Es. Du böses gutes Wesen. Hast Flügel und kannst doch manchmal nicht fliegen …

Dieses eintauchen in die alte neue bekannte unbekannte Welt, Projekte, keines dem anderen gleich, kennenlernen so vieler tollen Menschen, was ist daraus geworden?

Habt ihr es gemerkt? Meinen letzten Blogbeitrag schrieb ich im Juni 2018, was ist denn eigentlich passiert seitdem? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, es hat sich wieder eingeschlichen. Es.

Hättet ihr mich vor einem Jahr gefragt, „Wie geht es dir?“ hätte ich geantwortet, dass es mir fantastisch ginge und ich mir nichts Besseres vorstellen könne. Und jetzt hat mich das Jahr überrollt, einfach so, niedergewalzt und plattgemacht. Keine Zeit mehr für schöne Blog-Beiträge, keine Zeit mehr die Gedanken schweifen zu lassen. Keine Zeit mehr.

Wobei, Moment, warte! Zeit hatte ich mehr als genug: Ich bin 2018 über 500 km im Wald unterwegs gewesen. Eher 600, da ich nicht alles getrackt habe. So oft es ging, war ich draußen. Ich habe das Jahr mit all seinen Naturschönheiten ausgiebig genossen: die ersten Blüten im Frühjahr, die ersten heißen Tage, die ganze Opulenz, die in diesem Jahr an den Bäumen hing. Kirschen, Beeren, Holunderblüten,  dann Äpfel, Birnen, Quitten und Zwetschgen, am Schluß eine Unmenge an Walnüssen. So schön und so bereichernd für alle Sinne. Ich habe Gartenvögel beobachtet und Pflanzen beim Wachsen zugesehen. In den letzten 20 Jahren hatte ich in keinem Jahr mehr Zeit, mich mehr darin zu verlieren, wie in diesem Jahr. Und dennoch. Es. Es ist wieder da.

Nun sitz ich einigermaßen ratlos hier und frage mich, wie die Falle wieder zuschnappen konnte. Meine persönliche Falle. Der Köder dafür von mir selbst ausgelegt und vorbereitet. Dieser Moment bei dem ich nicht aufpasste und „Ja“ sagte, obwohl ich „Nein“ meinte. Wie meine Motivation verschwand und ich es nicht merkte. Und auch niemand anderes.

Wie ist das mit der intrinsischen Motivation? Wie hält man diese auf Trab? Was ist ihr Nährboden? Woran wächst sie? Woran geht sie ein? Diese Pflanze, deren Gärtner niemals alleine ist, niemals alleine entscheidet. Ein Teil von dir selbst, ein Teil von anderen … aber von wem, wann und wo?

Ist es den Zufall, dass ich ausgerechnet eine Biene als Sinnbild für das nutzte, was ich versuchte zu verstehen? Ich schrieb „ … das ist so ähnlich, wie eine Biene die nur eine Blumenart bestäubt und dann irgendwann in einem Blumenbeet unterwegs ist, in dem NUR noch die gleichen Blumen stehen …“. Sinnigerweise schrieb ich es an eine Biologin und wie soll es anders sein? Sie verstand. *

Damit ich wachsen kann, brauche ich die unterschiedlichsten Blumen. Ich nehme von Ihnen und sie geben mir etwas zurück: Verschiedene Düfte, Farben, Blütezeiten. Sie bereichern meine Sinne und ich kann mich täglich an ihrer Vielfalt erfreuen. Wichtig dabei alleine ist das geben UND das nehmen.   

Was mich umtreibt und was ich versuche zu verstehen, findet oft mit Worten den Weg, anfangs manchmal holperig, schwer verständlich, dann ist das Gedachte noch nicht vollständig ausgereift, dann braucht es einen zärtlichen Anstrich wie ihn auch ein Käselaib vom Senner erhält, damit er reift und Geschmack entwickelt. Egal ist dabei, ob es mich betrifft oder ein allgemeines Problem. Ich weiß, dass ich dabei manchmal sehr sonderbar anmute. Aber es ist mir wurscht. Zu oft hatte ich recht mit dem was ich zuerst spürte, dann dachte und schließlich sagte. Oft sah ich Dinge, die sonst niemand sah, oftmals waren sie es auch, die mich im Wald begleiteten und mir dort Gesellschaft leisteten. Und manchmal auch nachts wenn ich nicht schlafen konnte, saßen sie leise jammernd auf der Bettkante, mit großen Augen „siehst du mich jetzt endlich?“.

Und jetzt also für mich selbst. Vielleicht ist das der große Fortschritt den ich augenblicklich machte: etwas für mich selbst zu erkennen, in einer Phase in der es noch „grün“ ist und nicht „tiefrot“ wie es leider auch schon der Fall war.

Raus mit dir, tausch dich aus, suche dir diejenigen mit denen du teilen kannst, die verstehen, die gerne nehmen und geben, die dich beflügeln und inspirieren. Die auch zwischen den Zeilen lesen. Die den Mut haben mitzufliegen. Die deine Welt kennen, wenn nicht ganz, dann zumindest in Teilen.

Diejenigen, die wissen, woran ich wachsen kann und an was ich verzweifle. Woran ich scheitere. Was mir im Weg steht.

Es bleibt spannend und fühlt sich glücklicherweise alles schon wieder etwas leichter an. Schreiben ist ein besonderer Weg des loslassen, lernen und begreifen.

Wie entwickelt ihr euch weiter? Wo und wie holt ihr euch die Motivation, Inspiration? Schreibt mir doch und lasst mich teilhaben. Ich würde mich sehr freuen.

Herzliche Grüße,

Gabriele

PS: Ich holte mir übrigens unter anderem Inspiration und Unterstützung bei Sarah Schäfer von https://unvergleichlich-ich.de/ueber-mich/ und *Julia Meder, die ich hier ebenfalls gerne verlinke https://dreamfinder-coaching.de/ . Beide zusammen sind die Initiatorinnen von https://eigenstimmig.de/ und dokumentieren mit ihrer umfangreichen Podcast-Serie einfühlsam die unterschiedlichsten Lebenswege. Die beiden sind also quasi der „Guido Knopp“ in Bezug auf Biografien von Frauen. Mutmachend, authentisch und mitreißend.

 

Der Schachspieler

Hat jemand von euch den Film „Zeit der Kannibalen“ gesehen? Ein Kammerstück erster Klasse über Unternehmensberater und ihre skrupellose Art Business zu betreiben? Die sich gegenseitig ausstechen und niederknüppeln und dabei doch nur an ihren eigenen Schwächen zugrunde gehen?

Ich liebe diesen Film, da er die Menschen dahinter zeigt, schwächer wie den vermeintlich Schwächsten, die von ihnen verhöhnt, erniedrigt und ausbeutet werden. Und es gefällt mir auch, dass der Film NICHT gut ausgeht. Für sie. Die Peiniger. Das mag jetzt ja auch kein netter Zug von mir sein, aber ich erinnere mich noch an die leise Genugtuung die ich empfand, als ich das Ende des Filmes sah. Damals leckte ich gerade noch an meinen offenen Wunden.

Wie oft habt ihr schon erlebt, dass Menschen an ihren Aufgaben zerbrechen, oder daran wie mit ihnen umgegangen wird? Bestenfalls nimmt sie ihre Seele aus dem Zustand in dem sie sich befinden heraus, schlimmstenfalls endet es mit dem Tod. Ich habe das schon erlebt, einmal mit einem Projektleiter. Wir verabschiedeten uns noch ins Wochenende und montags darauf kam er nicht wieder. Ich denke oft an ihn, vor allem dann, wenn ich auf der Autobahn dort vorbeifahre, wo er begraben liegt. Er war ein freundlicher Mensch, aber stets gehetzt, seine Hände immer feucht, das Gesicht fahl. Er hatte zwei kleine Kinder.

Auch meine Seele hat sich eine Auszeit genommen, als gar nichts mehr ging und die Attacken meines damaligen Vorgesetzten in die nächste Runde gingen. Nachdem mir gedroht wurde ich würde angezeigt werden, wenn ich noch einmal das Wort mit dem großen M und den zwei niedlichen B in der Mitte benutzen würde. Das war mein Point of exit. Beziehungsweise der Tag, an dem meine Seele ausstieg. Ich sage heute: Zum Glück. Muss ich jetzt noch erwähnen, dass „er“ nach dem Gespräch pfeifend an meinem Büro vorbeilief?

Während der Zeit, als klar war das ich nicht mehr erwünscht bin, hat mein Mann mich unterstützt und getragen. Er hat die Nächte mit mir durchdiskutiert und gemeinsam mit mir Taktiken und Strategien ausgearbeitet. Nichts hat geholfen. Am Ende blieb nur noch Ratlosigkeit, Trauer und Wut über das, wie Menschen mit anderen Menschen umgehen. Ja, es ist nur irgendein Job und ja, klar, professionelle Distanz: so wichtig. Aber es füllt nun mal fast deinen ganzen Tag und durchschnittlich 250 Tage im Jahr aus. Netto ohne Urlaub. Und wer weiß, hätte man mir gleich ein großzügiges Angebot gemacht, vielleicht hätten wir gar nicht durchgemusst. Durch das.

Nichts ist mehr übrig von dir, wenn ein anderer Mensch dich in (d)einer Abteilung ins Abseits drängt. Du stehst plötzlich alleine da und fühlst dich falsch, falsch in allem was dein bisheriges Berufsleben ausgemacht hat. Du bist im falschen Film. Kollegen schleichen auf einmal an dir vorbei, hoffend das du sie nicht bemerkst, verlassen abends ohne Abschied das Büro. Andere ignorieren deine Anrufe. Du weißt sie sind da, hörst ihre Stimmen, gehen aber nicht ans Telefon. Es ruft ja „Niemand“ an. Du bist ein Nichts, du kannst nichts und deine Fehler häufen sich. Du stellst dich, deine Persönlichkeit und dein bisheriges Leben immer mehr in Frage. Du verstehst nicht warum und suchst den Fehler den du gemacht hast. Der Kloß im Herz und im Hals wird immer größer und es scheint fast so als ob du langsam daran ersticken wirst. Und du weißt, es gibt da jemand in deiner Nähe, der sich genau das erhofft und wünscht.

Schachzug für Schachzug zog „er“ nach jeder neuen Attacke eine neue Figur aus dem Ärmel und platzierte diese auf dem Spielfeld. Das er dieses Spiel perfekt beherrscht und ich nicht sein erster Gegner in diesem Spiel war, begriff ich erst spät, zu spät, viel zu spät.

Ich frage mich manchmal, wie ich reagiere, wenn ich ihm plötzlich gegenüberstehe. Vielleicht bedanke ich mich bei ihm. Freundlich lächelnd. Reiche ihm die Hand. Danke ihm dafür, dass er mir gezeigt hat, dass seine Welt da draußen anders ist, dass Unternehmen ab einer bestimmten Größenordnung und mit bestimmten Strukturen kein (Lebens)-Umfeld für mich sind und er recht damit hatte. Das er mich davon befreit hat jemals wieder den Wunsch zu haben in einem solchen zu Arbeiten. Das man dort nicht wachsen kann. Also ich nicht. Ich bedaure ihn dann vielleicht noch ein bißchen, daß er so ein schwacher Mensch ist und solche Spiele nötig hat. Anscheinend. Und ganz zum Schluß frage ich ihn, ob er vielleicht manchmal denkt, das möglicherweise das Ende seines Filmes auch anders als geplant verläuft?

Lange habe ich gebraucht um wieder bei mir anzukommen. Das ich diejenige bin, die Unternehmen weiterbringen kann. Das Menschen gerne mit mir zusammenarbeiten. Nicht alle, klar, aber ein paar sind schon dabei. Wieder wachsen zu dürfen und vor allem zu können. Selbst darüber zu entscheiden.

Es fühlt sich gut an.

Ein Podcast Interview und was es mit mir machte.

Wie fange ich an? Wo starte ich? Wie beginne ich eine Geschichte, die für mich und mein Leben eine so unglaubliche Kehrtwende und Veränderung herbeigeführt hat? Wo so viele, viele Faktoren und auch Zufälle und Entscheidungen dazu beigetragen haben? Keine einfachen Entscheidungen, die ich hier und jetzt zu fällen habe.

Fangen wir damit an: Vor drei Wochen wurde ich von Julia Meder und Sarah Schäfer vom Eigenstimmig-Podcast interviewt. Das Interview ist nun seit zwei Wochen online, und ohne mich nun als besonders selbstverliebt darstellen zu wollen: ich habe es mir ein paar Mal angehört. Seine eigene Stimme mal abseits vom Anrufbeantworter zu hören, ist schon etwas eigenartig.

Es ist sehr sonderbar, ein Interview zu führen, bei dem man vorher nicht weiß, was man erzählen wird, wie man sich selbst darstellt und welche Ziele oder Ideen man mitgeben möchte. Ich bin gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich gut fühle, eigentlich sehr gut, an dem ich sagen kann, dass ich viel erreicht habe.

Ich fühle mich wohl und genieße den Augenblick. Es ist eine Momentaufnahme meines derzeitigen Lebens.

Und dennoch: höre ich mich im Interview, habe ich das Gefühl in manchen Punkten nicht die Tiefe und die innere Intention zu erreichen, die mich antreibt und die mich dazu gebracht hat heute und hier so zu sein wie ich nun mal bin. Sarah und Julia nennen es authentisch.

Vor kurzem habe ich einen Beitrag zum Thema Einhörner auf meinem Blog veröffentlicht. Im Internet erhältlich ist eine Gegendarstellung oder Aufarbeitung meines Geschriebenen, was sich in etwa so anhört: „Gabriele schreibt „blablabla“. Damit liegt sie falsch. Richtig ist …“
Ich möchte jetzt nicht mein Interview korrigieren oder gesagtes zurücknehmen im Sinne von bei „4 Minuten und 23 Sekunden“ sage ich; „…“ damit meine ich „…“

Nein, nein, daß liegt mir fern. Sehr fern. Was ich nur sagen möchte: Der Weg hierher war nicht einfach und er wird auch in Zukunft mit Schwierigkeiten und Stolpersteinen gerüstet sein. Darauf bin ich vorbereitet. Oder auch nicht. Ich war zweimal im Burnout und ich war sehr oft an der Grenze die Kontrolle über mein Leben zu verlieren. Aus Verzweiflung, aus Perspektivlosigkeit, aus dem Gefühl heraus nicht dazu zu gehören. Hier spielen so viele Faktoren eine Rolle, die kann ich euch gar nicht im Einzelnen aufzählen für die wissenschaftliche Verarbeitung fehlen mir die Grundlagen und so kann ich nur einige wenige mir präsente Punkte beschreiben:

1.) Genderation (Eigenwortkreation )

Ich gehöre zur sogenannten Kriegs-Enkelkinder-Generation. Der zweite Weltkrieg war bei meiner Geburt gerade einmal 21 Jahre beendet. Als Kind lag dieser Krieg und somit Nazi-Deutschland für mich sooo unendlich weit zurück. Einfach lächerlich das dieser Krieg Einfluß auf mein Leben haben soll, dachten alle und sagten: „Nazideutschland, daß sind doch nicht wir, dass waren doch unsere Großeltern“. Ja, lächerlich, wenn man bedenkt, dass die ehemalige BRD und DDR nun bald seit 30 Jahren (2019) wiedervereint sind. Merkt ihr was? Am Erbe, tragen wir alle.

Meine Kindheit ist schwarz-weiß, meine Familie bestand aus 4 alten Großtanten die „keinen Mann abbekommen haben, weil sie so … sind“ (ich habe erst Jahrzehnte später darauf kommen müssen, dass es aufgrund des Krieges gar keine Männer mehr gab). Meine Kindheit und meine ersten Lern- und Lehrabschnitte sind gekennzeichnet und geprägt von Schweigen „darüber reden wir nicht“ und von „Frauen heiraten und bekommen Kinder“. Vorbilder für selbstbestimmtes Leben von Frauen? Bis auf einen Teil meiner ledigen Großtanten (Eine Prokuristin bei Weleda (die spinnt ja), eine Weltreisende die in der Nazizeit einen schwulen Fotografen geheiratet hat (die spinnt ja)) und meiner Oma (die Zahnärztin) väterlicherseits, negativ. Und von der Leistung dieser Frauen habe ich auch erst später erfahren und würde heute so viel dafür geben mich mit diesen schon lange verstorbenen Frauen, alle geboren um die 19-Jahrhundertwende, unterhalten zu dürfen. Familiengeschichte. So wichtig. Schweigen in der Familie – wird weitergegeben über Generationen. Aber auch Verhaltensmuster. Hinschauen und bewusst verändern. Sprechen. Bitte bewußt machen und vorantreiben, oder zumindest einen Blick darauf werfen.

Ich kann sie noch fühlen, die Narbe an der Wade meines von mir innig geliebten Opas, über die meine Kinderfinger strichen, diese wulstige, rote Stelle an der ihn die Granate der Russen erwischt hatte. Sie hat mich immer fasziniert, dennoch konnte ich mir niemals vorstellen, was er tatsächlich erlebt hat und welches Leid er erleben musste. Fragen danach konnte ich noch nicht und er wollte es mir auch nicht erzählen. Er starb, als ich gerade mit meinem Studium begann. Ich denke oft an ihn und wenn die „alte Miss Marple“ im Fernsehen kommt, sitze ich da, mit kleinen Tränen in den Augen, denn Margret Rutherford mochte er besonders gerne. TUK-Kekse knabbernd, saß ich stets neben ihm und teilte seine Leidenschaft für Agatha Christie Filme.

2.) Anderssein, Klappe die Erste:

Ich war immer Störer, Sprecher, Beschützer, Kämpfer, Klassenclown. Vom Kindergarten an. Es zog sich durch meine komplette Schulausbildung durch. Verzweifelt bin ich dann beim Wechsel von der Realschule auf das Wirtschaftsgymnasium. Schulsysteme die einfach nicht in der Lage sind Wissen auch an neugierige, anders lernende Menschen zu vermitteln. Ach, es kotzt mich an und es hat sich immer noch nicht verändert. Auswendig lernen, keine Fragen. Aber bitte schnell. Ich bin da raus. Schon lange. Und für immer. Eine Frage darf ich stellen? Wie soll ich den Bullshit an meinen Sohn verkaufen, der selbiges System durchlaufen muss?????

3.) Verzweiflung:

Ich war in einem tollen Projekt. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht. Ja, es gab den einen oder anderen Streßfaktor, aber da hatte ich schon schlimmeres erlebt. Dann kam der Tag. Ich fühlte mich schon morgens nicht so gut. Das kannte ich aber schon und nahm das nicht so ernst. Ich arbeitete derzeit in Stuttgart mitten in der Innenstadt. Mittagspause. Ganz normal. Ich lief gerade durch ein Kaufhaus und ganz plötzlich, messerscharf und fast unerwartet aus dem Nichts, ein Trigger der mich in den Abgrund stürzte: Vor mir eine Rolltreppe, zwei Frauen, Freudinnen oder Kolleginnen, fahren die Rolltreppe nach oben und unterhalten sich freundlich lässig. Sehr lässig. Die Szene hat sich als Mahnmal auf meine Netzhaut gebrannt. Diese Szene war mein Trigger zum Ausstieg. Ich starrte auf die Rolltreppe, während sich langsam meine Augen mit Tränen fühlten. Ich versuchte mich zu sammeln, aber es war zu spät.

Ich sehe mich heute noch vor dem Kaufhaus stehen, die Tränen wie Sturzbäche aus meinen Augen, der Staudamm offen, kein Halten mehr. Schmerzen im Kopf. Eine hämmernde Stimme hämisch „DU gehörst hier nicht mehr dazu, DU bist nicht mehr länger Teil von diesem System. DU BIST RAUS!!“ Ich finde mein Handy und rufe meinen (damals noch nicht mit mir verheirateten) Mann an. Er erkennt sofort die Lage, verspricht mir SOFORT zu kommen, fragt mich wo ich bin.

Eine Frau spricht mich an, aber nicht aufgrund meines Zustandes, sondern weil sie wissen möchte wo irgendein XY-Laden ist. Sie hat einen kleinen Sohn dabei, der mich erschrocken und mit großen Augen anschaut „warum weint die Frau, Mama?“. Ich antworte stumm „die Frau wurde gerade aus ihrem Leben rauskatapultiert “. Ich beschreibe ihr schluckend und schniefend den Weg, sie reicht mir ein Taschentuch. Wortloses auseinandergehen. Markus kommt und bringt mich nach Hause. Ein schwarzes Loch.

Drei Monate später, geht es weiter.

4.) Anderssein, Klappe die Zweite:

5 Jahre später. Unternehmen, neuer Vorgesetzter. Er Alphamännchen, ich Alphaweibchen. Ende der Geschichte.

5.) Neuanfang: Hier und jetzt.

Ich habe vieles ausgelassen. Schließlich möchte ich weiter hier im Blog schreiben und es gibt noch so vieles, was ich mit euch teilen möchte. Heut und hier ist mir nur wichtig: Kein Weg ist einfach und auch mein Weg war mit verdammt harten und bösen Erfahrungen gepflastert. Oft stand ich mir selbst im Weg. Ich ging und gehe auch heute noch oft an meine Grenzen.

Das ist jetzt eine spontane Eingebung aber ich finde es eigentlich einen schönen Vergleich (und gaaaanz sicher gibt es schon jemanden der diese Idee auch schon hatte), die ich euch jetzt noch mitgeben möchte:

Stellt euch euer Leben als Schloß vor. Hier gibt es die unterschiedlichsten Räume und Begebenheiten. Prachtvolle Säle gibt es ebenso wie dunkle Schreckenskammern und Ecken. Ich stelle mir heute vor, wie ich durch das Schloß wandle, einem vorgeschriebenen Pfad folgend, und außer den tollen lichtdurchfluteten Sälen eben auch einmal ein dunkles Kämmerlein durchschreiten muss. Das ist halt so, um in den nächsten Saal, die Küche oder die Speisekammer mit all ihren Leckereien zu kommen. Ich habe einen kleinen Trost für euch: die Anzahl und Größe der dunklen Kammern ist in der Regel kleiner wie die Anzahl der Kammern die euch Freude bereiten. Egal wo ihr gerade seid, prägt euch die Details ein und merkt sie euch. So wird der Schreck immer kleiner, aber die Erinnerung an schönen, hellen Räume ist ebenso immer abrufbar. Genauso die Gewissheit, daß alles eine Frage der Zeit ist.

Eins ist noch wichtig: sucht euch Hilfsmittel wie Taschenlampen oder Kerzenlicht um die dunklen Kammern besser zu bewältigen. Ich glaube aber, dass man diese durchlaufen muss, um Licht und Farbe (oder wenigstens ein Käsebrot mit Zwiebeln) wieder in vollen Zügen genießen zu können.

In diesem Sinne herzlichst,
eure Gabriele, derzeit im Ballsaal

Linkliste

So und hier geht es zu den wunderbaren Interviews der beiden eigenstimmig-Frauen Julia und Sarah. Hier findet ihr viele wunderbare Interviews mit den unterschiedlichsten Frauen. Ich wünsche euch viel Spaß beim stöbern und hören.

http://eigenstimmig.de

Noch eine Info: Ich versuche mit diesem Beitrag auch ein neues Kommentarsystem. Ich hoffe es funktioniert gut und ihr habt keine Probleme. Sollte irgendetwas nicht klappen, könnt ihr mich gerne direkt per eMail anschreiben. Bitte nutzt mein Kontaktformular.

Das Spiegelbild

Last Night I dreamed I went to Gimmeldingen again – the almond-trees bloomed and in the distance I recognized the winding streets with the beautiful houses.”

Was für ein poetischer Einstieg, gell meine Lieben? Als ich gestern die Straße aus Gimmeldingen herausfuhr, sprang dieser Satz (in Anlehnung an Schloß Manderly) in meinem Kopf und ließ mich nicht mehr los. War doch schon beim Abschied ein kleines Kernchen gesät: Der Wunsch die Straße in die andere Richtung zu fahren und wieder anzukommen.

Was nehme ich mit? Ich habe zwei wunderbare Tage mit wunderbaren Frauen verbracht. Nun sitze ich zuhause, bekomme mich gerade nicht wieder auf die Bahn und habe deswegen beschlossen nun einfach mal mit Schreiben anzufangen. Anlass für diesen Blog-Eintrag ist das Sommerfest und der Workshop-Tag der EIGENSTIMMIG Gründerinnen Julia und Sarah. Die beiden haben es geschafft, Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Lebensphasen zusammenzubringen. Auf eine fast schon bezaubernde, magische Art. Sehr toll beschrieben von Petra die unter „allerlei-themen“ blogt. Das kann man nicht besser beschreiben. Um zu verstehen was ich meine, schicke ich euch frohen Herzens zu Petra. Den Link zu ihrem Blog findet ihr am Ende des Textes.

Beim Frühstück entstanden, kurz mit Carina (auch sie blogt, auch auf ihre Seite verlinke ich am Ende) angerissen und jetzt nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen: die Arbeitslebensphasen in denen wir so stecken, bzw. die ich nun rückblickend auf meine 30 Jahre Berufsleben identifizieren kann. Wer war ich und wo stehe ich jetzt? Vielleicht sind es auch nur meine Phasen?

Vor kurzem traf ich die Lehrerin, die mich und meine Freundinnen während der Pupertät begleitete. Sie beschrieb mir, wie oft sie sich für uns einsetzte und Strafen abwendete, da unser Schulrektor mit uns nicht umgehen konnte. „Ihr hattet so oft recht mit dem was ihr eingefordert habt und es tat mir so leid mit anzusehen, dass ihr so leiden und gegen eine starre Haltung aus den 50er Jahren ankämpfen musstet.“. Wir waren Revoluzzer und wir haben uns gewehrt. Voller Trotz und Wut über die vielen Ungerechtigkeiten. Der Schulleiter verpasste uns das Label „Mädchen-Mafia“ und so kann ich voller Stolz von mir behaupten, Teil einer der ersten Mädchen-Gangs einer Kleinstadt gewesen zu sein.

Warum ist das wichtig? Wir waren 14/15/16 und haben aus voller Überzeugung gehandelt. Gegen schlechte Lehrer, ungerechte Noten und und und. Es ist mir aber wichtig, da auch heute noch dieser Trotz und diese Wut bei Ungerechtigkeit – ob sie nun mir oder jemanden anderem widerfährt – in mir ist und ich auch leider feststellen muss, dass sich in vielen Bereichen nichts geändert hat. Wir alle, haben diesen Trotz und das wir uns wehren müssen mit in den Berufsstart genommen. Es ist für mich die Phase „Fordernder Idealist“. Man möchte: Mitgestalten. Keine Ungerechtigkeiten (mehr) erdulden müssen. Die Umgebung verändern. Man holt sich: Blutige Nasen. Schlechte Arbeitszeugnisse. Genervte Kollegen. Man kämpft und hinterfragt. Zu Beginn viel und dann immer weniger.

Und irgendwann, still, leise und heimlich, schleicht er sich daher … der „akzeptierende Konformist“. Man beginnt sich einzurichten. Passt sich seiner Umgebung an. Fast wie ein Chamäleon. Versucht nicht aufzufallen. Ich erinnere mich noch als ich mich einst in einem Schaufenster spiegelte: Ich sah eine Frau, dunkles Kostüm, Pagenkopf, schwarze Lacktasche. Eine gut verdienende Bankerin auf dem Weg nach Hause. Oder zum angesagten Schickimicki- Italiener um die Ecke. Langweilig, auch ein bißchen traurig schaute mein Spiegelbild mich an. Es kam gerade vom Friseur, wo es für die leicht nach innen gedrehten glatten Haare und Spitzen schneiden 80 DM liegen lassen hatte. Das Spiegelbild rief mir zu: „BITTE HOL MICH HIER RAUS!“. Am nächsten Tag ließ ich mir die Haare kurz schneiden, kündigte den sicheren Job, sehr zum Entsetzen vieler (denn einen sicheren Job verlässt man nicht … niemals und Daimler schon zweimal nicht). Es war mir wurscht. Ich wollte mich wieder spüren.

Meine neue Umgebung gab mir wieder Luft zum Atmen. Sie stellte mir tolle, inspirierende Menschen an die Seite. Wir rockten die Projekte. Spannende Projekte. Das Internet war jung und noch unverdorben. Ich durfte vieles mitgestalten, habe Prozesse mit angestoßen, jüngere Kollegen geführt und gecoacht. Doch war er immer da, der Wunsch nach noch mehr. Wenn es spannende Positionen gab, schrie ich „Ich, ich, ich …“ (fingerschnipsend laut rufend auf mich aufmerksam machend – NICHT).  Und wurde nicht gesehen. Niemals. Oftmals gingen die Positionen an externe oder jüngere Kollegen(innen). Die manchmal auch sehr schnell daran scheiterten. Ein beleidigtes „das habe ich ja kommen sehen“ hat mir leider auch nicht geholfen. Ich konnte viel, keiner sah es. Und dann ist er auf einmal da: Der „frustrierte Generalist“. Wann immer jemand kommt und Wissen abruft, hüpft der „frustrierte Generalist“ wie ein kleiner Hund schwanzwedelnd um den Abfragenden herum und versucht an die Wurst zu kommen. Kurze Zeit später sieht man ihn dann aber leider wieder in seinem Körbchen liegen. Traurig darüber, dass der Leckerbissen an einen anderen ging. Und mit der Frustration verliert man alles: die Freude daran mitzugestalten, Ideen einzubringen, die Projekte zu rocken. Man will nicht mehr. Die Freudlosigkeit schleicht sich in all die Schubladen die dich als Persönlichkeit früher ausgemacht haben. So ähnlich wie Schimmel sich ins Brot frißt. Sie zerstört und mampft still und leise immer weiter und weiter und weiter. Viel bleibt am Ende nicht übrig.

Raus nur raus. Und nie wieder in eine dieser früheren Phasen stecken. Seit einem halben Jahr bin ich nun selbständig und bin es gerne. Das was am Ende übrig blieb ist zum Glück wie ein Hermanns-Teig aufgegangen und kann nun wieder geteilt werden. Und ich teile gerne. Mit jedem der es möchte. Immer. Willkommen in der Phase des „wiedererweckten Idealisten“. Es ist so als ob der Kreislauf sich schließt. Ich darf jetzt auch wieder trotzig sein. Ich muss nicht, wenn ich nicht mag. Kleine Kompromisse die man vielleicht ab und zu eingehen muss, bezahlt man sich mit anderen schönen Dingen zurück, wie bspw. einen Vormittag an einem solchen Text zu sitzen. Das ist phantastisch bombastisch und erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit.

So schnell können Dinge reifen und wachsen, wenn der Nährboden da ist und du die Lust und die Freiheit hast dich auf Dinge einzulassen. Ich fühle mich durch das Workshop-und Sommerfest Wochenende von eigenstimmig.de so reich beschenkt. Ich werde noch sehr lange davon haben.

Und ich freue mich darauf es zu teilen. Wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt. Erkennt ihr euch in einer Phase wieder? Teilt ihr eure Gedanken dazu mit mir?

 Es grüßt euch in tiefer Verbundenheit

 Gabriele

Linkliste

Hier geht es zur Website von eigenstimmig.de // hört euch bitte die Podcasts an!

http://eigenstimmig.de/

Und hier geht es zum Blog von Petra

http://www.allerlei-themen.de/eigenstimmig-workshopsommerfest-2017/

Und hier noch zum Blog von Carina

https://carinaschimmel.de/

Und hier geht es zum Blog von  der Freiraumfrau, die auch über Eigenstimmig-Sommerfest geschrieben hat

http://www.freiraumfrau.de/2017/07/das-wunderbare-eigenstimmig-netzwerkfest/

Und noch ein weiterer toller Text zum Eigenstimmig-Sommerfest von Julia Schönborn von karmajob

http://karmajob.de/2017/07/21/podcast-eigenstimmig-oder-ichbinnichtallein/

Die Nicht-Vereinbarkeit

Wenn Texte nichts an ihrer Aktualität verlieren …

 Ich habe schon immer geschrieben, wenn mir was auf der Seele brannte, es aber nie veröffentlicht. Einer meiner Lieblingstexte ist mein Tagebuch, dass ich 2011 während des Aufenthaltes bei einer  Mutter-Kind-Kur geschrieben habe. In diesem Text gibt es einen fiktiv geführten Dialog zum Thema Vereinbarkeit Familie & Beruf. Mein Sohn war damals 8 Jahre alt. Ich finde der Text passt immer noch prima. Manches würde ich heute vielleicht noch drastischer schreiben. Aber lest selbst.

20.11.2011 // Mutter-Kind-Kur auf Büsum

Ich lerne eine andere Frau kennen, die mich und Sabine anspricht, als sie hört wie wir uns über unsere Jobs und unsere aktuelle Situation unterhalten. Sabine hatte ebenfalls eine Leitungsfunktion. Das Wort „hatte“ spielt auch bei Sabine eine wichtige Rolle. Die andere Frau möchte über Kinder und Karriere sprechen. Vor allem über Karriere. Ich bemerke wie groß mein Abstand zu ihr schon ist, da ich eines weiß: entweder ich habe einen Partner der mich voll und ganz in meiner Karriere unterstützt und dafür seine eigene komplett auf Eis legt (hat sie nicht), oder ich organisiere mein Umfeld entsprechend (hat sie auch nicht). Nachdem sie merkt, dass Sabine und ich zu Verzicht auf Leitungsfunktionen und weniger Arbeit tendieren, ist sie auf einmal verschwunden, als Sabine und ich uns kurz um unsere Kinder kümmern.

Ich mache mir weiter Gedanken und schreibe hier nun auf, wie sich das Gespräch möglicherweise entwickelt hätte. Wir befinden uns schon mitten in der Diskussion, ob und inwiefern Familie und Beruf zu vereinbaren sind.

Ich sage gerade: „Also vergiss deinen Bereichsleiterjob für die nächsten Jahre oder verändere dich oder dein Umfeld. Ich sehe im Moment dafür drei Varianten:

Variante 1: Verlass deinen Mann und drück ihm deine Kinder auf’s Auge. Dann zahlst du jeden Monat einen Betrag x von deinem Gehalt an deinen (Ex?)-Mann und deine Kinder. Du kannst dir dann einen jüngeren Mann suchen, der deinen beruflichen und privaten Bedürfnissen und Interessen entspricht und (noch) keinen Kinderwunsch hat (notfalls auch einen, der vielleicht auch schon an seine Ex-Familie zahlt). Versuch nicht mehr an deine Kinder zu denken (die du am Wochenende ja ab und zu weiterhin sehen kannst). Diese werden sich ebenfalls bald in einer neuen Patchwork-Familie sicherlich wohl fühlen. Dieses Variante ist von vielen Männern erprobt, vor allem dann, wenn ihre Frauen ihrer eigenen persönlichen Entwicklung (vorangetrieben durch von der Firma bezahlten Coachings und „Chaka-ich-bin-der-Beste-Schönste-Schnellste“-Trainings) hinterherhinken (da sie mehr Zeit mit „Schöner wohnen“, „Mein Chefkoch.de“ und Kindererziehung verbracht hat). Vielleicht ist das ja auch bei dir und deinem Mann bereits der Fall?

Variante 2: Du machst für die nächsten Jahre einen Job, der dich nicht erfüllt aber dafür sorgt, dass du nicht den Anschluss verlierst, da du weiterhin in deiner bisherigen Firma arbeitest. Dann kannst du wieder durchstarten. Deine jüngeren männlichen Kollegen haben dich leider zwischenzeitlich überholt. Das ist etwas deprimierend für dich, mit etwas Glück schaffst du es aber, diese Leere und Unzufriedenheit nicht mit nach Hause zu nehmen und auf deine Familie zu projizieren. Die meisten Unternehmen sind ganz gut darin, Müttern die nach der Elternzeit zurückkommen möchten, entsprechende „passende“ Stellen anzubieten.

Variante 3: Du setzt durch, dass der Bereichsleiterjob auch mit einer 4-Tage Woche machbar ist. Alles was über dich geredet wird, weil du pünktlich um 16:00 Uhr das Gebäude verlässt, perlt an dir ab, ebenso Sticheleien und blöde Bemerkungen von deinen Kollegen im Sinne von „Na? Halben Tag Urlaub heute?“. Du nimmst deine Position als das was es ist, eine Position mit viel Verantwortung und der Fähigkeit zu delegieren. Du hast kein schlechtes Gewissen, wenn deine Mitarbeiter noch arbeiten, während du bereits bei deinen Kindern bist. Du hast dir diese Position durch Kompetenz erarbeitet. Du stehst auch für Fragen abends nicht mehr telefonisch oder per Mail zur Verfügung, da dir zuhause dein Mann und deine Kinder wichtiger sind. Termine werden selbstverständlich so gelegt, dass sie für dich kein Problem darstellen. In dieser Zeit solltest du ein besonderes Augenmerk auf nachrückende, weibliche, kinderlose Konkurrentinnen werfen. Frauensolidarität wird in den oberen Führungsebenen in der Regel kleingeschrieben. Sobald sie Lücken in deiner fachlichen oder Führungs-Kompetenz entdecken, werden sie gnadenlos reingrätschen und versuchen dich auszuhebeln.

Eins noch, kommt keine der oben genannten Varianten für dich in Frage wird es vermutlich so weitergehen: Du ziehst dein Ding beruflich und privat durch. Dadurch wirst du dauerhaft und über einen längeren Zeitraum an deine Grenzen stoßen. Die Auswirkungen die es haben wird kann ich dir noch nicht sagen, möglicherweise verlässt dich dein Mann, oder deine Kinder zahlen dir vielleicht spätestens in der Pupertät alles zurück, eventuell wehrt sich aber auch dein Körper mit körperlichen oder geistigen Gebrechen gegen den Dauerstreß und setzt dich einfach für längere Zeit außer Gefecht.“

Hier endet mein Dialog. Ich bin 45, arbeite seit insgesamt 25 Jahren, davon 15 Jahre in verschiedenen Führungspositionen. Ich habe mich immer für Frauen in Führungspositionen interessiert und viele davon lange Jahre begleitet und beobachtet. Ebenso das familiäre und berufliche Umfeld in dem sie sich bewegt haben.

30.06.2017 // Nach 5 Jahren

Was ich noch ergänzen möchte:

Die Versuchung war groß diesen Text weiterzuentwickeln. Ich habe mich aber bewußt dagegen entschieden. Was ich heute anders schreiben würde ist das Thema „Unterhaltszahlung“. Bekomme ich doch von vielen mit, dass Mann sich davor einfacher drücken kann als gedacht. Insofern würde ich das mit aufnehmen.

Weiter möchte ich noch auf das Thema Entwicklung von Frauen die zuhause bleiben während die Männer Karriere machen eingehen: Ich habe tolle Frauen kennengelernt die dieses Modell fahren. Wenn sie jetzt noch so cool sind für sich zu Sorgen, falls es zur Trennung kommt (indem sie bspw. durch einen Ehevertrag entsprechende Regelungen getroffen haben), super.  Meine Akzeptanz und Toleranz gegenüber den unterschiedlichsten Lebensentwürfen ist hier viel größer geworden.

Zum Thema Mutterschutz + Rückkehr auf bisherige Positionen, Teilzeit, Homeoffice … fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Es gibt immer noch zuviele Unternehmen, die dies nicht ermöglichen und Teilzeit-Karrieren ausschließen. Und dabei ist es völlig egal, was in ihren Hochglanzbroschüren erzählt wird. Ich habe so viele Geschichten erzählt bekommen, in denen Frauen unglaubliches berichtet haben, wie ihre bisherigen Jobs  an andere vergeben wurden und ihnen Angebote unterbreitet wurden, die nahelegen das eine Rückkehr nie geplant war.

Ach, wenn ich so darüber nachdenke: es gibt noch sooo viel zu bloggen. Ich habe soviel erlebt in den letzten Berufsjahren. Mit Betreuungseinrichtungen, Ganztagesbetreuung, anderen Müttern und Vätern, anderen Kolleg:inn:en, etc..  Mal schauen was mir als nächstes unter den Nägeln brennt.

Soviel für heute, es grüßt euch

Gabriele 

PS:

Eins noch: Ich habe auch viele solidarischen Frauen kennengelernt. Vorallem in den kleinen Unternehmen. Vorallem wenn sie ebenfalls Kinder hatten, vorallem wenn sie ebenfalls nicht einfach nur den kleinen Sachbearbeiter Job machen wollten, sondern was erreichen.

Buntes Korianderkraut

Korianderkraut

Ich steige in die Straßenbahn ein. Mir gegenüber sitzt eine Frau meines Alters. Sie sieht sehr schön aus und ist sehr selbstbewußt. Ich beobachte sie. Sie telefoniert kurz – und dann … ich weiß fast alles über sie. Ich bin ausgesprochen mutig und spreche sie an – all meine Annahmen über sie, werden schnell bestätigt. Wir haben beide wundervolle Söhne im fast gleichen Alter. Unsere Prinzen. Unsere Sterne. Lass uns bitte nichts falsch machen. So einfach, kurz mal alle Freude und Ängste ausgetauscht, bei einer Fahrt 8,06 Minuten lang. Egal ob reich oder arm. So sollten wir sein, wir Menschen.

Ich gehe zum Cafe Hummel. Hier treffe ich mich mit Petra Perlenfein zu einem Abschlußgespräch. Ich wollte es so. Mein Coaching bei ihr ist nun beendet. Wer bin ich? Und warum brauchte ich ein Coaching?

Ich bin 50+ und seit 20 Jahren im Online-Business unterwegs. Teamleiterin, Geschäftsführerin, Projektleiterin, ich bin Scrum-Master aber ebenso Master of disaster (fragt mich einfach – ich kenne für fast alles Lösungen) und interessiere mich für alles neue wie VR/AR (Virtuell und Augmented Reality, Holacracy, Design Thinking und vieles mehr) und ich bin Mutter*.

Aber auch: schon immer lernbegierig, rastlos und … bunt.

Ich bin bunt. Und ich bin mir sicher, dass Petra Perlenfein es sofort gesehen hat. Frau Perlenfein würde sicherlich einen anderen Begriff dafür verwenden und wir haben auch nie darüber gesprochen, es ist also eine mutige Annahme von meiner Seite. Als ich das erste Mal den Begriff „bunt“ in Zusammenhang mit mir gehört habe, fand ich das noch ein bißchen komisch. Der Bekannte einer Freundin hatte sie auf mich angesprochen und ihr gesagt, dass ich ein bunter Mensch sei. Bis dahin kannte er mich nur vom Sehen. Seitdem, treffen wir uns immer wieder und kommen in promillesekundenkurzezeitwahnsinnskurzezeit dazu uns über unser „Befinden“ auszutauschen. Hammer. Ok, ich bin ein bunter Mensch (und ich bin es JETZT wieder gerne) und er ist vielleicht Synästhetiker … .

Ganz anders, vor meinem Coaching. Damals war mein Bedürfnis: Ich wollte am liebsten grau sein. Unauffälliger. Irgendwie angepasster und irgendwie weniger so sein wie Korianderkraut.

Kennst du das? Es gibt NIEMANDEN auf der Welt, der Korianderkraut einfach nur so ißt. Entweder liebt man es, oder man verabscheut es. Keinem ist es gleichgültig. So bin ich. Man mag mich oder man mag mich eben nicht. Warum erzähle ich das? Ich glaube, das muss man über mich wissen, um den Rest zu verstehen.

Diese Erfahrung und Erkenntnis, daß jemand nicht mit mir kann, musste ich in einem großen Unternehmen machen. Hier traf ich auf jemanden, der in mir ein Problem sah (bzw. keinen Koriander mochte) und der dieses Problem lösen wollte. Meine Verletzung, Enttäuschung und Wut war riesengroß. Verunsicherung und Lähmung kamen schnell hinzu. Neben mir traf es aber auch noch eine andere Kollegin. Wir versuchten uns untereinander so gut zu stützen wie es nur möglich war. Eins kam auf’s andere und so verließ ich (nach k – -u- – r- -z- -e- -m Kampf) das Unternehmen und das war so ziemlich genau vor einem Jahr. Ich wollte damals nur noch grau sein und habe mich aus diesem Grund für ein Coaching entschieden.

Und jetzt? Was ist seit dem passiert? Also genau vor einem Jahr begann die Arbeit mit meinem Coach: Petra Perlenfein.

Seitdem habe ich mit ihr eine Vision meiner Zukunft entwickelt und die Umsetzung in die Realität vorangetrieben. Auch hier ohne Abstimmung mit ihr: ich glaube sie fand mein bunt sein überaus OK. Aus einem Coaching für „wie bekomme ich eine über 50jährige (und somit eh schon schwer vermittelbare) Frau wieder in den Arbeitsmarkt“ wurde schnell ein „Sie passen ja in gar kein Unternehmen!“. Was für manch anderen vielleicht einen Schock dargestellt hätte, las sich für mich wie ein bekanntes, bereits gelesenes Buch. Und so konnte ich mich darauf einlassen, an eine Zukunft zu denken die mir all das bietet, wovon ich schon immer träumte: Freiheit und Selbstbestimmung.

Ich arbeite nun als Freelancer für Agenturen, setze aber auch eigene Projekte um. Derzeit arbeite ich hauptsächlich für 2 Agenturen: 2 x angefragt, 2 x gebucht und heute schon wieder von einer weiteren Agentur angefragt! Ich werde aber weitere akquirieren und möchte auch unbedingt eigene Projekte umsetzen. So plane ich derzeit gemeinsam mit einer Netzwerk-Kollegin ein spannendes Projekt. Fest steht aber: Ihr könnt mich buchen.

Ich kann weiterhin jeden verstehen, der eine feste Anstellung bevorzugt. Doch was ist heutzutage schon noch eine feste Anstellung? Die Lebensläufe mit jahrzehntelanger Beschäftigung gehören nun wirklich zur Arbeitswelt von gestern. Alle müssen sich immer auf Veränderung einstellen. Täglich. Immer.

Auch ist es mir sicherlich leichter gefallen diesen Schritt zu gehen, da ich auf alle Fälle für mein restliches Berufsleben Erfahrungen wie diese, die ich im letzten Unternehmen machen musste, unbedingt in Zukunft VERMEIDEN möchte. Mein Bedarf daran ist gedeckt. Und auch hier habe ich stärkenden Rückhalt durch meinen Coach erfahren. Nicht im Sinne von „mit Ihnen kann man halt nicht arbeiten“ sondern „Sie stehen zu Ihren Prinzipien“ und „das konnte ja nicht klappen“. Gibt es den Begriff „systemische Verschiebung“ ? Wenn ja, würde es gut dazu passen.

Aber das wichtigste was mir vermittelt wurde: Es ist völlig in Ordnung bunt zu sein. Ich bin jetzt viel unterwegs, zuletzt auf der re:publica im Berlin, bilde meine Netzwerke und liebe die Menschen um mich rum und mit denen ich arbeiten darf. Ich lerne fast jeden Tag Neues, sei es beruflich oder aber auch für mich persönlich. Ich kann all mein gelerntes direkt zum Einsatz bringen, aber auch meine Persönlichkeit so leben, wie ich nun mal bin. Ich werde angefragt. Z.B. für ein Podcast-Interview um über mich zu erzählen. Hört-hört. Demnächst bin ich in der Pfalz auf einem Netzwerktreffen. Lauter starke Frauen. Ich freu mich so darauf!

Auf die Frage, „wo sehen Sie sich in einem Jahr“ antwortete ich damals zu Beginn des Coachings: „Ich sitze mit einem Apple Notebook in einem Loft-ähnlichen Gebäude und arbeite an verschiedenen Projekten.“

Und was soll ich sagen? Ratet wo ich gerade sitze? Und auf was ich diesen Text verfasse? Genau. Richtig geraten. Soll ich ein Selfie von mir schicken?

Das Coaching, hat mir auf angenehme aber auch zielführende Art und Weise den Weg aufgezeigt, den ich gehen musste. Schnell, klar und mit allen Konsequenzen die damit verbunden sind. Mit jemanden die eigenen Gedanken zu reflektieren und weiter auszuführen kann so unglaublich kostbar sein.

Es hätte nicht besser für mich kommen können. Ich habe bisher keine Sekunde bereut, diesen Schritt gegangen zu sein. Petra Perlenfein war für mich der richtige Coach. Ich habe großes Glück gehabt an sie geraten zu sein.

Mein Abschlußgespräch ist beendet. Petra Perlenfein freut sich riesig mit mir, dass alles so gut geklappt hat und das es mir so gut geht. Sie hat mich auch schon anders gesehen.

Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle, halte mein Gesicht in die Sonne und winke nochmals der Frau zu, mit der ich mich auf der Herfahrt in der Straßenbahn so nett unterhalten habe: Sie ist jetzt mit ihrem Sohn unterwegs, gegenüber auf der anderen Straßenseite. Sie sieht mich und zeigt stolz auf ihren Sohn. Ich lache und halte meinen Daumen nach oben.

LIKE.

Es grüßt euch

Gabriele

Wenn ihr mehr über meinen Coach erfahren wollt, hier geht es zu ihrer Website: http://www.perlenfein-karriereakademie.de/

*Mutter = ist mir in diesem Zusammenhang wichtig, da wenig Frauen dieses Programm (immer Vollzeit berufstätig) mit allen Konsequenzen durchziehen.