Es. Du böses gutes Wesen. Hast Flügel und kannst doch manchmal nicht fliegen …

Dieses eintauchen in die alte neue bekannte unbekannte Welt, Projekte, keines dem anderen gleich, kennenlernen so vieler tollen Menschen, was ist daraus geworden?

Habt ihr es gemerkt? Meinen letzten Blogbeitrag schrieb ich im Juni 2018, was ist denn eigentlich passiert seitdem? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, es hat sich wieder eingeschlichen. Es.

Hättet ihr mich vor einem Jahr gefragt, „Wie geht es dir?“ hätte ich geantwortet, dass es mir fantastisch ginge und ich mir nichts Besseres vorstellen könne. Und jetzt hat mich das Jahr überrollt, einfach so, niedergewalzt und plattgemacht. Keine Zeit mehr für schöne Blog-Beiträge, keine Zeit mehr die Gedanken schweifen zu lassen. Keine Zeit mehr.

Wobei, Moment, warte! Zeit hatte ich mehr als genug: Ich bin 2018 über 500 km im Wald unterwegs gewesen. Eher 600, da ich nicht alles getrackt habe. So oft es ging, war ich draußen. Ich habe das Jahr mit all seinen Naturschönheiten ausgiebig genossen: die ersten Blüten im Frühjahr, die ersten heißen Tage, die ganze Opulenz, die in diesem Jahr an den Bäumen hing. Kirschen, Beeren, Holunderblüten,  dann Äpfel, Birnen, Quitten und Zwetschgen, am Schluß eine Unmenge an Walnüssen. So schön und so bereichernd für alle Sinne. Ich habe Gartenvögel beobachtet und Pflanzen beim Wachsen zugesehen. In den letzten 20 Jahren hatte ich in keinem Jahr mehr Zeit, mich mehr darin zu verlieren, wie in diesem Jahr. Und dennoch. Es. Es ist wieder da.

Nun sitz ich einigermaßen ratlos hier und frage mich, wie die Falle wieder zuschnappen konnte. Meine persönliche Falle. Der Köder dafür von mir selbst ausgelegt und vorbereitet. Dieser Moment bei dem ich nicht aufpasste und „Ja“ sagte, obwohl ich „Nein“ meinte. Wie meine Motivation verschwand und ich es nicht merkte. Und auch niemand anderes.

Wie ist das mit der intrinsischen Motivation? Wie hält man diese auf Trab? Was ist ihr Nährboden? Woran wächst sie? Woran geht sie ein? Diese Pflanze, deren Gärtner niemals alleine ist, niemals alleine entscheidet. Ein Teil von dir selbst, ein Teil von anderen … aber von wem, wann und wo?

Ist es den Zufall, dass ich ausgerechnet eine Biene als Sinnbild für das nutzte, was ich versuchte zu verstehen? Ich schrieb „ … das ist so ähnlich, wie eine Biene die nur eine Blumenart bestäubt und dann irgendwann in einem Blumenbeet unterwegs ist, in dem NUR noch die gleichen Blumen stehen …“. Sinnigerweise schrieb ich es an eine Biologin und wie soll es anders sein? Sie verstand. *

Damit ich wachsen kann, brauche ich die unterschiedlichsten Blumen. Ich nehme von Ihnen und sie geben mir etwas zurück: Verschiedene Düfte, Farben, Blütezeiten. Sie bereichern meine Sinne und ich kann mich täglich an ihrer Vielfalt erfreuen. Wichtig dabei alleine ist das geben UND das nehmen.   

Was mich umtreibt und was ich versuche zu verstehen, findet oft mit Worten den Weg, anfangs manchmal holperig, schwer verständlich, dann ist das Gedachte noch nicht vollständig ausgereift, dann braucht es einen zärtlichen Anstrich wie ihn auch ein Käselaib vom Senner erhält, damit er reift und Geschmack entwickelt. Egal ist dabei, ob es mich betrifft oder ein allgemeines Problem. Ich weiß, dass ich dabei manchmal sehr sonderbar anmute. Aber es ist mir wurscht. Zu oft hatte ich recht mit dem was ich zuerst spürte, dann dachte und schließlich sagte. Oft sah ich Dinge, die sonst niemand sah, oftmals waren sie es auch, die mich im Wald begleiteten und mir dort Gesellschaft leisteten. Und manchmal auch nachts wenn ich nicht schlafen konnte, saßen sie leise jammernd auf der Bettkante, mit großen Augen „siehst du mich jetzt endlich?“.

Und jetzt also für mich selbst. Vielleicht ist das der große Fortschritt den ich augenblicklich machte: etwas für mich selbst zu erkennen, in einer Phase in der es noch „grün“ ist und nicht „tiefrot“ wie es leider auch schon der Fall war.

Raus mit dir, tausch dich aus, suche dir diejenigen mit denen du teilen kannst, die verstehen, die gerne nehmen und geben, die dich beflügeln und inspirieren. Die auch zwischen den Zeilen lesen. Die den Mut haben mitzufliegen. Die deine Welt kennen, wenn nicht ganz, dann zumindest in Teilen.

Diejenigen, die wissen, woran ich wachsen kann und an was ich verzweifle. Woran ich scheitere. Was mir im Weg steht.

Es bleibt spannend und fühlt sich glücklicherweise alles schon wieder etwas leichter an. Schreiben ist ein besonderer Weg des loslassen, lernen und begreifen.

Wie entwickelt ihr euch weiter? Wo und wie holt ihr euch die Motivation, Inspiration? Schreibt mir doch und lasst mich teilhaben. Ich würde mich sehr freuen.

Herzliche Grüße,

Gabriele

PS: Ich holte mir übrigens unter anderem Inspiration und Unterstützung bei Sarah Schäfer von https://unvergleichlich-ich.de/ueber-mich/ und *Julia Meder, die ich hier ebenfalls gerne verlinke https://dreamfinder-coaching.de/ . Beide zusammen sind die Initiatorinnen von https://eigenstimmig.de/ und dokumentieren mit ihrer umfangreichen Podcast-Serie einfühlsam die unterschiedlichsten Lebenswege. Die beiden sind also quasi der „Guido Knopp“ in Bezug auf Biografien von Frauen. Mutmachend, authentisch und mitreißend.

 

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende. Eine Liebeserklärung.

Vor kurzem schrieb ich an eine Freundin: „… das Jahr war so phantastisch, fast so, als ob sich mein Leben für das Jahr davor entschuldigen wolle …“ Und ja. Ein phantastisches Jahr neigt sich dem Ende zu und ich freue mich, ich freue mich so riesig, auf das Jahr 2018 und auf das was kommt und wem ich alles in diesem Jahr begegnen werde. Im Folgenden Text werdet ihr oft das Wort „bewegt“ lesen. Das war 2017 für mich: ein bewegtes Jahr. Emotional ebenso wie mental. Aber lest selbst.

Ja, es ist ein Jahr voller Gefühle und voller Eindrücke. Ein Jahr das mich mutig, selbstbewußt und stärker gemacht hat. Ein Jahr, in dem ich so viel lernen und erleben durfte. Es hat mich weiter gebracht das Jahr 2017.

Denke ich zurück an die letzten 5 Jahre, umschlingt mein Jahr 2017 all die Jahre zuvor, drückt das eine mal zärtlich oder auch ein anderes mal etwas stärker und raunt ihnen zu: „DASS, mein liebes Jahr 2015, war nicht nett von dir … da musste ich jetzt ganz schön daran arbeiten, damit ich das geraderücken konnte“. Oder dem etwas freundlicheren Jahr 2016 „Im Großen und Ganzen hast du einen guten Job gemacht …“.

Ich höre euch schon da draußen: Aber das kam doch alles von dir! Du bist doch für dein Leben verantwortlich! Nun ich gebe euch recht, doch manchmal ist es schon zum Mäuse melken, wenn vermeintliche Perspektiven sich als Sackgassen herausstellen, oder wenn in anscheinender Perspektivlosigkeit sich auf einmal Welten auftun, so groß wie ein Walfisch oder der Mount Everest. So großartig, wie ein Wolke wohlriechender Wärme die dich umschmeichelt, die dich sehr, sehr glücklich macht und durch das Leben trägt.

Das klingt jetzt so, als ob alles fremdgesteuert war, als ob die Jahre mich so hin- und herschubsen könnten wie sie gerade Lust und Laune haben. Nein, so ist es nicht. Manchmal muss man abschneiden um wieder anknüpfen zu können und manchmal muss man loslassen, um wieder Hände zu greifen. Und ja, vielleicht doch, manchmal schubst einen das Leben hin und her. So ist es nunmal und du verstehst dann erst ein paar Jahre später, warum es das gemacht hat.

Ach 2017, was hast du es gut gemeint mit mir. Vorbereitet von 2016, hast du mich auf die re:publica nach BER geschickt. Das war klasse und ich konnte mit eigenen Augen sehen, wie viele tolle Menschen sich da draußen tummeln und was für Ideen sie haben. Das hatte ich die letzten Jahre schon glatt vergessen! Ich konnte sehen wie man für seine Ziele einstehen kann, aber auch wie man sich gemeinsam Ziele setzen kann und sich dabei gegenseitig stützt und trägt. Gemeinsam bewegt. Ich durfte teilnehmen und war mitten drin. Und bin es immer noch. Ich sage euch: Das Gras auf der anderen Seite der Weide ist doch grüner! Ich weiß es nun.

Dort, auf der re:publica, bin ich auch Sarah von eigenstimmig.de das erste Mal Live begegnet. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es erst im Mai dieses Jahres war. Im MAI 2017? Ehrlich jetzt? Wenn ich mal 87 bin und vielleicht nicht mehr alles so zusammen bekomme, werde ich sagen: „Die Sarah … hmmm, das muss im Mai 2004 gewesen sein. Äh Moment nein, Bub* wie alt bist du jetzt? 40? Ja, dann kann das nicht sein, da wärst du ja erst ein Jahr alt gewesen …“ Der Bub wird dann fürchterlich die Augen rollen und sagen: „Mama, ich war schon 13, dass war 2017“. Dann werde ich in meinen Ohrensessel zurücksinken (möglicherweise ein Eames Lounge Chair?) und mit verträumten Blick sagen, „Ach ja, du hast recht 2017 war es“. Ganz versonnen lächeln werde ich dabei.

Liebe Sarah, liebe Julia: ich verdanke euch so viel. Das ihr mich in eure eigenstimmig Runde aufgenommen habt, fühlt sich an wie ein Solokünstler bei einem Rock-Konzert. Das Gitarrensolo wurde soeben erfolgreich absolviert. Die letzten Schlußtöne werden gerade gespielt und in diese abklingenden Töne (die ich auf den Knien über die Bühne rutschend spiele) mischen sich bereits die Rufe der hysterisch kreischenden Menge während die geworfenen Blumen und Plüsch-Bärchen auf mich niederprasseln: „Jaaaaaaa!!! ZUUUGGAAABBBE“, „Heirate mich!“, Yeaaaahhhh!!!!“, „Ich will ein Kind von DIIIIRRR!!!“ …

Ok, da ist jetzt die Phantasie mit mir durchgegangen. Aber anfühlen, ja anfühlen tut sich das schon so in etwa .

Zum einen steht man auf dem Podest, zeigt sich. Wer man ist, was man erlebt hat und wie man denkt.  JEDER der will,  kann es hören. Das ist ja nun auch nicht jedermanns Sache und zugegebenermaßen auch nicht einfach. Ganz zaghaft streckt man erst einmal die Fühler aus dem Schneckenhaus aus. Und dann, auf einmal, rockt man die Session: Du merkst: Du hast was zu sagen und bist ein bißchen stolz und unglaublich glücklich darüber, dass es jemanden gibt den das interessiert. Zum anderen ist man aufeinmal Teil einer phantastischen Gemeinschaft und weiß es jetzt genau und mit Bestimmtheit: DU BIST NICHT ALLEIN. WIR SIND VIELE. UND WIR KÖNNEN BEWEGEN. WAS IMMER WIR WOLLEN.

Ihr beide habt so tolles geleistet. All die Interviews und all das was ihr sonst noch bewegt. Wahnsinn. Ihr gebt Frauen einen Raum in dem sie sich öffnen und zeigen können, so wie sie sind. Danke, vielen Dank dafür! Ihr seid der Hammer!

Aber neben Sarah und Julia, möchte ich auch zuätzlich all denn vielen anderen Frauen aus der eigenstimmig-Gruppe danken, aus vollem Herzen, für all die Begegnungen die mich bewegten (auf vielfältige Weise) und sehr glücklich machten.

Wir sehen uns alle hoffentlich bald wieder, spätestens aber im Herbst.

Ich möchte aber heute noch jemanden anderen mit euch teilen: Ein Kollege, der übrigblieb nach 4 Jahre Konzern. DER eine Lieblingskollege. Mit einem Herzen so groß. Wie einen kleinen Schatz trage ich die Erinnerung und die Gedanken an ihn mit mir herum.


Wir haben uns dieses Jahr zweimal getroffen. Pulled-Pork-Brötchen-essend saßen Steve und ich am Rande des Feuersees in Stuttgart. Die Sonne schien wohlwollend auf unsere Gesichter und wir bewunderten gegenseitig den Glanz, die Wärme und die Kraft, die unser neues Leben ausstrahlte.

„Halte durch! Du bist ‘ne coole Frau mit Power und Hirn“, schrieb er mir zum Abschied, als er ging und ich blieb. Wissend, dass mir keine einfache Zeit bevorstehen würde. Ohne seinen Zuspruch wäre alles so unendlich viel schwerer gewesen. Als er weg war, war ich alleine. So unendlich alleine. Deswegen nun nochmals offiziell auf diesem Weg: Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Offenheit und dein Vertrauen zu mir. Das du mit mir geweint hast und ich mit dir weinen durfte, ob der Schwere die uns das Leben manchmal auf den Weg legte, oder aber auch ob den kleinen, feinen Gemeinheiten, die wohlüberlegt für uns bereitgestellt wurden. Im Konzern. Im Leben. Sonstwo.

Aber das war ja nicht alles. Mit dir gab es keinen Altersunterschied. Du nimmst die Menschen so wie sie sind. Und so eben auch mich. Schnell spürten wir, dass wir auf der selben Frequenz senden und empfangen. Wir haben diese Frequenz ausgiebig genutzt. Ich danke dir für die vielen, vielen Lachtränen – ach Quatsch Lach-Flash-Mobs – die wir hatten. Es waren unser persönlicher Flash-Mobs und nur wir zwei wußten wo und wann sie stattfinden werden. Diese Situation, wenn alle  anderen Kollegen mit fragenden Augen dasaßen während wir uns einen Joke-Battle lieferten und gar nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Wooohooo!! Es hat so gutgetan.

Wir schehen unsch, schisser!

Es sind diese beiden Teile, die sich ineinanderfügen. Wahrscheinlich fiel meine Wahl aus diesem Grund auch auf Sarah, Julia und Steve. Die zwei Teile, bei denen sich die alte Welt mit der neuen Welt überkreuzt. Sie sind eng verwoben, da ein Teil ohne den andere nicht existieren würde. Es gibt Verbindungen an Menschen, die dich durch dein Leben begleiten.

Und dann, genau in diesem Moment wenn du darüber nachdenkst, umfasst die Sonne dein Herz und du denkst daran, wie anders alles enden können hätte. Dann würde ich vielleicht heute noch in irgendeinem kleinen hellhörigen Kabuff sitzen, irgendeine mir zugedachte Aufgabe erledigen und am Abend unbefriedigt nach Hause gehen. Statt der Sonne, würde eine kalte Hand mein Herz umgreifen. Und ich weiß, dass es mich zerstört hätte. Früher oder später.

Jetzt darf ich mein Potential bei denen ausschütten, die es schätzen und die es zu nutzen wissen. 

Ich danke euch allen, die ihr mir offen begegnet, ohne Vorbehalte. Lasst uns weiter gemeinsam Wege beschreiten. Mit Herz, Seele und Hirn. 2018 soll mein Jahr des Lernens und des Begegnens werden.  Aber selbst wenn wir uns nicht offline treffen: Ihr seid täglich in meinen Gedanken und begleitet mich. Bin ich mal mutlos, dann picke ich mir ein paar Gesichter heraus, durchstöbere ein bißchen eure Posts auf Facebook, Instagram und Co und schon geht es wieder.

Bitte packt eure Taschentücher jetzt weg und zückt eure Kalender. Wir sehen uns!Alles Liebe, habt eine schöne Weihnachtszeit und kommt gut ins neue Jahr!

Gabriele

*ich sage niemals BUB zu meinem Sohn. Es ist eine literarische Abwandlung meiner Sprache, um ein Bild an die Wand zu werfen von mir als 85jährige.

Linkliste

So und hier geht es nochmal zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah.

http://eigenstimmig.de

Das Spiegelbild

Last Night I dreamed I went to Gimmeldingen again – the almond-trees bloomed and in the distance I recognized the winding streets with the beautiful houses.”

Was für ein poetischer Einstieg, gell meine Lieben? Als ich gestern die Straße aus Gimmeldingen herausfuhr, sprang dieser Satz (in Anlehnung an Schloß Manderly) in meinem Kopf und ließ mich nicht mehr los. War doch schon beim Abschied ein kleines Kernchen gesät: Der Wunsch die Straße in die andere Richtung zu fahren und wieder anzukommen.

Was nehme ich mit? Ich habe zwei wunderbare Tage mit wunderbaren Frauen verbracht. Nun sitze ich zuhause, bekomme mich gerade nicht wieder auf die Bahn und habe deswegen beschlossen nun einfach mal mit Schreiben anzufangen. Anlass für diesen Blog-Eintrag ist das Sommerfest und der Workshop-Tag der EIGENSTIMMIG Gründerinnen Julia und Sarah. Die beiden haben es geschafft, Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Lebensphasen zusammenzubringen. Auf eine fast schon bezaubernde, magische Art. Sehr toll beschrieben von Petra die unter „allerlei-themen“ blogt. Das kann man nicht besser beschreiben. Um zu verstehen was ich meine, schicke ich euch frohen Herzens zu Petra. Den Link zu ihrem Blog findet ihr am Ende des Textes.

Beim Frühstück entstanden, kurz mit Carina (auch sie blogt, auch auf ihre Seite verlinke ich am Ende) angerissen und jetzt nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen: die Arbeitslebensphasen in denen wir so stecken, bzw. die ich nun rückblickend auf meine 30 Jahre Berufsleben identifizieren kann. Wer war ich und wo stehe ich jetzt? Vielleicht sind es auch nur meine Phasen?

Vor kurzem traf ich die Lehrerin, die mich und meine Freundinnen während der Pupertät begleitete. Sie beschrieb mir, wie oft sie sich für uns einsetzte und Strafen abwendete, da unser Schulrektor mit uns nicht umgehen konnte. „Ihr hattet so oft recht mit dem was ihr eingefordert habt und es tat mir so leid mit anzusehen, dass ihr so leiden und gegen eine starre Haltung aus den 50er Jahren ankämpfen musstet.“. Wir waren Revoluzzer und wir haben uns gewehrt. Voller Trotz und Wut über die vielen Ungerechtigkeiten. Der Schulleiter verpasste uns das Label „Mädchen-Mafia“ und so kann ich voller Stolz von mir behaupten, Teil einer der ersten Mädchen-Gangs einer Kleinstadt gewesen zu sein.

Warum ist das wichtig? Wir waren 14/15/16 und haben aus voller Überzeugung gehandelt. Gegen schlechte Lehrer, ungerechte Noten und und und. Es ist mir aber wichtig, da auch heute noch dieser Trotz und diese Wut bei Ungerechtigkeit – ob sie nun mir oder jemanden anderem widerfährt – in mir ist und ich auch leider feststellen muss, dass sich in vielen Bereichen nichts geändert hat. Wir alle, haben diesen Trotz und das wir uns wehren müssen mit in den Berufsstart genommen. Es ist für mich die Phase „Fordernder Idealist“. Man möchte: Mitgestalten. Keine Ungerechtigkeiten (mehr) erdulden müssen. Die Umgebung verändern. Man holt sich: Blutige Nasen. Schlechte Arbeitszeugnisse. Genervte Kollegen. Man kämpft und hinterfragt. Zu Beginn viel und dann immer weniger.

Und irgendwann, still, leise und heimlich, schleicht er sich daher … der „akzeptierende Konformist“. Man beginnt sich einzurichten. Passt sich seiner Umgebung an. Fast wie ein Chamäleon. Versucht nicht aufzufallen. Ich erinnere mich noch als ich mich einst in einem Schaufenster spiegelte: Ich sah eine Frau, dunkles Kostüm, Pagenkopf, schwarze Lacktasche. Eine gut verdienende Bankerin auf dem Weg nach Hause. Oder zum angesagten Schickimicki- Italiener um die Ecke. Langweilig, auch ein bißchen traurig schaute mein Spiegelbild mich an. Es kam gerade vom Friseur, wo es für die leicht nach innen gedrehten glatten Haare und Spitzen schneiden 80 DM liegen lassen hatte. Das Spiegelbild rief mir zu: „BITTE HOL MICH HIER RAUS!“. Am nächsten Tag ließ ich mir die Haare kurz schneiden, kündigte den sicheren Job, sehr zum Entsetzen vieler (denn einen sicheren Job verlässt man nicht … niemals und Daimler schon zweimal nicht). Es war mir wurscht. Ich wollte mich wieder spüren.

Meine neue Umgebung gab mir wieder Luft zum Atmen. Sie stellte mir tolle, inspirierende Menschen an die Seite. Wir rockten die Projekte. Spannende Projekte. Das Internet war jung und noch unverdorben. Ich durfte vieles mitgestalten, habe Prozesse mit angestoßen, jüngere Kollegen geführt und gecoacht. Doch war er immer da, der Wunsch nach noch mehr. Wenn es spannende Positionen gab, schrie ich „Ich, ich, ich …“ (fingerschnipsend laut rufend auf mich aufmerksam machend – NICHT).  Und wurde nicht gesehen. Niemals. Oftmals gingen die Positionen an externe oder jüngere Kollegen(innen). Die manchmal auch sehr schnell daran scheiterten. Ein beleidigtes „das habe ich ja kommen sehen“ hat mir leider auch nicht geholfen. Ich konnte viel, keiner sah es. Und dann ist er auf einmal da: Der „frustrierte Generalist“. Wann immer jemand kommt und Wissen abruft, hüpft der „frustrierte Generalist“ wie ein kleiner Hund schwanzwedelnd um den Abfragenden herum und versucht an die Wurst zu kommen. Kurze Zeit später sieht man ihn dann aber leider wieder in seinem Körbchen liegen. Traurig darüber, dass der Leckerbissen an einen anderen ging. Und mit der Frustration verliert man alles: die Freude daran mitzugestalten, Ideen einzubringen, die Projekte zu rocken. Man will nicht mehr. Die Freudlosigkeit schleicht sich in all die Schubladen die dich als Persönlichkeit früher ausgemacht haben. So ähnlich wie Schimmel sich ins Brot frißt. Sie zerstört und mampft still und leise immer weiter und weiter und weiter. Viel bleibt am Ende nicht übrig.

Raus nur raus. Und nie wieder in eine dieser früheren Phasen stecken. Seit einem halben Jahr bin ich nun selbständig und bin es gerne. Das was am Ende übrig blieb ist zum Glück wie ein Hermanns-Teig aufgegangen und kann nun wieder geteilt werden. Und ich teile gerne. Mit jedem der es möchte. Immer. Willkommen in der Phase des „wiedererweckten Idealisten“. Es ist so als ob der Kreislauf sich schließt. Ich darf jetzt auch wieder trotzig sein. Ich muss nicht, wenn ich nicht mag. Kleine Kompromisse die man vielleicht ab und zu eingehen muss, bezahlt man sich mit anderen schönen Dingen zurück, wie bspw. einen Vormittag an einem solchen Text zu sitzen. Das ist phantastisch bombastisch und erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit.

So schnell können Dinge reifen und wachsen, wenn der Nährboden da ist und du die Lust und die Freiheit hast dich auf Dinge einzulassen. Ich fühle mich durch das Workshop-und Sommerfest Wochenende von eigenstimmig.de so reich beschenkt. Ich werde noch sehr lange davon haben.

Und ich freue mich darauf es zu teilen. Wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt. Erkennt ihr euch in einer Phase wieder? Teilt ihr eure Gedanken dazu mit mir?

 Es grüßt euch in tiefer Verbundenheit

 Gabriele

Linkliste

Hier geht es zur Website von eigenstimmig.de // hört euch bitte die Podcasts an!

http://eigenstimmig.de/

Und hier geht es zum Blog von Petra

http://www.allerlei-themen.de/eigenstimmig-workshopsommerfest-2017/

Und hier noch zum Blog von Carina

https://carinaschimmel.de/

Und hier geht es zum Blog von  der Freiraumfrau, die auch über Eigenstimmig-Sommerfest geschrieben hat

http://www.freiraumfrau.de/2017/07/das-wunderbare-eigenstimmig-netzwerkfest/

Und noch ein weiterer toller Text zum Eigenstimmig-Sommerfest von Julia Schönborn von karmajob

http://karmajob.de/2017/07/21/podcast-eigenstimmig-oder-ichbinnichtallein/

Ausflug zu den Mompreneurs

Gestern habe ich einen Impulsvortrag bei den MomPreneurs in Stuttgart gehalten. Es war mein zweiter Termin mit dieser Gruppe und es war einfach wieder ein tolles Erlebnis und eine tolle Erfahrung.

Es tut mir gut zu sehen, dass es so viele motivierte Frauen gibt, die sich zwischenzeitlich glücklicherweise in Netzwerken organisieren.  Ein wichtiger Beitrag um sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen und zu motivieren. Auch  2017 ist es für Frauen immer noch nicht einfacher gewordenen Selbständigkeit, oder Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Es tut mir gut, dass auch die jungen Frauen in diesem Netzwerken mir so offen und freundlich begegnen.  Freundlichkeit, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung sind hier zuhause.

 Es tut auch gut über die eine oder andere Verletzung zu sprechen, die man sich beim Versuch den Spagat „Vereinbarkeit Familie & Beruf“ auch wirklich perfekt hinzubekommen, zugezogen hat. Dieses Reißen und Stechen, dass in einem ist, wenn man mal wieder an dem Punkt angelangt ist, weder dem Kind noch dem Beruf gerecht zu werden. Endlich mal ein bisschen getröstet werden und zu wissen, dass man damit nicht alleine ist.

Hier kann man sich austesten und ausprobieren, muss nicht irgendwelchen aufgesetzten Standards entsprechen und bekommt ein konstruktives Feedback, dass einzig und alleine den Auftrag hat dich weiter zu bringen.

Auch gestern waren wir wieder eine bunte Mischung zwischen 45+ und aber wirklich jungen Frauen zwischen 20-30, manche mit ihren Kindern. Also alles da zwischen 10 Monate und 50+ Jahre. Ich habe mich natürlich besonders gefreut nicht alleine als 50+jährige dazustehen, sondern auch noch andere Lebensläufe kennenzulernen, die mir einfach auch nochmal wiedergespiegelt haben, dass meine Erfahrungen die ich bei Bewerbungen gemacht habe, auch die ihren waren (siehe letzter Blogeintrag). Die Freude mischt sich allerdings mit ein bisschen Wut und Trauer darüber, dass es überhaupt so ist.

Als ich gestern darüber sprach wie sich Berufstätigkeit auch 2017 noch gestaltet, sah ich viele nickende Köpfe.  Auch heute noch gilt für Frauen die folgende Regel: Von 25-40 bis du diejenige die potentiell schwanger werden könnte, Förderungen und Teamleiterstellen gehen leider an deine männlichen Kollegen. Dann „upppssss-sorry-nicht-aufgepasst“ passiert es und du wirst schwanger, alle wußten das schon Jahre vor dir. Jetzt bist du also tatsächlich Mutter und dadurch leider, leider nicht mehr so flexibel einsetzbar und der Teamleiter-Posten geht deswegen an … frag nicht. Du bist 50, deine Kinder sind aus dem gröbsten raus – raus bist jetzt leider auch du. Ach, hier könnte man Romane schreiben. 3 Kapitel, jedes Kapitel 500 Seiten lang.

Für mich hat sich gestern auch nochmals bestätigt, dass auch die anderen „reiferen“ sich immer Vorbilder oder Frauen mit Erfahrung gewünscht haben, die ihnen vielleicht auch mal ein Stück auf ihrem Weg geholfen hätten oder zumindest als Vorbild geeignet gewesen wären. Mentoring ist hier eines der entscheidenden und wichtigen Werkzeuge. Uns 40-50-something  eint alle, dass wir in einer Zeit aufgewachsen sind, in der die Mutter zuhause war oder eben im Betrieb mitgearbeitet hat, dann meist in der Buchhaltung. Uns eint aber oft ebenso, dass wir alle einen langen und schwierigen Weg hinter uns haben.

Uns eint aber auch, dass wir niemals aufgegeben haben und immer noch mit so viel Esprit, Elan, Freude und Optimismus in die Zukunft blicken und die Dinge anpacken. 

Kommt bitte gerne auf mich zu, wenn ihr das Bedürfnis habt über etwas zu sprechen. Oft bekommt man ja schon beim Erzählen die Lösung präsentiert. Ich habe für euch alle immer ein offenes Ohr und freue mich über jeden Kontakt. Gerne bei einem Tässchen Kaffee.

Eure Gabriele

PS: Wenn ihr selbst Teil von diesem Netzwerk werden möchtet, findet ihr alle Informationen hier: https://mompreneurs.de/

PSPS: Anbei die Präsentation von gestern