Eine Entführung: in die Wärme und Hitze vergangener Sommertage

Ich möchte euch entführen. Kurz zurückblicken in ein sorgloses, sonnendurchflutetes Leben voller Leichtigkeit. Damals, bevor COVID-19 in unser aller Leben trat. Ein Rückblick, einen Blick werfen auf ein Ereignis, ein einmaliges Ereignis, es fand im Sommer 2018 statt und wenn ich daran denke, spüre ich die salzige Meeresbrise, die vom Mittelmeer herüberweht und höre die Geräusche einer Stadt mit Hafen, spüre die Wärme auf der Haut und die Erinnerung macht mich glücklich und ich kann nicht genug bekommen davon.

Meine kleine Geschichte handelt von meiner Liebe zur Musik, oder eigentlich muss ich sagen unserer Liebe zur Musik, denn wir sind zu zweit zu dritt und teilen es, diese Verbundenheit, die sich auftut, wenn du einen guten Sound hörst, wenn um dich herum alles verschwindet.

Wir waren im Urlaub, in der Nähe unseres kleinen Ferienhäuschens war eine Stadt, und in der Stadt gab es ein Amphitheater. Ich hatte noch nie ein Amphitheater gesehen und so beschlossen wir den Besuch auf dem Fischmarkt samstagsmorgens mit einem Besuch dort zu verbinden.

Früh war es, als wir uns ins Auto setzten und die 15 Kilometer zur nahegelegenen Stadt fuhren. Ich wollte es leer sehen, ohne ganze Trauben an Touristen, die einem die Vorstellung der Antike rauben, wenn sie in ihren Badesandalen Eis essend und Cola trinkend über einen Boden latschen, der Stille braucht, um ihn zu hören und zu fühlen. Und außerdem Instagram. Ihr wisst schon. Dem Fischmarkt war das schuppenegal, der hatte schon längst die Tore geöffnet, als wir gegen 7:30 Uhr ins Zentrum der Stadt fuhren. Die Stadt war klein. Ich dachte wir finden es schon, das Amphitheater, und hatte den Stadtplan unseres Reiseführers auf den bereits braungebrannten nackten Knien liegen.

Wir parkten und ich wollte mich gerade orientieren, blickte nach vorne, nach oben. Zufällig hatten wir direkt davor geparkt, der Schatten des riesigen Gebäudes fiel auf unser Auto, die Sonne schien durch die Rundbögen, es war ein phantastischer Augenblick.

Das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, fast alleine bewegten wir uns durch das imposante Bauwerk. Die Sonne fing bereits an die Steine zu wärmen, die ersten Eidechsen linsten zwischen den Steinen hervor, bereit sich auf selbigen demnächst auszubreiten. Der Sand knirschte bei jedem Schritt, den wir uns in der Halbruine bewegten.

Ein kleiner Wermutstropfen, unser Blick wurde durch eine große Bühne die in der Mitte der Arena stand gestört. 2-3 Männer waren dort bereits am Arbeiten. Sie bauten gerade 4 Pulte auf, die nebeneinander auf der Bühne standen. Ich frozelte ein bißchen rum, wahrscheinlich spielt hier Kraftwerk. Hahaha. Du kennst doch Kraftwerk? Oder? Ich brauche doch jetzt nichts zu erklären … sie ist ein Model und sie sieht gut aus … der Sound meiner Jugend in den 80ern. Im selben Moment wurde ein großes Piano mit einem Kran auf die Bühne gehievt und drückte den Pause-Knopf meiner Kraftwerk-im-Kopf-Melodie. Zwischenzeitlich war es richtig schön warm geworden, die Touristen strömten bereits in das Amphitheater, und wir beschlossen auf den Fischmarkt zu wechseln.

Der Fischmarkt befand sich in einer alten Markthalle, so wie du es dir vorstellst, wobei – stell sie dir jetzt nicht ganz so schön und alt vor, irgendwann in den Jahrzehnten dazwischen, hatte sich ein an Zweckmäßigkeit orientierter Architekt dem ganzen angenommen. Die Fischhändler riefen sich spaßige Worte zu und die ersten einheimischen Käufer feilschten um die besten Fische, während die Touristen stumm den vereinbarten Preis bezahlten. Wir entschieden uns für 3 fangfrische Doraden, kauften noch etwas Gemüse und verließen die Markthalle.

Auf dem Boulevard war bereits einiges los, wir setzen uns mit diesen süßen Teilchen mit Aprikosenmarmelade, eine Spezialität der Region, auf eine Bank und freuten uns über die Lebendigkeit des Städtchens und der Flaniermeile. Große Platanen spendeten uns Schatten.

Mein Blick fiel auf ein Plakat, eigentlich erst einmal, da ich es typografisch sehr gelungen fand und las darauf „Opening Dimensions  Lineup: Kraftwerk, Nils Frahm, Nubia Garcia and Moodyman“. Und nun stellt euch vor, genau an diesem Tag, an diesem Abend, sollte es stattfinden. Das Opening. Fast direkt neben uns gab es einen Verkaufsstand und wir kauften 3 Karten für den Abend. Das war, ich kann es gar nicht mit Worten beschreiben, so überraschend, so du-rechnest-nicht-mit-was-und-bekommst-es. Ein Geschenk. Das erste Konzert zu Dritt, die Sonne, die Stadt, alles.   

Die Verbindung meins jungen Lebens mit meinem reifen Leben. Kraftwerk und Nils Frahm. Was soll ich sagen: Es war phantastisch. Als wir am Abend erneut im Amphitheater ankamen, jetzt voll mit Menschen, im Hintergrund legte bereits ein DJ Musik auf, alle bewegten sich leicht, zu den elektronischen Klängen, durch die Bögen des Amphitheaters, leuchteten die bunt angestrahlten Kräne des Hafens. Die Steine gaben die Hitze des Tages ab, wir trugen leicht Sommerkleidung, waren sicher, auch spät nachts nicht zu frieren. Es war eines der besten Konzerte auf denen ich bisher in meinem Leben war. Eines der leichtesten, sonnigsten.

Nils Frahm, die Bühne voller Pianos, Klaviere, elektronischer Klanggeräte, ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich die ersten Klänge höre. Das beste Video dazu habe ich auf Facebook gefunden, aber das Video kannst du auch anschauen ohne Anmeldung. Ich hänge es unten an.

Alles war klasse. Jeder einzelne Künstler war klasse. Kraftwerk, die mich in den 80ern schon begleiteten und faszinierten. Ikonen der elektronischen Musik! Nubia Garcia, eine grandiose Jazz-Tenor-Saxophonistin und eben Nils Frahm.

Ach, ich wollte euch nur kurz entführen. Einen kleinen Ausflug in die Wärme heißer Sonnentage, in die Klänge eurer Lieblingsmusik. Erinnerungen, die uns Kraft geben.

Es wird wieder etwas kommen, dass uns Freude bereitet, von dem wir noch nicht wissen, dass es in noch weiter entfernter Zukunft uns erneut in Erinnerungen schwelgen lässt. Ich bin da zuversichtlich.

https://de-de.facebook.com/DimensionsFestival/videos/1113116008825838/

Nils Frahm und Nubia Garcia auf Spotify

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