf einem Netzwerktreffen. Lauter starke Frauen. Ich freu mich so darauf!

Auf die Frage, „wo sehen Sie sich in einem Jahr“ antwortete ich damals zu Beginn des Coachings: „Ich sitze mit einem Apple Notebook in einem Loft-ähnlichen Gebäude und arbeite an verschiedenen Projekten.“

Und was soll ich sagen? Ratet wo ich gerade sitze? Und auf was ich diesen Text verfasse? Genau. Richtig geraten. Soll ich ein Selfie von mir schicken?

Das Coaching, hat mir auf angenehme aber auch zielführende Art und Weise den Weg aufgezeigt, den ich gehen musste. Schnell, klar und mit allen Konsequenzen die damit verbunden sind. Mit jemanden die eigenen Gedanken zu reflektieren und weiter auszuführen kann so unglaublich kostbar sein.

Es hätte nicht besser für mich kommen können. Ich habe bisher keine Sekunde bereut, diesen Schritt gegangen zu sein. Petra Perlenfein war für mich der richtige Coach. Ich habe großes Glück gehabt an sie geraten zu sein.

Mein Abschlußgespräch ist beendet. Petra Perlenfein freut sich riesig mit mir, dass alles so gut geklappt hat und das es mir so gut geht. Sie hat mich auch schon anders gesehen.

Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle, halte mein Gesicht in die Sonne und winke nochmals der Frau zu, mit der ich mich auf der Herfahrt in der Straßenbahn so nett unterhalten habe: Sie ist jetzt mit ihrem Sohn unterwegs, gegenüber auf der anderen Straßenseite. Sie sieht mich und zeigt stolz auf ihren Sohn. Ich lache und halte meinen Daumen nach oben.

LIKE.

Es grüßt euch

Gabriele

Wenn ihr mehr über meinen Coach erfahren wollt, hier geht es zu ihrer Website: http://www.perlenfein-karriereakademie.de/

*Mutter = ist mir in diesem Zusammenhang wichtig, da wenig Frauen dieses Programm (immer Vollzeit berufstätig) mit allen Konsequenzen durchziehen.

Raus aus der Komfortzone oder … rein?

Vor einigen Wochen war ich auf einem Impulsvortrag und hörte von einer Frau zu anderen Frauen „du musst deine Komfortzone verlassen“. Ich mochte den Spruch noch nie, doch konnte ich bisher nicht formulieren, was mich daran stört.
Bis zum Erstellen dieses Textes. Es hat einige Tage in mir gebrodelt und plötzlich war alles glasklar: Ich möchte jetzt mal folgendes klarstellen: wenn Frauen ihre Komfortzone verlassen, bedeutet das was grundlegend anderes, als wenn Männer ihre K-Zone verlassen. Recherchiert bitte mal kurz im Internet folgendes „Komfortzone verlassen“ und klickt kurz auf die ersten drei Ergebnisse (dann kommt ihr aber bitte hierher zurück). Bei mir waren es diese folgenden Ergebnisse:

<– google -start>
– Die Macht deiner Gedanken, oder wie du sofort bekommst was du willst
– Wirklich gut investierte Minuten in Deine persönliche Weiterenwicklung. Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend beim Blick in den Canyon der unter mir lag – und fragte mich, warum ich die steile 20 Meter hohe Felswand überhaupt hinaufgeklettert war…
– Männlichkeit stärken.
<– google-end>

Jetzt eben spontan, aber auch bei meiner letzten Recherche waren es Blogs und Coaching Sides von Männern, die anderen Männern den Weg zeigen ihre Wunschträume zu erfüllen. Sei es das „fremdakquirieren von Frauen“ oder sonstige wagemutigen sportlichen oder sonstige Unternehmungen (wie bspw. „Singe laut in der Öffentlichkeit“), die für mich alle im Bereich „nice to have“ anzusiedeln sind und nach deren Bedarfsdeckung mir auch nicht ist.

Aha dachte ich. Bei Männern geht es also um Erfolg, Mut beweisen, Frauen ansprechen, über Kohlen laufen und Bungee Jumping (kurz: Adrenalin). Bei Frauen geht es um …  hmm ???

Inzwischen glaube ich fast sicher sagen zu können: die Frauen-Komfortzone etwas anderes meint und ist wie die Männer-Komfortzone. Männer müssen ihre verlassen, Frauen müssen sich die ihre jedoch schaffen.
Wenn ein Mann seine Komfortzone verlässt, macht er was für seine Karriere oder in egozentristischer Weise für sich persönlich, oder bringt sein Adrenalin mal wieder zum brodeln.

Wenn eine Frau ihre Komfortzone verlässt, macht sie auch was für sich aber eben ein Stück weit anders. Sie ist gezwungen dazu, oder sie hält es nicht mehr aus. Es hat aber in der Regel nichts mit Grenzen-austesten, Perspektivenwechsel oder dem Wunsch nach Persönlichkeitsentwicklung zu tun, sondern entsteht aus blanker Not und Verzweiflung. Sie müssen es tun, da sie es nicht mehr aushalten oder dazu gezwungen werden. Jedenfalls brodeln hier andere Stresshormone wie Adrenalin.

Was ich meine mit NICHT mehr aushalten oder gezwungen werden? Das zum Beispiel:

Sie verlassen Eigenheime die Ihnen sowieso nicht gehören, sie verlassen Ehemänner, die 80 Prozent des Einkommens erworben haben. Weil ihre Männer selbstgerecht, eitel, gewalttätig oder sonst was waren. Meistens nehmen sie die Kinder mit, jedoch nicht den Rentenanspruch und sonstige Leistungen. Manchmal werden sie auch verlassen, dann ist ihre Situation aber die selbe.

Sie verlassen auch zuhauf Unternehmen (oder müssen), da diese sie wahlweise vor oder nach dem Mutterschutz auf’s Abstellgleis schieben oder da ihnen später dann keine Karriere-Perspektiven, keine Entwicklungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt werden, bzw. diese einfach kurzerhand an jüngere, neu eingestellte Kollegen vergeben werden.Die wenigsten verlassen ihre bisherige K-Zone wegen eines knackigen jungen Liebhabers, der so unglaublich vernarrt in die Frau ist und bereit ist sie und ihre Kinder auf dem weiteren Weg zu begleiten. Oder weil ihnen just jetzt gerade in den Kopf gekommen ist, doch mal den Mount Everest oder die Zugspitze besteigen zu wollen.

Noch weniger wegen eines Arbeitgebers, der ihnen wie der letzte und der vorletzte, mal wieder verspricht, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Diversität ganz oben auf seiner To-Do-Liste steht. Was es dann doch nicht tut.

All diese Frauen verlassen ihre „what-ever-K-zone“ und stellen sich immer wieder neu den Herausforderungen. Mehrmals in ihrem Leben, ohne es jemals so zu benennen (da hab ich doch letztes Jahr mal wieder meine K-Zone verlassen um …). Auch sie entwickeln sich dadurch und werden stärker, die Wege unterscheiden sich jedoch komplett von den Trips auf denen sich die männlichen Komfortzone-verlassenden Kollegen befinden.

Komfortzone verlassen für Männer bedeutet ein beibehalten ihres linearen Weges hinsichtlich Job und Karriere. Bei Frauen sind es oft meist komplette Brüche zur Familie, Job, Geld, Sicherheit und Karriere. Frauen wandern beim Verlassen der vermeintlichen Komfortzone oft in die Überforderung, Einsamkeit, Dauerstress und Altersarmut.

Also wenn Frauen, diesen in der Männer- und Coachingwelt entstandenen Spruch für sich bspw. In einem Vortrag, in Anspruch nehmen, sollten Sie bitte mal kurz innehalten und nachdenken woher die Haltung kommt und was sie bewirken soll: Sie transportiert eine „Chaka-die-Welt-gehört-mir“-Meinung eines Management von gestern, hat aber gar nichts mit unserem heute von kurzen Lebensstationen und individuell geprägten Lebensentwürfen zu tun.

Die meisten Komfortzonen der Menschen setzen sich doch heute wie folgt zusammen:

a. haben sich noch nie in der Komfortzone befunden

b. sind in der Situation sich diese eher zu schaffen, da sie noch nie eine hatten
c. befinden sich in einer guten Ausgangsposition und das Verlassen der Komfortzone stellt nur ein geringes Risiko dar

Die „Bungee-Jump“ und „hach-geiles-Coaching-hat-ich-da-mal-wieder“-Frau und-Mutter, gehört immer noch zu einer äußerst seltenen Spezies, so in etwa wie die sehr niedliche Schwanzmeise (die gibt es wirklich, ist aber sehr, sehr selten und jetzt muss ich selbst kurz kichern).

Also immer gut überlegen, bevor man solche Sprüche auf „Zuhörer“ überstülpt. Es passt nicht immer und ich persönlich, schalte spätestens hier in den „Shit, kein Bock mehr zuzuhören“-Modus. Obwohl ich noch nicht einmal betroffen bin, da ich aufgrund der oben beschriebenen beruflichen Gründen schon mehrfach die K-Zone verlassen musste und mir dies unter anderem beim Schreiben dieses Textes bewusst wurde. Ebenso bewusst, wie der Reifeprozess und die Stärkung meiner Persönlichkeit, die damit einhergegangen ist.

Wenn ihr also diesen oder einen ähnlichen Spruch in eure Präsi/Vortrag mit einbaut, dann stellt bitte kurz sicher, dass keine Frau im Publikum sitzt, die ihren Partner vor kurzem verlassen hat oder von ihm verlassen wurde, oder deren Firma dachte „auf dich können wir gerne verzichten“, und die derzeit weder wissen wo vorne noch hinten ist und wie und wovon sie in Zukunft leben sollen, denen schon dreimal nicht in den Kopf kommt jetzt auf bspw. den Albmarathon zu trainieren, oder mit einem ihrer männlichen jüngeren Liebhaber am Abend ausgefallene Sex- und Fesselspiele zu testen. Diese Frauen nämlich, müssen sich ihre Komfortzone erst einmal wieder schaffen, bevor sie diese, wenn sie mögen, wieder verlassen.

Ist dies nicht der Fall, könnt ihr gerne eure glühenden Holz-Kohlen auspacken (helfe gerne dabei) und alle die ihre Grenzen austesten wollen und sofort ihre Komfortzone verlassen möchten, nackten Fußes darüber zu peitschen (helfe gerne dabei). Nehmt dann euer angemessenes Honorar (Min. 1000 Euro pro Eierkopf) in Anspruch und gebt mir 300 davon für’s Kohlen anzünden und 300 für’s darüber peitschen.

Das war jetzt sozusagen die Xtrem Form. Gehässig, böse und mit spitzer Zunge geschrieben.

Es gibt aber auch noch diese Seite: nicht jeder Mensch ist geeignet dafür die K-Zone zu verlassen. Es hängt individuell mit dem persönlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Routine zusammen. Es gibt ein „zwischen“ Authismus und „Nicht-Authist“, die ein großes Bedürfnis an Routine und gelebter Normalität haben.

Schön dargestellt in der Serie „Mord mit Aussicht“, wenn Dietmar (Bjarne Mädel) mit Muschi (Petra Kleinert) vor dem Fernseher sitzt und sie sich gemeinsam eine „schöne Tiersendung“ ansehen. Nicht für Dietmar und Muschi, aber für viele andere bedeutet dieser ständige Aufruf zum Verlassen der Komfortzone Stress und ist verwirrend. Muss ich oder kann ich? Für sie kann Routinen zu durchbrechen bedeuten Unsicherheit in ihr Leben zu bringen. Vielleicht aber auch kurz danach die Routinen doch wieder aufzunehmen, weil sie sich einfacher wohler damit fühlen. Recht haben sie. Und wir Menschen sind so und irgendwie ist das doch auch gut so, oder?

Ich mag jetzt nicht darüber urteilen ob es ein glückliches Leben ist oder nicht. Denkt jetzt mal bitte kurz an die wortlosen, rührenden 7 Minuten von dem Disney-Film „Oben“. Als das Leben von Carl und Elli gezeigt wird. Auch nach dem 100x angucken werden mir still und leise die Tränen über die Backen kullern. Weil Routinen und Normalität so wunderbar schön sein können.

In meiner letzten Firma, gab es eine Regelung, die ermöglichte Freitags um 13:30 Uhr Feierabend zu machen. Das war ab diesem Moment passé, als in der Firmenphilosophie auftauchte „ihr müsst eure Komfortzone verlassen“ (natürlich auf Englisch). Eine Kollegin die schon lange im Unternehmen war, meinte zu diesem Punkt und vielen anderen Punkten  irgendwann: „jetzt haben sie uns das letzte genommen, was für uns Mitarbeiter an dieser Firma toll war“. Ich konnte sie gut verstehen, waren wir doch plötzlich umgeben von Kollegen für die ein Termin Freitagabend 17:00 Uhr, kein Problem war.

Nicht jeder ist für das „große“ Ding gemacht, wer große Räder dreht, erhält meine Bewunderung, voll und ganz. Immer, jederzeit. Noch mehr bewundere ich Menschen, die trotz ihrer Größe alle anderen die nicht vergleichbares tun, auf Augenhöhe begegnen. Ich bewundere aber auch jeden Menschen, der mit sich und seiner Welt zufrieden ist, so klein sie vielleicht auch auf den ersten Blick erscheinen mag. Entdecke ich was sich dahinter verbirgt, bin ich voller Ehrfurcht und Freude. Das ist vielleicht auch eine gewisse Art Demut und Bescheidenheit die das „Alter“ so mit sich bringt.

So. Das war es zu diesem Thema. Im Grunde genommen, ist mir einfach daran gelegen, nicht irgendwelche Aussagen oder Sprüche sinnfrei zu übertragen und zu nutzen, ohne sich mit diesen vorher auseinanderzusetzen, woher sie kommen und was sie bedeuten. Ich werde in Zukunft noch mehr darauf achten.

Ihr alle könnt mehr.

Es grüßt euch

Gabriele

Die eierlegende Wollmilchsau oder über den Unterschied zwischen Spezialisten und Generalisten

 Oben im Bild zu sehen: Fred. Fred kenne ich bereits seit er ein kleines Ferkel ist. Er lebt auf einem abgelegenen Hof, tief im schwäbisch-fränkischen Wald und genießt dort sein Leben. Fred ist zwar keine eierlegende Wollmilchsau, aber trotzdem ein seltenes Exemplar. Er ist viel, viel älter als die meisten anderen Schweine und gehört auch noch zu einer seltenen Rasse, deren Überleben einzig durch Enthusiasten und Individualisten ermöglicht wurde.

Solche Menschen nämlich, wie meine Freundin Sabine, die eben diesen Bauernhof – Freds Heimat –  betreibt. Einmal im Jahr, bekommt  Fred Frauenbesuch und darf sich fortpflanzen. Dann rennen irgendwann, später,  eine ganze Reihe an Ferkeln glücklich, torkelnd über die Wiese. Sie sind die Garanten für Freds Überleben und aber auch das der Wollschweine im Allgemeinen, landen doch glücklicherweise nicht alle von Freds Nachfahren im Topf.

Hätte Sabine nicht den Mut und Enthusiasmus aufgebracht, gemeinsam mit ihrem Mann diesen Hof zu führen und seltene und der Umgebung angepasste alte Haustierrassen anzusiedeln, wer weiß wie es heute Fred und Konsorten gehen würde. Aller Skepsis zu Beginn, hat Sabine zwischenzeitlich eine Menge an Bewunderern und Freunde gefunden, die ihr Konzept mittragen, befürworten und vor allem, ganz wichtig: ihre Produkte kaufen. Und diese sind vielfältig: Vom Bauernbrot, Obstbrand, selbst gemachter Marmelade oder aber eben Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren wie Hinterwälder Rinder, Ziegen, Schweinen, Schafen, Hühnern und Gänsen. Der Hof verfügt also über eine hohe Diversität.

Wie und wohin schlage ich jetzt die Brücke? Über das Thema Vielfalt (heute sagt man ja „Diversität“) und welch wichtige Rolle diese auch in Unternehmen spielt, habe ich schon ein kleines bißchen was geschrieben (siehe mein erster Blogeintrag). Also widme ich mich heute dem Generalisten, bzw. der „eierlegende Wollmilchsau“ wie ich mich selbst manchmal bezeichne. So wie es Fred eigentlich auch eine ist. Er ist zwar kein Garant für einen hohen Fleischertrag (zuviel Speck), hält dafür aber auch den Winter im Schwäbischen gelassen im Freien aus, ohne einen Schnupfen zu bekommen. Er hat ja ein dickes Fell. Und hier sind er und ich uns jetzt sogar ein kleines bißchen ähnlich ;-).

In all den Jahren meiner Arbeit für und rund um digitale Konzeption, Online-Marketing, Projektleitung, habe ich eine solche Menge an Wissen und Erfahrung gesammelt. Es fällt mir schwer zu sagen, wo meine Schwerpunkte liegen und welcher Bereiche mir dabei am meisten Spaß gemacht haben – und auch noch immer Spaß  machen. Diese ganzen „Mikro-Spezialisten“ die sich derzeit am Markt tummeln, sind mir teilweise suspekt. Sehe ich doch oft, wie ihnen der Blick auf das große Ganze versagt bleibt und sie aus diesem Grund auch oft nicht verstehen (können). Auf der anderen Seite fällt es mir um einiges leichter als ihnen, mich schnell und sicher in jeglichen Bereich, der mit digitaler Markenführung und Konzeption oder sonst irgendetwas zu tun hat, einzuarbeiten. Auch habe ich niemals vor der Technik die Augen verschlossen, sondern immer nochmal nachgeschaut, wie es zusammenhängt und was ich (als Nicht-Programmierer) daran verstehen kann. Egal wie komplex es war. Ich kenne so viele die hier die Augen einfach schließen und sagen „das interessiert mich nicht“. Ihnen bleibt dann aber auch der Blick verwehrt, welche Möglichkeiten bzw. Lösungsansätze es gibt.

Meine Prognose ist übrigens: Diese „Mikrospezialisten“ verschwinden genauso schnell, wie sie gekommen sind. Vor allem dann, wenn sie in ihrem Fach nicht zu den Besten gehören, sonder lediglich das von den „echten“ Spezialisten vorgekaute Wissen wiedergeben  – was ich im übrigen nach einer kurzen Einarbeitungszeit genauso gut kann wie sie. Ich als  „eierlegende Wollmilchsau“ kann mich hier entspannt zurücklehnen. Wenn das Wissen von den „Mikros“ nicht mehr benötigt wird, da sich das Internet mal wieder von oben nach unten oder von links nach rechts gedreht hat, befinde mich immer noch in meiner Welt und kann mit allen Themen die am Ende des Tages auftauchen umgehen und mich beschäftigen. Ich weiß es einzuordnen, kann es in meiner digitalen Welt positionieren und ausrichten. Die „Mikros“ mit ihrem einseitigen Wissen, sind dann aber heimat- und orientierungslos.

Also, wenn ihr für eine „eierlegende Wollmilchsau“ wie mich etwas zu tun habt: Ran an den Speck. Ich liebe es Probleme zu lösen oder in die unterschiedlichsten Themen einzutauchen. Wie schwierig sie auch sein mögen. Da halte ich es mit Fred der sich gerne und ausgiebig im Matsch suhlt und sich mit Leichtigkeit den unterschiedlichsten Lebensbedingungen anpasst. Hier ist es bei ihm wie bei mir: seinen auf „Fleisch-Ertrag“ gezüchteten und ausgerichteten Spezialisten-Kollegen bleibt dieses Glück leider versagt.

Eure Gabriele

PS: Vielleicht besuche ich morgen meine Freundin Sabine sowie Fred und all die anderen und erfreue mich an der Vielfalt die hier in dem Unternehmen „Bauernhof“ geboten wird. Die Inspiration die man hierdurch erhält, ist unbezahlbar.