Es. Du böses gutes Wesen. Hast Flügel und kannst doch manchmal nicht fliegen …

Dieses eintauchen in die alte neue bekannte unbekannte Welt, Projekte, keines dem anderen gleich, kennenlernen so vieler tollen Menschen, was ist daraus geworden?

Habt ihr es gemerkt? Meinen letzten Blogbeitrag schrieb ich im Juni 2018, was ist denn eigentlich passiert seitdem? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, es hat sich wieder eingeschlichen. Es.

Hättet ihr mich vor einem Jahr gefragt, „Wie geht es dir?“ hätte ich geantwortet, dass es mir fantastisch ginge und ich mir nichts Besseres vorstellen könne. Und jetzt hat mich das Jahr überrollt, einfach so, niedergewalzt und plattgemacht. Keine Zeit mehr für schöne Blog-Beiträge, keine Zeit mehr die Gedanken schweifen zu lassen. Keine Zeit mehr.

Wobei, Moment, warte! Zeit hatte ich mehr als genug: Ich bin 2018 über 500 km im Wald unterwegs gewesen. Eher 600, da ich nicht alles getrackt habe. So oft es ging, war ich draußen. Ich habe das Jahr mit all seinen Naturschönheiten ausgiebig genossen: die ersten Blüten im Frühjahr, die ersten heißen Tage, die ganze Opulenz, die in diesem Jahr an den Bäumen hing. Kirschen, Beeren, Holunderblüten,  dann Äpfel, Birnen, Quitten und Zwetschgen, am Schluß eine Unmenge an Walnüssen. So schön und so bereichernd für alle Sinne. Ich habe Gartenvögel beobachtet und Pflanzen beim Wachsen zugesehen. In den letzten 20 Jahren hatte ich in keinem Jahr mehr Zeit, mich mehr darin zu verlieren, wie in diesem Jahr. Und dennoch. Es. Es ist wieder da.

Nun sitz ich einigermaßen ratlos hier und frage mich, wie die Falle wieder zuschnappen konnte. Meine persönliche Falle. Der Köder dafür von mir selbst ausgelegt und vorbereitet. Dieser Moment bei dem ich nicht aufpasste und „Ja“ sagte, obwohl ich „Nein“ meinte. Wie meine Motivation verschwand und ich es nicht merkte. Und auch niemand anderes.

Wie ist das mit der intrinsischen Motivation? Wie hält man diese auf Trab? Was ist ihr Nährboden? Woran wächst sie? Woran geht sie ein? Diese Pflanze, deren Gärtner niemals alleine ist, niemals alleine entscheidet. Ein Teil von dir selbst, ein Teil von anderen … aber von wem, wann und wo?

Ist es den Zufall, dass ich ausgerechnet eine Biene als Sinnbild für das nutzte, was ich versuchte zu verstehen? Ich schrieb „ … das ist so ähnlich, wie eine Biene die nur eine Blumenart bestäubt und dann irgendwann in einem Blumenbeet unterwegs ist, in dem NUR noch die gleichen Blumen stehen …“. Sinnigerweise schrieb ich es an eine Biologin und wie soll es anders sein? Sie verstand. *

Damit ich wachsen kann, brauche ich die unterschiedlichsten Blumen. Ich nehme von Ihnen und sie geben mir etwas zurück: Verschiedene Düfte, Farben, Blütezeiten. Sie bereichern meine Sinne und ich kann mich täglich an ihrer Vielfalt erfreuen. Wichtig dabei alleine ist das geben UND das nehmen.   

Was mich umtreibt und was ich versuche zu verstehen, findet oft mit Worten den Weg, anfangs manchmal holperig, schwer verständlich, dann ist das Gedachte noch nicht vollständig ausgereift, dann braucht es einen zärtlichen Anstrich wie ihn auch ein Käselaib vom Senner erhält, damit er reift und Geschmack entwickelt. Egal ist dabei, ob es mich betrifft oder ein allgemeines Problem. Ich weiß, dass ich dabei manchmal sehr sonderbar anmute. Aber es ist mir wurscht. Zu oft hatte ich recht mit dem was ich zuerst spürte, dann dachte und schließlich sagte. Oft sah ich Dinge, die sonst niemand sah, oftmals waren sie es auch, die mich im Wald begleiteten und mir dort Gesellschaft leisteten. Und manchmal auch nachts wenn ich nicht schlafen konnte, saßen sie leise jammernd auf der Bettkante, mit großen Augen „siehst du mich jetzt endlich?“.

Und jetzt also für mich selbst. Vielleicht ist das der große Fortschritt den ich augenblicklich machte: etwas für mich selbst zu erkennen, in einer Phase in der es noch „grün“ ist und nicht „tiefrot“ wie es leider auch schon der Fall war.

Raus mit dir, tausch dich aus, suche dir diejenigen mit denen du teilen kannst, die verstehen, die gerne nehmen und geben, die dich beflügeln und inspirieren. Die auch zwischen den Zeilen lesen. Die den Mut haben mitzufliegen. Die deine Welt kennen, wenn nicht ganz, dann zumindest in Teilen.

Diejenigen, die wissen, woran ich wachsen kann und an was ich verzweifle. Woran ich scheitere. Was mir im Weg steht.

Es bleibt spannend und fühlt sich glücklicherweise alles schon wieder etwas leichter an. Schreiben ist ein besonderer Weg des loslassen, lernen und begreifen.

Wie entwickelt ihr euch weiter? Wo und wie holt ihr euch die Motivation, Inspiration? Schreibt mir doch und lasst mich teilhaben. Ich würde mich sehr freuen.

Herzliche Grüße,

Gabriele

PS: Ich holte mir übrigens unter anderem Inspiration und Unterstützung bei Sarah Schäfer von https://unvergleichlich-ich.de/ueber-mich/ und *Julia Meder, die ich hier ebenfalls gerne verlinke https://dreamfinder-coaching.de/ . Beide zusammen sind die Initiatorinnen von https://eigenstimmig.de/ und dokumentieren mit ihrer umfangreichen Podcast-Serie einfühlsam die unterschiedlichsten Lebenswege. Die beiden sind also quasi der „Guido Knopp“ in Bezug auf Biografien von Frauen. Mutmachend, authentisch und mitreißend.

 

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende. Eine Liebeserklärung.

Vor kurzem schrieb ich an eine Freundin: „… das Jahr war so phantastisch, fast so, als ob sich mein Leben für das Jahr davor entschuldigen wolle …“ Und ja. Ein phantastisches Jahr neigt sich dem Ende zu und ich freue mich, ich freue mich so riesig, auf das Jahr 2018 und auf das was kommt und wem ich alles in diesem Jahr begegnen werde. Im Folgenden Text werdet ihr oft das Wort „bewegt“ lesen. Das war 2017 für mich: ein bewegtes Jahr. Emotional ebenso wie mental. Aber lest selbst.

Ja, es ist ein Jahr voller Gefühle und voller Eindrücke. Ein Jahr das mich mutig, selbstbewußt und stärker gemacht hat. Ein Jahr, in dem ich so viel lernen und erleben durfte. Es hat mich weiter gebracht das Jahr 2017.

Denke ich zurück an die letzten 5 Jahre, umschlingt mein Jahr 2017 all die Jahre zuvor, drückt das eine mal zärtlich oder auch ein anderes mal etwas stärker und raunt ihnen zu: „DASS, mein liebes Jahr 2015, war nicht nett von dir … da musste ich jetzt ganz schön daran arbeiten, damit ich das geraderücken konnte“. Oder dem etwas freundlicheren Jahr 2016 „Im Großen und Ganzen hast du einen guten Job gemacht …“.

Ich höre euch schon da draußen: Aber das kam doch alles von dir! Du bist doch für dein Leben verantwortlich! Nun ich gebe euch recht, doch manchmal ist es schon zum Mäuse melken, wenn vermeintliche Perspektiven sich als Sackgassen herausstellen, oder wenn in anscheinender Perspektivlosigkeit sich auf einmal Welten auftun, so groß wie ein Walfisch oder der Mount Everest. So großartig, wie ein Wolke wohlriechender Wärme die dich umschmeichelt, die dich sehr, sehr glücklich macht und durch das Leben trägt.

Das klingt jetzt so, als ob alles fremdgesteuert war, als ob die Jahre mich so hin- und herschubsen könnten wie sie gerade Lust und Laune haben. Nein, so ist es nicht. Manchmal muss man abschneiden um wieder anknüpfen zu können und manchmal muss man loslassen, um wieder Hände zu greifen. Und ja, vielleicht doch, manchmal schubst einen das Leben hin und her. So ist es nunmal und du verstehst dann erst ein paar Jahre später, warum es das gemacht hat.

Ach 2017, was hast du es gut gemeint mit mir. Vorbereitet von 2016, hast du mich auf die re:publica nach BER geschickt. Das war klasse und ich konnte mit eigenen Augen sehen, wie viele tolle Menschen sich da draußen tummeln und was für Ideen sie haben. Das hatte ich die letzten Jahre schon glatt vergessen! Ich konnte sehen wie man für seine Ziele einstehen kann, aber auch wie man sich gemeinsam Ziele setzen kann und sich dabei gegenseitig stützt und trägt. Gemeinsam bewegt. Ich durfte teilnehmen und war mitten drin. Und bin es immer noch. Ich sage euch: Das Gras auf der anderen Seite der Weide ist doch grüner! Ich weiß es nun.

Dort, auf der re:publica, bin ich auch Sarah von eigenstimmig.de das erste Mal Live begegnet. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es erst im Mai dieses Jahres war. Im MAI 2017? Ehrlich jetzt? Wenn ich mal 87 bin und vielleicht nicht mehr alles so zusammen bekomme, werde ich sagen: „Die Sarah … hmmm, das muss im Mai 2004 gewesen sein. Äh Moment nein, Bub* wie alt bist du jetzt? 40? Ja, dann kann das nicht sein, da wärst du ja erst ein Jahr alt gewesen …“ Der Bub wird dann fürchterlich die Augen rollen und sagen: „Mama, ich war schon 13, dass war 2017“. Dann werde ich in meinen Ohrensessel zurücksinken (möglicherweise ein Eames Lounge Chair?) und mit verträumten Blick sagen, „Ach ja, du hast recht 2017 war es“. Ganz versonnen lächeln werde ich dabei.

Liebe Sarah, liebe Julia: ich verdanke euch so viel. Das ihr mich in eure eigenstimmig Runde aufgenommen habt, fühlt sich an wie ein Solokünstler bei einem Rock-Konzert. Das Gitarrensolo wurde soeben erfolgreich absolviert. Die letzten Schlußtöne werden gerade gespielt und in diese abklingenden Töne (die ich auf den Knien über die Bühne rutschend spiele) mischen sich bereits die Rufe der hysterisch kreischenden Menge während die geworfenen Blumen und Plüsch-Bärchen auf mich niederprasseln: „Jaaaaaaa!!! ZUUUGGAAABBBE“, „Heirate mich!“, Yeaaaahhhh!!!!“, „Ich will ein Kind von DIIIIRRR!!!“ …

Ok, da ist jetzt die Phantasie mit mir durchgegangen. Aber anfühlen, ja anfühlen tut sich das schon so in etwa .

Zum einen steht man auf dem Podest, zeigt sich. Wer man ist, was man erlebt hat und wie man denkt.  JEDER der will,  kann es hören. Das ist ja nun auch nicht jedermanns Sache und zugegebenermaßen auch nicht einfach. Ganz zaghaft streckt man erst einmal die Fühler aus dem Schneckenhaus aus. Und dann, auf einmal, rockt man die Session: Du merkst: Du hast was zu sagen und bist ein bißchen stolz und unglaublich glücklich darüber, dass es jemanden gibt den das interessiert. Zum anderen ist man aufeinmal Teil einer phantastischen Gemeinschaft und weiß es jetzt genau und mit Bestimmtheit: DU BIST NICHT ALLEIN. WIR SIND VIELE. UND WIR KÖNNEN BEWEGEN. WAS IMMER WIR WOLLEN.

Ihr beide habt so tolles geleistet. All die Interviews und all das was ihr sonst noch bewegt. Wahnsinn. Ihr gebt Frauen einen Raum in dem sie sich öffnen und zeigen können, so wie sie sind. Danke, vielen Dank dafür! Ihr seid der Hammer!

Aber neben Sarah und Julia, möchte ich auch zuätzlich all denn vielen anderen Frauen aus der eigenstimmig-Gruppe danken, aus vollem Herzen, für all die Begegnungen die mich bewegten (auf vielfältige Weise) und sehr glücklich machten.

Wir sehen uns alle hoffentlich bald wieder, spätestens aber im Herbst.

Ich möchte aber heute noch jemanden anderen mit euch teilen: Ein Kollege, der übrigblieb nach 4 Jahre Konzern. DER eine Lieblingskollege. Mit einem Herzen so groß. Wie einen kleinen Schatz trage ich die Erinnerung und die Gedanken an ihn mit mir herum.


Wir haben uns dieses Jahr zweimal getroffen. Pulled-Pork-Brötchen-essend saßen Steve und ich am Rande des Feuersees in Stuttgart. Die Sonne schien wohlwollend auf unsere Gesichter und wir bewunderten gegenseitig den Glanz, die Wärme und die Kraft, die unser neues Leben ausstrahlte.

„Halte durch! Du bist ‘ne coole Frau mit Power und Hirn“, schrieb er mir zum Abschied, als er ging und ich blieb. Wissend, dass mir keine einfache Zeit bevorstehen würde. Ohne seinen Zuspruch wäre alles so unendlich viel schwerer gewesen. Als er weg war, war ich alleine. So unendlich alleine. Deswegen nun nochmals offiziell auf diesem Weg: Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Offenheit und dein Vertrauen zu mir. Das du mit mir geweint hast und ich mit dir weinen durfte, ob der Schwere die uns das Leben manchmal auf den Weg legte, oder aber auch ob den kleinen, feinen Gemeinheiten, die wohlüberlegt für uns bereitgestellt wurden. Im Konzern. Im Leben. Sonstwo.

Aber das war ja nicht alles. Mit dir gab es keinen Altersunterschied. Du nimmst die Menschen so wie sie sind. Und so eben auch mich. Schnell spürten wir, dass wir auf der selben Frequenz senden und empfangen. Wir haben diese Frequenz ausgiebig genutzt. Ich danke dir für die vielen, vielen Lachtränen – ach Quatsch Lach-Flash-Mobs – die wir hatten. Es waren unser persönlicher Flash-Mobs und nur wir zwei wußten wo und wann sie stattfinden werden. Diese Situation, wenn alle  anderen Kollegen mit fragenden Augen dasaßen während wir uns einen Joke-Battle lieferten und gar nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Wooohooo!! Es hat so gutgetan.

Wir schehen unsch, schisser!

Es sind diese beiden Teile, die sich ineinanderfügen. Wahrscheinlich fiel meine Wahl aus diesem Grund auch auf Sarah, Julia und Steve. Die zwei Teile, bei denen sich die alte Welt mit der neuen Welt überkreuzt. Sie sind eng verwoben, da ein Teil ohne den andere nicht existieren würde. Es gibt Verbindungen an Menschen, die dich durch dein Leben begleiten.

Und dann, genau in diesem Moment wenn du darüber nachdenkst, umfasst die Sonne dein Herz und du denkst daran, wie anders alles enden können hätte. Dann würde ich vielleicht heute noch in irgendeinem kleinen hellhörigen Kabuff sitzen, irgendeine mir zugedachte Aufgabe erledigen und am Abend unbefriedigt nach Hause gehen. Statt der Sonne, würde eine kalte Hand mein Herz umgreifen. Und ich weiß, dass es mich zerstört hätte. Früher oder später.

Jetzt darf ich mein Potential bei denen ausschütten, die es schätzen und die es zu nutzen wissen. 

Ich danke euch allen, die ihr mir offen begegnet, ohne Vorbehalte. Lasst uns weiter gemeinsam Wege beschreiten. Mit Herz, Seele und Hirn. 2018 soll mein Jahr des Lernens und des Begegnens werden.  Aber selbst wenn wir uns nicht offline treffen: Ihr seid täglich in meinen Gedanken und begleitet mich. Bin ich mal mutlos, dann picke ich mir ein paar Gesichter heraus, durchstöbere ein bißchen eure Posts auf Facebook, Instagram und Co und schon geht es wieder.

Bitte packt eure Taschentücher jetzt weg und zückt eure Kalender. Wir sehen uns!Alles Liebe, habt eine schöne Weihnachtszeit und kommt gut ins neue Jahr!

Gabriele

*ich sage niemals BUB zu meinem Sohn. Es ist eine literarische Abwandlung meiner Sprache, um ein Bild an die Wand zu werfen von mir als 85jährige.

Linkliste

So und hier geht es nochmal zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah.

http://eigenstimmig.de

Ein Podcast Interview und was es mit mir machte.

Wie fange ich an? Wo starte ich? Wie beginne ich eine Geschichte, die für mich und mein Leben eine so unglaubliche Kehrtwende und Veränderung herbeigeführt hat? Wo so viele, viele Faktoren und auch Zufälle und Entscheidungen dazu beigetragen haben? Keine einfachen Entscheidungen, die ich hier und jetzt zu fällen habe.

Fangen wir damit an: Vor drei Wochen wurde ich von Julia Meder und Sarah Schäfer vom Eigenstimmig-Podcast interviewt. Das Interview ist nun seit zwei Wochen online, und ohne mich nun als besonders selbstverliebt darstellen zu wollen: ich habe es mir ein paar Mal angehört. Seine eigene Stimme mal abseits vom Anrufbeantworter zu hören, ist schon etwas eigenartig.

Es ist sehr sonderbar, ein Interview zu führen, bei dem man vorher nicht weiß, was man erzählen wird, wie man sich selbst darstellt und welche Ziele oder Ideen man mitgeben möchte. Ich bin gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich gut fühle, eigentlich sehr gut, an dem ich sagen kann, dass ich viel erreicht habe.

Ich fühle mich wohl und genieße den Augenblick. Es ist eine Momentaufnahme meines derzeitigen Lebens.

Und dennoch: höre ich mich im Interview, habe ich das Gefühl in manchen Punkten nicht die Tiefe und die innere Intention zu erreichen, die mich antreibt und die mich dazu gebracht hat heute und hier so zu sein wie ich nun mal bin. Sarah und Julia nennen es authentisch.

Vor kurzem habe ich einen Beitrag zum Thema Einhörner auf meinem Blog veröffentlicht. Im Internet erhältlich ist eine Gegendarstellung oder Aufarbeitung meines Geschriebenen, was sich in etwa so anhört: „Gabriele schreibt „blablabla“. Damit liegt sie falsch. Richtig ist …“
Ich möchte jetzt nicht mein Interview korrigieren oder gesagtes zurücknehmen im Sinne von bei „4 Minuten und 23 Sekunden“ sage ich; „…“ damit meine ich „…“

Nein, nein, daß liegt mir fern. Sehr fern. Was ich nur sagen möchte: Der Weg hierher war nicht einfach und er wird auch in Zukunft mit Schwierigkeiten und Stolpersteinen gerüstet sein. Darauf bin ich vorbereitet. Oder auch nicht. Ich war zweimal im Burnout und ich war sehr oft an der Grenze die Kontrolle über mein Leben zu verlieren. Aus Verzweiflung, aus Perspektivlosigkeit, aus dem Gefühl heraus nicht dazu zu gehören. Hier spielen so viele Faktoren eine Rolle, die kann ich euch gar nicht im Einzelnen aufzählen für die wissenschaftliche Verarbeitung fehlen mir die Grundlagen und so kann ich nur einige wenige mir präsente Punkte beschreiben:

1.) Genderation (Eigenwortkreation )

Ich gehöre zur sogenannten Kriegs-Enkelkinder-Generation. Der zweite Weltkrieg war bei meiner Geburt gerade einmal 21 Jahre beendet. Als Kind lag dieser Krieg und somit Nazi-Deutschland für mich sooo unendlich weit zurück. Einfach lächerlich das dieser Krieg Einfluß auf mein Leben haben soll, dachten alle und sagten: „Nazideutschland, daß sind doch nicht wir, dass waren doch unsere Großeltern“. Ja, lächerlich, wenn man bedenkt, dass die ehemalige BRD und DDR nun bald seit 30 Jahren (2019) wiedervereint sind. Merkt ihr was? Am Erbe, tragen wir alle.

Meine Kindheit ist schwarz-weiß, meine Familie bestand aus 4 alten Großtanten die „keinen Mann abbekommen haben, weil sie so … sind“ (ich habe erst Jahrzehnte später darauf kommen müssen, dass es aufgrund des Krieges gar keine Männer mehr gab). Meine Kindheit und meine ersten Lern- und Lehrabschnitte sind gekennzeichnet und geprägt von Schweigen „darüber reden wir nicht“ und von „Frauen heiraten und bekommen Kinder“. Vorbilder für selbstbestimmtes Leben von Frauen? Bis auf einen Teil meiner ledigen Großtanten (Eine Prokuristin bei Weleda (die spinnt ja), eine Weltreisende die in der Nazizeit einen schwulen Fotografen geheiratet hat (die spinnt ja)) und meiner Oma (die Zahnärztin) väterlicherseits, negativ. Und von der Leistung dieser Frauen habe ich auch erst später erfahren und würde heute so viel dafür geben mich mit diesen schon lange verstorbenen Frauen, alle geboren um die 19-Jahrhundertwende, unterhalten zu dürfen. Familiengeschichte. So wichtig. Schweigen in der Familie – wird weitergegeben über Generationen. Aber auch Verhaltensmuster. Hinschauen und bewusst verändern. Sprechen. Bitte bewußt machen und vorantreiben, oder zumindest einen Blick darauf werfen.

Ich kann sie noch fühlen, die Narbe an der Wade meines von mir innig geliebten Opas, über die meine Kinderfinger strichen, diese wulstige, rote Stelle an der ihn die Granate der Russen erwischt hatte. Sie hat mich immer fasziniert, dennoch konnte ich mir niemals vorstellen, was er tatsächlich erlebt hat und welches Leid er erleben musste. Fragen danach konnte ich noch nicht und er wollte es mir auch nicht erzählen. Er starb, als ich gerade mit meinem Studium begann. Ich denke oft an ihn und wenn die „alte Miss Marple“ im Fernsehen kommt, sitze ich da, mit kleinen Tränen in den Augen, denn Margret Rutherford mochte er besonders gerne. TUK-Kekse knabbernd, saß ich stets neben ihm und teilte seine Leidenschaft für Agatha Christie Filme.

2.) Anderssein, Klappe die Erste:

Ich war immer Störer, Sprecher, Beschützer, Kämpfer, Klassenclown. Vom Kindergarten an. Es zog sich durch meine komplette Schulausbildung durch. Verzweifelt bin ich dann beim Wechsel von der Realschule auf das Wirtschaftsgymnasium. Schulsysteme die einfach nicht in der Lage sind Wissen auch an neugierige, anders lernende Menschen zu vermitteln. Ach, es kotzt mich an und es hat sich immer noch nicht verändert. Auswendig lernen, keine Fragen. Aber bitte schnell. Ich bin da raus. Schon lange. Und für immer. Eine Frage darf ich stellen? Wie soll ich den Bullshit an meinen Sohn verkaufen, der selbiges System durchlaufen muss?????

3.) Verzweiflung:

Ich war in einem tollen Projekt. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht. Ja, es gab den einen oder anderen Streßfaktor, aber da hatte ich schon schlimmeres erlebt. Dann kam der Tag. Ich fühlte mich schon morgens nicht so gut. Das kannte ich aber schon und nahm das nicht so ernst. Ich arbeitete derzeit in Stuttgart mitten in der Innenstadt. Mittagspause. Ganz normal. Ich lief gerade durch ein Kaufhaus und ganz plötzlich, messerscharf und fast unerwartet aus dem Nichts, ein Trigger der mich in den Abgrund stürzte: Vor mir eine Rolltreppe, zwei Frauen, Freudinnen oder Kolleginnen, fahren die Rolltreppe nach oben und unterhalten sich freundlich lässig. Sehr lässig. Die Szene hat sich als Mahnmal auf meine Netzhaut gebrannt. Diese Szene war mein Trigger zum Ausstieg. Ich starrte auf die Rolltreppe, während sich langsam meine Augen mit Tränen fühlten. Ich versuchte mich zu sammeln, aber es war zu spät.

Ich sehe mich heute noch vor dem Kaufhaus stehen, die Tränen wie Sturzbäche aus meinen Augen, der Staudamm offen, kein Halten mehr. Schmerzen im Kopf. Eine hämmernde Stimme hämisch „DU gehörst hier nicht mehr dazu, DU bist nicht mehr länger Teil von diesem System. DU BIST RAUS!!“ Ich finde mein Handy und rufe meinen (damals noch nicht mit mir verheirateten) Mann an. Er erkennt sofort die Lage, verspricht mir SOFORT zu kommen, fragt mich wo ich bin.

Eine Frau spricht mich an, aber nicht aufgrund meines Zustandes, sondern weil sie wissen möchte wo irgendein XY-Laden ist. Sie hat einen kleinen Sohn dabei, der mich erschrocken und mit großen Augen anschaut „warum weint die Frau, Mama?“. Ich antworte stumm „die Frau wurde gerade aus ihrem Leben rauskatapultiert “. Ich beschreibe ihr schluckend und schniefend den Weg, sie reicht mir ein Taschentuch. Wortloses auseinandergehen. Markus kommt und bringt mich nach Hause. Ein schwarzes Loch.

Drei Monate später, geht es weiter.

4.) Anderssein, Klappe die Zweite:

5 Jahre später. Unternehmen, neuer Vorgesetzter. Er Alphamännchen, ich Alphaweibchen. Ende der Geschichte.

5.) Neuanfang: Hier und jetzt.

Ich habe vieles ausgelassen. Schließlich möchte ich weiter hier im Blog schreiben und es gibt noch so vieles, was ich mit euch teilen möchte. Heut und hier ist mir nur wichtig: Kein Weg ist einfach und auch mein Weg war mit verdammt harten und bösen Erfahrungen gepflastert. Oft stand ich mir selbst im Weg. Ich ging und gehe auch heute noch oft an meine Grenzen.

Das ist jetzt eine spontane Eingebung aber ich finde es eigentlich einen schönen Vergleich (und gaaaanz sicher gibt es schon jemanden der diese Idee auch schon hatte), die ich euch jetzt noch mitgeben möchte:

Stellt euch euer Leben als Schloß vor. Hier gibt es die unterschiedlichsten Räume und Begebenheiten. Prachtvolle Säle gibt es ebenso wie dunkle Schreckenskammern und Ecken. Ich stelle mir heute vor, wie ich durch das Schloß wandle, einem vorgeschriebenen Pfad folgend, und außer den tollen lichtdurchfluteten Sälen eben auch einmal ein dunkles Kämmerlein durchschreiten muss. Das ist halt so, um in den nächsten Saal, die Küche oder die Speisekammer mit all ihren Leckereien zu kommen. Ich habe einen kleinen Trost für euch: die Anzahl und Größe der dunklen Kammern ist in der Regel kleiner wie die Anzahl der Kammern die euch Freude bereiten. Egal wo ihr gerade seid, prägt euch die Details ein und merkt sie euch. So wird der Schreck immer kleiner, aber die Erinnerung an schönen, hellen Räume ist ebenso immer abrufbar. Genauso die Gewissheit, daß alles eine Frage der Zeit ist.

Eins ist noch wichtig: sucht euch Hilfsmittel wie Taschenlampen oder Kerzenlicht um die dunklen Kammern besser zu bewältigen. Ich glaube aber, dass man diese durchlaufen muss, um Licht und Farbe (oder wenigstens ein Käsebrot mit Zwiebeln) wieder in vollen Zügen genießen zu können.

In diesem Sinne herzlichst,
eure Gabriele, derzeit im Ballsaal

Linkliste

So und hier geht es zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah. Hier findet ihr viele wunderbare Interviews mit den unterschiedlichsten Frauen. Ich wünsche euch viel Spaß beim stöbern und hören.

http://eigenstimmig.de

Noch eine Info: Ich versuche mit diesem Beitrag auch ein neues Kommentarsystem. Ich hoffe es funktioniert gut und ihr habt keine Probleme. Sollte irgendetwas nicht klappen, könnt ihr mich gerne direkt per eMail anschreiben. Bitte nutzt mein Kontaktformular.